
"Tot ist nur, wer vergessen ist" (Immanuel Kant)
Der Wiener Zentralfriedhof ist wohl jedem Wiener und jeder Wienerin ein Begriff. Aber die meisten wissen nichts bis wenig über die Geschichte dieses Friedhofs. Auch Du gehörst du dieser Gruppe? Das kannst Du jetzt hier ändern. Ich erzähle dir gerne einiges Wissenswerte über die Entstehung dieses Ortes. Ich selbst war unzählige Male am Friedhof, bis ich begann, mich für die Geschichte dieses Ortes und auch für seine "Bewohner" zu interessieren. Immer tiefer zog mich die Materie in ihren Bann. Heute bin ich ein großer Fan des Friedhofs und versuche meine Begeisterung auch an andere weiterzugeben.
Herkunft und Jugend
Basilio Calafati erblickte am 1. Januar 1800 in Triest das Licht der Welt. Seine Eltern waren der Teppichhändler Georg Calafati (ca. 1755-1837) und dessen Ehefrau Franziska. Georg stammte aus Smyrna, das damals zu Griechenland gehörte (heutiges Izmir in der Türkei). Der Name Basilios wurde vielfach als „Basilius“ angeführt. Auch der Familienname wurde zeitweise „Calafatti“ geschrieben. Welche Ausbildung Basilio in seiner Kindheit genoss, ist leider nicht überliefert. Auch wann sich die Familie in Wien niederließ, konnte ich nicht einwandfrei ermitteln. Eine Quelle meint zu wissen, dass Basilio schon mit 10 Jahren nach Wien kam. Die Familie Calafati gehörte der griechisch nichtunierten (orthodoxen) Kirche an. Zum Unterschied zur griechisch-unierten Kirche, ist diese Glaubensgemeinschaft eigenständig und Teil der weltweiten östlich-orthodoxen Kirche. Sie untersteht nicht dem Papst in Rom und hält an der byzantinischen Tradition und der orthodoxen Sakramentenlehre fest. Durch die zahlreichen griechischen Einwanderer gab es damals in Wien schon zwei griechisch-orthodoxe Gemeinden. Am Hafnersteig befand sich bereits die Kirche „Zum heiligen Georg“ und am Fleischmarkt die Kirche „Zur heiligen Dreifaltigkeit".
Gewohnt haben die Calafatis zunächst im Haus zum heiligen Nikolaus auf der Landstraßer Hauptstraße Nr. 11. Das Haus wurde zwar 1969 abgerissen, die Statue des Heiligen wurde aber in den Nachfolgebau integriert und ist noch heute zu sehen. In welcher Sprache die Calafatis zu Hause kommunizierten, weiß ich leider nicht. Sie waren zwar griechischer Abstammung, kamen aber aus Triest. Daher werden sie vermutlich auch italienisch gesprochen haben. In Wien bildeten die Italiener damals einen nicht unbedeutenden Anteil der Bevölkerung. Italienisch war daher eine durchaus gebräuchliche Sprache in der Kaiserstadt. Einige Wiener Ausdrücke gehen noch heute auf die „italienische Zeit“ zurück, wie z.B „ein Alzerl“ (alzo = kleines Lederstück), der „Ballawatsch“ (balordaggine = Tölpelhaftigkeit) die „Bassena“ (bacino = Waschbecken), die „Frittaten“ (frittata = Omelette), ein „Fuzerl“ (futile =geringfügig), das „Gstanzl“ (stanza = Strophe), das „Mezzanin“ (mezzano = das Mittlere), die „Mischkulanz“ (mescolanza = Mischung), „püseln“ (piscolare = schlummern), „Paradeiser“ (pomo del paradiso =Paradiesapfel), eine „Pratzn“ (braccio = Unterarm), ein „Salettl“ (saletta = kleiner Saal), „sekkieren“ (seccare = ärgern, ‚stören) oder der „Tschick“ (cicca = Zigarettenstummel).
