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Moriz Szeps (1835-1902) und Familie

Moriz Szeps

Herkunft und Jugend

Moriz Szeps wurde am 5.11.1835 in Busk (Ukraine) geboren. Seine Eltern waren der jüdische praktische Arzt Dr. Leo Szeps und dessen Gattin Fanni Brand. In der Familie gab es mehrere Rabbiner, Gelehrte und Ärzte. Als Moriz 16 Jahre alt war, starb sein Vater. Moriz besuchte in Lemberg das Gymnasium und studierte danach ein Jahr lang Naturwissenschaften an der Universität Lemberg. Dort arbeitete er für einen gewissen Professor Wolff im Chemischen Laboratorium. Moriz wurde von seinem Professor so sehr geschätzt, dass er ihn zeitweise sogar bei den Vorlesungen vertreten durfte. 1854 zog Moriz nach Wien und begann Medizin zu studieren. Er besuchte vor allem die Vorlesungen des bekannten Pathologen Carl von Rokitansky. Moriz schrieb während seines Studiums naturwissenschaftliche Aufsätze für verschiedene Zeitschriften. Über Rokitansky lernte er dessen Assistent Dr. Wislocki kennen. Dieser war Chefredakteur des Blattes „Der Wanderer“. Durch diese Bekanntschaft wandte sich Moriz ab 1855 vermehrt dem Journalismus zu. Von 1855 bis 1858 schrieb Moriz für „Die Presse“. Der Herausgeber dieser Zeitung war August Zang. Moritz' Artikel beschäftigten sich vor allem mit Osteuropa und dem Russischen Zarenreich. Mit seinen Artikeln machte er sich bei Lesern und auch in journalistischen Kreisen einen Namen. Leopold Landsteiner, der Begründer der liberalen „Morgen-Post“, warb Moriz für den politischen Teil seines Blattes an. 1858 brach Moriz daher sein Medizinstudium ab und begann als Chefredakteur bei der „Morgen-Post“ zu arbeiten. 

 

Familie

Am 23. Juni 1861 heiratete Moriz Szeps die 22jährige Amalia Schlesinger. Die Trauung der beiden fand im Gemeindetempel in der Leopoldstadt statt und wurde vom Prediger Adolf Jellinek vollzogen. Als Beistand fungierte u.a. Leopold Landsteiner, der Herausgeber der „Morgen-Post“. Amalia stammte aus Neustadt an der Waag (heutige Slowakei). Ihr Bruder war der Journalist und Schriftsteller Sigmund Schlesinger. Er und Moriz arbeiteten gemeinsam bei der „Morgen-Post“. Über Sigmund lernten sich Moriz und Amalie vermutlich auch kennen. Sigmunds Tochter Amalie heiratete später den Arzt Dr. Otto Zuckerkandl

 

Aus der Ehe von Moriz und Amalia gingen 5 Kinder hervor:

 

Tochter Sophie (1862 – 1937) wurde die Ehefrau des Bergbau-Ingenieurs Paul Clemenceau, dem Bruder des französischen Präsidenten Georges Clemenceau. Sophie zog zu ihrem Mann nach Paris und unterhielt dort einen Salon, in welchem die österreichisch-französische Freundschaft und der kulturelle Austausch gefördert wurden. Die gesamte künstlerische und intellektuelle Elite von Paris fand sich in ihrem Hause ein. Sophie’s Salon war jedoch im Gegensatz zum intellektuellen und künstlerischen Salon ihrer Schwester Bertha eher musikalisch ausgerichtet.  

Die Szeps-Schwestern: Sophie Clemenceau und Bertha Zuckerkandl
Sophie und Bertha

1917 bemühten sich Sophie Clemenceau und Bertha Zuckerkandl in der Schweiz vergeblich um eine Versöhnung zwischen Österreich und Frankreich. Danach gab es noch einige weitere derartige Initiativen der Geschwister. Als Georges Clemenceau 1917 zum zweiten Mal Ministerpräsident Frankreichs wurde, startete er eine regelrechte Hetzjagd gegen Pazifisten und Friedensvermittler. Georges Clemenceau's einziges Ziel war der Sieg Frankreichs über Deutschland und Österreich-Ungarn. Er zog es sogar in Betracht seine Schwägerin Sophie verhaften zu lassen. Daraufhin brach sein Bruder Paul Clemenceau den Kontakt zu ihm ab. Auch nach dem Krieg setzte Sophie ihre Bemühungen um eine österreichisch-französische Annäherung in ihrem Salon fort. Sie und ihre Schwester Berta Zuckerkandl bemühten sich weiterhin die Beziehungen zwischen Frankreich und Österreich zu erweitern und neue Kontakte zu knüpfen. In den 1930er Jahren zogen Sophie Clemenceau und ihr Ehemann Paul von Paris auf ihr Landgut in der Vendée. Sophie starb im Jahre 1937. Ihr Ehemann Paul Clemenceau verstarb 1945.

 

Tochter Bertha (1864-1845) führte später wie ihre Mutter einen Salon, wo sich alles was Rang und Namen hatte traf. Auch als Journalistin und Schriftstellerin hatte sie großen Einfluss in der Gesellschaft. Im Haus ihrer Eltern lernte sie den Arzt Dr. Emil Zuckerkandl kennen, den sie 1886 im Wintergarten des Palais in der Liechtensteinstraße heiratete. Mehr über Bertha Zuckerkandl und ihre Familie ist im Artikel über Emil Zuckerkandl nachzulesen. 

 

Todesanzeige Leo Szeps

Sohn Leo (1865-1903) studierte zusammen mit Otto Zuckerkandl Medizin an der Universität Wien. Leo musste sein Medizinstudium allerdings aufgrund einer Krankheit schon bald wieder aufgeben. Er wandte sich daraufhin dem Journalismus zu und arbeitete unter der Leitung seines Vaters beim „Wiener Tagblatt“. Aufgrund seiner schmerzhaften Krankheit konnte er bald auch diesen Beruf kaum ausüben. In der Zurückgezogenheit und Abgeschiedenheit, in der er sich infolge seiner Krankheit befand, eignete er sich im Selbststudium ein immenses Wissen an. Er schrieb naturwissenschaftliche Aufsätze, welche in Fachkreisen großes Ansehen genossen. Als sich sein Vater als Chefredakteur des Wiener Tagblatts zurückzog, ließ auch Leo seine journalistischen Tätigkeiten ruhen und widmete sich ganz den Wissenschaften. Er baute selbst komplexe physikalische und elektrische Apparate, welche er in seinem Privatlaboratorium erstellte und seinen Besuchern voller Stolz vorführte. Angeregt durch die Leidenschaft seines Sohnes, gründete Moriz Szeps 1900 „Das Wissen für Alle“. Das war eine populärwissenschaftliche Zeitung, deren Leitung sich Vater und Sohn teilten. Nach Moriz Szeps Tod 1902 übernahm Leo die alleinige Herausgeberschaft. Leo starb am 7. April 1903 mit nur 38 Jahren. Er wurde im Familiengrab am Zentralfriedhofs beigesetzt (Gruppe 19/56/31).

 

Sohn Julius (1867–1924) studierte vorerst Rechtswissenschaften, schlug dann aber ebenfalls eine journalistische Laufbahn ein. Seine Karriere soll er angeblich weniger wegen seiner journalistischen Fähigkeiten gemacht haben, sondern vielmehr den Beziehungen seines Vaters zu verdanken gehabt haben. Dennoch war er 1899 bis 1909 Chefredakteur der „Wiener Allgemeinen Zeitung“ und einige Zeit auch Chefredakteur der dazugehörigen „Wiener Allgemeinen Montagszeitung“ und der „Wiener Mittags-Zeitung“. Von 1909 bis 1918 war er Chefredakteur des Fremdenblatts, für welches er über die österreichische Innen- wie Außenpolitik berichtete. Während des Ersten Weltkrieges war Julius der journalistische Vertrauensmann von Kaiser Karls Außenminister Ottokar Graf Czernin. Über Julius Szeps und Paul Clemenceau lief während des Ersten Weltkriegs eine Friedensinitiative des Grafen Czernin, die jedoch erfolglos blieb. Julius war auch in die Friedensmission seiner Schwestern in der Schweiz involviert. Nach dem Ersten Weltkrieg schrieb Julius für das „Neue Wiener Journal“.

 

Julius verliebte sich in seine Cousine Jultschi, eine Tochter von Sigmund Schlesinger. Diese schätzte zwar das gute freundschaftliche Verhältnis mit ihm, wollte ihn aber nicht heiraten. Daraufhin ehelichte er Mathilde Schuhbauer, die Erzieherin seines Neffen Fritz Zuckerkandl (Sohn von Bertha und Emil Zuckerkandl). Julius starb am 27. Oktober 1924 in Wien. Seine Leiche wurde eingeäschert. Die Urne wurde im Familiengrab auf dem Zentralfriedhof (Gruppe 19/56/31) beigesetzt.  

 

Tochter Eleonora (1873–1885) wurde Ella gerufen. Als die Familie im strengen Winter 1884 auf der Heimfahrt von Abbazia war, zog sich Ella eine Lungenentzündung zu. Am 1. Feber 1885 verstarb sie mit nur 12 Jahren. Begraben wurde sie am jüdischen Teil des Zentralfriedhofs (Gruppe 5B/101/1). Der Tod der Tochter traf alle schwer. Moriz Szeps flüchtete sich danach noch mehr in seine Arbeit. 

Die Ausbildung ihrer Kinder war den Szeps sehr wichtig. Die Söhne besuchten das Gymnasium und studierten anschließend an der Universität. Mädchen wurden in der damaligen Zeit in Gymnasien nicht aufgenommen. Moriz organisierte daher für seine Töchter Sophie und Berta, sowie deren Cousine Mitzi (älteste Tochter von Sigmund Schlesinger) ausgewählte Hauslehrer, die vorwiegend aus dem Personalstab der Zeitungsredaktion stammten.   

 

Religion spielte im Hause Szeps keine große Rolle. Die Familie gehörte zum assimilierten Judentum. Die meisten Szeps-Kinder heirateten nichtjüdische Partner. 

 

Wohnadressen

Die Familie Szeps wohnte bis etwa 1870 in der Großen Stadtgutgasse 44 im 2. Bezirk und zog dann in den 1. Bezirk auf den Franziskanerplatz 5. Dort befand sich auch die Redaktion des „Neuen Wiener Tagblattes". 1875

Palais Szeps in der Lichtensteinstraße in Wien

übersiedelten die Szeps' in die Weihburggasse 32 unweit der Redaktion. Durch seine großen journalistischen Erfolge konnte sich Moriz bald ein Palais leisten. Dieses ließ er vom Architekten Ludwig Tischler in der Liechtensteinstraße 51 erbauen. Die Familie bezog es 1878. Hier führte Amalia einen beliebten Salon. Das „Szeps-Haus“ war auch sehr oft Schauplatz großer gesellschaftlicher Feste und Soirées die von der bürgerlichen Elite Wiens gerne besucht wurden. 

 

Auch Katharina Schratt, die mit den Schlesinger-Töchtern eng befreundet war, war im Hause Szeps ein gern gesehener Gast. Dazu gibt es folgende Anekdote: Die Szeps hatten zu einer Soirée eingeladen. Katharina Schratt sagte der Gastgeberin aber ab. Sie hatte sich gerade scheiden lassen und wegen Geldproblemen all ihre Habseligkeiten verpfändet. Sie gestand Amalia Szeps, dass sie kein geeignetes Kleid besitzen würde. Daraufhin ging Amalia mit ihr zur Schneiderin und ließ auf ihre Kosten für die Schratt ein Kleid anfertigen. 

 

Nach dem Verkauf des Palais bewohnten es mehrere Familien, bis es 1928 vom schwedischen Staat erworben wurde. Heute ist hier die schwedische Botschaft untergebracht.

 

Neben dem Palais in Wien besaß die Familie Szeps auch ein Landhaus mit einem dazugehörigen Gut. Dort betrieb Moriz Landwirtschaft. Der „Amalienhof“ war ein uralter Bauernhof in Kierling. Er war umgeben von einem Park, in dem seltene Bäume und Pflanzen gezüchtet wurden. Außerdem befanden sich auf dem Anwesen Gemüse- und Obstgärten, ein Schwimmbecken, ein Turnplatz sowie Ställe für die Wagen und Reitpferde. Dort verbrachte die Familie die Sommerfrische. Das Landhaus war auch Veranstaltungsort vieler Feste, zu denen auch viele Persönlichkeiten, wie z.B. Berthold Frischauer, Emil Zuckerkandl oder Alexander Girardi anreisten.  

Palais Damian in der Josefstadt

Aufgrund finanzieller Probleme musste Moriz 1885 das Palais in der Lichtensteinstraße aufgeben und so übersiedelte er mit seiner Familie in das "Damianpalais" in der Lange Gasse 53 im 8. Bezirk. Das Gartenpalais wurde 1700 für Karl August von Damian (1652-1726) erbaut. Es war auch unter dem Namen "Strubelkopf" bekannt. Ursprünglich bestand es nur aus dem Mitteltrakt und besaß offene Arkaden und ein flaches Dach. 1774 wurde es durch den Anbau von Seitenflügeln erweitert. Zu dieser Zeit kaufte es ein Grieche, der es bis 1785 bewohnte. Anschließend vermietete er es an den Hofagenten Karl Abraham Wetzlar von Plankenstern, der sich durch Heereslieferungen ein Vermögen erworben hatte. Von 1865 bis 1866 befand sich eine Heilanstalt im Palais. Zeitgleich mit Moriz Szeps wohnte auch der Redakteur der Neuen Freien Presse, Dr. Theodor Hertzka, in diesem Haus. Durch diese Nachbarschaft entwickelte sich eine langanhaltende Freundschaft. Heute befindet sich das Haus im Eigentum der Gemeinde Wien. Von 1938 bis 1945 waren die Wiener Sängerknaben dort untergebracht. 

 

1896 zog die Familie Szeps in die Alserbachstraße 20 um. Dort wohnte einige Zeit auch Moriz Mutter Fanny bei der Familie. Sie starb am 10. Februar 1896 in diesem Haus. Bestattet wurde sie am Zentralfriedhof (Gruppe 20/10/21). (Anmerkung: Leider war das Grab nicht auffindbar, da in diesem Bereich viele Gräber zerstört sind.)

 

Moriz Szeps und Kronprinz Rudolf

Moriz lernte Kronprinz Rudolf im Oktober 1881 kennen. Der Kronprinz hatte sich die Bekanntschaft mit Moriz Szeps gewünscht, um politische Informationen, die ihm am Hofe vorenthalten wurden, zu bekommen. Zwischen den beiden Männern entwickelte sich rasch eine enge Freundschaft. Für Kronprinz Rudolf war Moriz so etwas wie eine Vaterfigur, von der er auch beeinflusst wurde. Die politische Ausrichtung der beiden hatte dasselbe Ziel. Sie sahen die Zukunft der Monarchie nicht im Bündnis mit dem Deutschen Reich, sondern in der Zusammenarbeit mit dem liberalen, republikanischen und demokratischen Frankreich. Diesen Ansichten stand der Hof allerdings feindlich gegenüber. Die Verbindung zwischen Kronprinz Rudolf und Moriz Szeps musste nicht nur deshalb vor dem Hof geheim gehalten  werden. Auch die Öffentlichkeit sollte nichts über diese

Beziehung erfahren. Antisemiten reagierten heftig über Kontakte des Kronprinzen mit jüdischen Persönlichkeiten. Rudolf schrieb auch anonym Artikel für Moriz Szeps "Wiener Tagblatt". Moriz' Tochter Bertha fungierte dabei als vertraute Sekretärin ihres Vaters.

 

Zwischen 1882 und 1889 hielten der Kronprinz und Moriz regen Briefkontakt. 1922 veröffentliche Moriz' Sohn Julius die Briefe des Kronprinzen . Hier können Sie online im Buch „Kronprinz Rudolf politische Briefe“ lesen.

 

1889 verlor Moriz mit dem Selbstmord des Kronprinzen nicht nur einen Freund. Es war auch ein enormer Rückschlag in seinen politischen Bestrebungen.  

 

Concordia

Neben Sigmund Schlesinger, Leopold Landsteiner, August Zang und Dr. Ignaz Kuranda war u.a. auch Moriz Szeps 1859 ein Gründer des Wiener Journalisten- und Schriftstellervereins „Concordia“. Der Verein wurde nach der Glocke in Schillers „das Lied von der Glocke“ benannt. Concordia ist das lateinische Wort für Eintracht. Der Verein wurde zur Unterstützung hilfsbedürftiger Mitglieder ins Leben gerufen. Weiters wurde eine Pensions-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung aufgebaut, bei der auch Witwen und Waisen begünstigt waren. Das Geld dafür kam aus den Mitgliedsbeiträgen, Geschenken und Publikationen. Der Verein organisierte auch Bälle, Konzerte, öffentliche Vorlesungen und Wohltätigkeitsveranstaltungen. Die „Concordia“ kämpfte für bessere Arbeitsbedingungen im Journalismus und forderte Reformen der Pressegesetzgebung. Sie ist der älteste Presseclub der Welt. Obwohl ein Großteil der Mitglieder der Concordia Juden waren, trat der Verein nie öffentlich gegen den Antisemitismus auf. 

 

1880 wurde der Concordiaplatz im 1. Bezirk nach dem Club benannt, der ganz in der Nähe, am Werdertor, seinen Sitz hatte. Unter den Nationalsozialisten wurde der Club aufgelöst und das Vermögen beschlagnahmt. 1946 wurde er wieder gegründet und 1958 mit dem Österreichischen Presseclub zum heute noch gültigen „Presseclub Concordia“ vereinigt. Bundeskanzler Julius Raab übergab das renovierte Haus in der Bankgasse 8 an den Verein. Seither ist es als „Concordiahaus“ bekannt.

 

Journalistische Tätigkeit von Moriz Szeps

Vor 1848 existierten in der Reichshauptstadt Wien ausschließlich drei Tageszeitungen. Diese standen unter staatlicher Kontrolle und Zensur Fürst Metternichs. Nach der Revolution von 1848 und Aufhebung der Zensur, erschienen vermehrt Zeitungen jüdischer Eigentümer. Sie waren meist liberal geprägt. Einer der  Zeitungsgründer war Leopold Landsteiner. Dieser verließ nach einem Streit mit August Zang, dem Herausgeber der „Die Presse“, dessen Redaktion und gründete 1850 die „Morgen-Post“. Dieses erste Volksblatt Wiens erschien 6 mal wöchentlich und widmete sich besonders der politischen Berichterstattung. Sie beinhaltete aber auch Feuilletonromane und Klatschgeschichten, was ihr nicht nur in Wien eine große Leserschaft einbrachte. 

 

„Morgen-Post“ (1858-1867)

Moriz Szeps startete seine Karriere 1858  als Chefredakteur der „Morgen-Post“. Dort arbeiteten u.a. auch sein Schwager Sigmund Schlesinger, Heinrich Pollak und Heinrich Reschauer. Unter Moriz Szeps erlebte die „Morgen-Post“ einen erheblichen Aufschwung und wurde das führende Volksblatt Wiens

 

Moriz scheute nicht davor zurück in seinen politischen Artikeln seine Gegner direkt anzugreifen. Immer wieder bekam er daher Probleme mit der österreichischen Pressebehörde. Als 1861 auf dem Titelblatt der „Morgen-Post“ der Artikel „Freie Worte eines Bürgers an den Kaiser von Österreich“ erschien, wurde Leopold Landsteiner wegen Hochverrats vor Gericht gestellt. Der Artikel stammte von Moriz. Das Verfahren gegen Landsteiner wurde schließlich aufgrund seiner politisch gemäßigten Einstellung und da er sich zuvor nichts zuschulden kommen lassen hatte, eingestellt.

 

Unter der Leitung von Moriz trug das Blatt zur Verbreitung von liberalen und freiheitlichen Gedanken im Volk maßgeblich bei. Zudem machte sich die „Morgen-Post“ einen Namen als verlässlichste und bestinformierteste Zeitung Wiens. Moriz erfuhr durch einen anonymen Informanten auch als Erster von der österreichischen Niederlage bei Königgrätz am 3.7.1866. Daraufhin verfasste er einen Artikel und ließ ihn in die Setzerei bringen. Seine Mitarbeiter sperrte er mit Bier und Wurst bis in die frühen Morgenstunden ein, damit die Meldung nicht nach außen dringen konnte. Moriz war ein richtiges Organisationstalent. Außerdem unterhielt er im Gegensatz zu Leopold Landsteiner ein gutes kollegiales Verhältnis zum Personal. 

 

Trotz des anhaltenden Erfolgs der „Morgen-Post“ gestaltete sich das Verhältnis zwischen Moriz und Leopold Landsteiner zunehmend schwieriger. Als Leopold Landsteiner 1867 die Gehälter seiner Mitarbeiter nicht erhöhen wollte, revoltierten die meisten Mitarbeiter gegen den Eigentümer und kündigten

 

„Neues Wiener Tagblatt“ und „Neues Wiener Abendblatt“ (1867-1872)

Moriz Szeps kaufte zusammen mit Heinrich Pollak und Sigmund Schlesinger das „Wiener Journal“ und führte es als „Neues Wiener Tagblatt“ weiter. Moriz übernahm beinahe das gesamte Personal der „Morgen-Post“. Die stärkste Konkurrenz wurde die „Neue Freie Presse“. Diese hatte Max Friedländer nach einem Zerwürfnis mit August Zang von „Die Presse“ gegründet. 

 

Das „Neue Wiener Tagblatt“ vertrat eine liberale und antiklerikale Position. Am 29. Juni 1868 erschien die Bulle „Servus frater indignus“ von Papst Pius IX. Darin verurteilte die Kirche die Gott- und Sittenlosigkeit der Bevölkerung. Als Ursache des Übels wurden „gottlose Bücher“ und „verderbliche Zeitungen“ genannt. Daraufhin veröffentlichte Moriz Szeps einen Artikel unter dem Titel „Der Knecht der Knechte Gottes“. Darin wies er den Papst darauf hin, dass in seinem eigenen Kirchenstaat weitaus schlimmere Zustände herrschen würden als in jedem anderen Staat der Welt. Der Artikel erregte ungeheures Aufsehen bei der Leserschaft. Zwei Tage später erschien ein weiterer Artikel, der die Wogen noch höher schlagen ließ. Die k.u.k. Staatsanwaltschaft erhob daraufhin Anklage gegen die Redaktion und Moriz Szeps. Obwohl dieser verurteilt wurde, publizierte er einige Woche später erneut einen antiklerikalen Artikel. Bei einer neuerlichen Anklage wurde er allerdings für „nicht schuldig“ erklärt. Solche Artikel zogen vermehrt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich und waren die beste Werbung für das Blatt.

 

Moriz Szeps verstand es die Zeitung zu einem der erfolgreichsten Blätter der Monarchie zu machen. Er war auch einer der Ersten, der Werbung in seiner Zeitung in größerem Ausmaß unterbrachte und damit das Blatt mitfinanzierte. Ende 1868 erschien auch das „Neue Wiener Abendblatt“ aus der Redaktion von Moriz Szeps.

 

Moriz hatte zahlreiche Vertrauensmänner und Spitzel, die ihn mit zuverlässigen und wichtigen Informationen versorgten. Diese Verbindungen waren zwar kostspielig, dafür war das „Neue Wiener Tagblatt“ die bestinformierteste Zeitung Wiens. Das „Neue Wiener Tagblatt“ verkündete 1870 auch als erste Zeitung vom deutschen Sieg über die Franzosen bei Sedan. Sogar die österreichische Regierung wusste noch nichts davon und hielt den Artikel vorerst für eine Zeitungsente.  

 

Szeps blieb bis Mai 1872 Alleineigentümer und Herausgeber des Blattes. Dann wurde die „Steyrermühl Aktiengesellschaft“ gegründet und er brachte das Blatt in diesen Verlag ein. Ab dieser Zeit fungierte Moriz nur mehr als Herausgeber. Die Druckerei und die Redaktion übersiedelten in neue Räumlichkeiten am Fleischmarkt (Steyrerhof). Der Börsenkrach 1873 machte auch den Zeitungen wirtschaftlich schwer zu schaffen.

 

In den 1870er Jahren beeinflusste das „Neue Wiener Tagblatt“ auch maßgeblich einige gesellschaftspolitische Entscheidungen. So konnte 1873 der Wienerwald durch die Berichterstattung des „Neuen Wiener Tagblatts“ vor der Verwüstung gerettet werden. Moriz Szeps unterstützte den Naturschützer Josef Schöffel bei seinem Kampf gegen Minister und Beamte. Auch für die erste Hochquellwasserleitung setzte sich Moriz in seiner Zeitung ein. Er schaffte es die Öffentlichkeit vom Projekt des Geologen Eduard Suess dermaßen zu überzeugen, dass die vorerst ablehnende Haltung der Bevölkerung in eine Zustimmung umschwenkte.

Zum zehnjährigen Bestehen des „Neuen Wiener Tagblatts“ brachte die Wiener Sonntagszeitung „Die Bombe“ 1877 auf ihrer Titelseite eine Zeichnung über Moriz Szeps und eine Lobrede auf ihn. Auch das satirische, liberale Wiener Sonntagsblatt „Der Floh“ lobte 1880 Moriz Szeps und das „Neue Wiener Tagblatt“. 

 

Moriz Szeps lieh seinem Schwager, der ständig in finanziellen Schwierigkeiten steckte, immer wieder Geld. Als die Gläubiger von Schlesinger 1884 ihr Geld schließlich in der Redaktion einforderten, kam es zum Streit zwischen den beiden Männern. Sigmund Schlesinger schied daraufhin aus dem "Neuen Wiener Tagblatt" aus. Infolgedessen brach auch jahrelang der Kontakt zwischen den Familien Szeps und Schlesinger ab. 

 

Die liberalen, antiklerikalen, frankophilen und oft deutschkritischen Artikel des Blattes zogen immer wieder den Unmut der Regierung auf sich. Im Jänner 1883 verhängte schließlich der Statthalter von Niederösterreich, Graf Kielmannsegg, über das „Neue Wiener Tagblatt“ ein Verschleißverbot. Die Zeitung durfte damit in den Verkaufsstellen und Tabaktrafiken nicht mehr verkauft werden. Die Redaktion musste daher selbst Verkaufsstellen mieten oder eigene Kioske aufstellen, um die Zeitung verkaufen zu können. Diese Regelung belastete das Blatt 10 Jahre lang. Daher überlegte Moriz Szeps die "Morgen-Post", die zum Verkauf stand, zu kaufen und das „Neue Wiener Tagblatt“ in diesem fortzuführen. Allerdings lehnte der Verwaltungsrat der „Steyrermühl“ diese Idee ab. Das wiederum endete in einem Streit zwischen Moriz Szeps und den Mitgliedern des Verwaltungsrats. Moriz Szeps fand schließlich in Dr. Rappaport einen Finanzier für seine Kaufabsicht. Unglücklicherweise starb dieser jedoch unerwartet kurz vor Vertragsabschluss. Moriz Szeps wollte daraufhin sein Vorhaben bei der „Steyrermühl“ erzwingen. Diese ging aber nicht auf seine Forderungen ein  und setzte ihn am 15. Oktober 1886 ab. 

 

„Wiener Tagblatt“, „Wiener Abendblatt“ und „Wissen für alle“

1886 kaufte Moriz Szeps dann selbst die abgewirtschaftete „Morgenpost" und führte sie als „Wiener Tagblatt" weiter. Die Abendausgabe wurde unter dem Namen „Wiener Abendblatt" gedruckt. Diese Formate leitete Szeps bis 1899. 1900 gründete Szeps das populärwissenschaftliche „Wissen für alle". Dies war ein Journal, das neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse vermittelte. Damit bot er vor allem seinem Sohn Leo ein entsprechendes Betätigungsfeld

 

Letzte Lebensjahre, Tod und letzte Ruhestätte

Moriz Szeps war lange der mächtigste und erfolgreichste Journalist Wiens und wurde als „Zeitungszar" bezeichnet.  Seine ruhmreichen Jahre waren allerdings Ende der 1880er Jahre vorbei. Er hatte mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen und sein Einfluss in Wien schwand zunehmend.

 

Im familiären Bereich trat allerdings eine positive Wendung ein. Die Familien Szeps und Schlesinger söhnten sich aus und Sigmund Schlesinger stieg sogar beim „Wiener Tagblatt“ als Feuilletonist ein. 

 

Neben seiner journalistischen Tätigkeit, seiner Arbeit für die Concordia und seinem Engagement in der Volksbildung unterstützte Moriz zeitlebens wohltätig die Armen. 

 

Während eines Besuches bei seiner Tochter Sophie und seinem Schwiegersohn Paul Clemenceau in Frankreich

erkrankte Moriz 1901 schwer an einem Nierenleiden. Als er zurück in Wien war, verbesserte sich sein Zustand kurzzeitig. Nach einer Kur in Karlsbad verschlechterte sich sein Zustand im Juli 1902  allerdings dramatisch. Ende Juli wurde er daraufhin im Sanatorium Loew operiert. Nach der Operation trat eine Blutvergiftung ein, welcher er erlag. Moriz starb am 9. August 1902 verarmt im Sanatorium Loew in der Mariannengasse 20 im 9. Wiener Gemeindebezirk. Am 11. August wurde er am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt (Gruppe 19/56/31). Sein Grab wurde zum Ehrengrab ernannt.  Den Grabstein stiftete die "Concordia".

 

die Witwe Amalia Szeps   

Nach dem Tod ihres Mannes 1902 und dem ihres Sohnes Leon 1903 fiel Amalia Szeps in eine tiefe Depression.

Perlenkreation von Amalia Szeps

Auf Anraten ihres Arztes begann Amalia zu häkeln. Sie schloss sich der Wiener Werkstätte an, welche 1903 gegründet worden war. Die Wiener Werkstätte war eine Gemeinschaft verschiedener Künstler, welche kunstgewerbliche Gegenstände wie Alltagsgegenstände, Schmuck und Accessoires, Möbel, Textil- und Lederprodukte und vieles mehr erzeugten. Amalia kreierte Ketten, verzierte Taschen und Lampenschirme mit Perlen. Sie erfand eine neue Technik der Perlenstickerei, welche sie auch patentieren ließ. Auf der Internationalen Kunstausstellung 1911 in Rom wurden im österreichischen Pavillon neben Gemälden von Gustav Klimt auch Erzeugnisse der Wiener Werkstätte ausgestellt. Darunter befanden sich auch Perlenkreationen von Amalia. 1904 zog sie zu ihrer Tochter Bertha und deren Ehemann Emil in die Nusswaldgasse 22, in den 19. Bezirk. 

Traueranzeige Amalie Szeps

1911 stürzte Amalia so unglücklich, dass sie sich dabei beide Hände brach. Damit musste sie ihre Arbeiten ruhen lassen. Amalia starb am 11. Oktober 1912 im Alter von 74 Jahren. Ihre letzte Ruhestätte fand sie im Familiengrab bei ihrem Ehemann. Nach Amalias Tod kaufte der französische Modeschöpfer Paul Poiret ihre Arbeiten auf. Diese Kreationen erfreuten sich in Paris großer Beliebtheit. 


Danke

Ein herzliches Dankeschön an den Mitarbeiter der IKG, der mit mir gemeinsam lange und unermüdlich das Grab von Ella Szeps gesucht hat. Dank zusätzlicher telefonischer Unterstützung haben wir es dann auch gefunden. Derart großartige Hilfe ist nicht selbstverständlich, daher nochmals vielen, vielen Dank!


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