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Die Nachkommen des Grafen Radetzky von Radetz

Theodor Graf Radetzky von Radetz (1813-1878)

Josefine Gräfin Radetzky von Radetz geb. Schafarzik (1813-1896)

Theodor Graf Radetzky von Radetz war der einzige Sohn des Feldmarschall Radetzky, der seinen Vater überlebte. Theodor war in 2. Ehe mit Josefine Schafarzik verheiratet. Beide haben am 20.8.1813 das Licht der Welt erblickt.

 

Die beiden hatten zumindest 2 Kinder:

  • Theodor (1851-1890)
  • Josefine (1855-1889)

Theodor erschoss sich am 21.7.1878 in Görz mit einer Pistole. Nur 3 Tage zuvor gab er noch einem seiner engsten Freunde, dem Baron Hector Ritter Zahony das letzte Geleit. Theodor war einer der Bahrtuchträger. Vermutlich wurde Theodor vorerst in Görz bestattet.

 

Seine Tochter Josefine beging ebenfalls Suizid. Sie lebte mit ihrer Mutter in Görz.  und war Ende März 1889 zu Besuch nach Wien gekommen. Josefine glaubte an einer unheilbaren Krankheit zu leiden und trug sich angeblich schon längere Zeit mit Selbstmordgedanken. Am 1. April 1889 jagte sie sich mit einem Revolver eine Kugel in den Kopf. Sie wurde vorerst am Döblinger Friedhof beerdigt. 

 

Kurze Zeit darauf wurde am Zentralfriedhof eine Familiengruft errichtet. Sie befindet sich in der Gruppe 41B/G1/6. Hier fand am 13. April 1890 die Beisetzung der exhumierten Leichen von Vater und Tochter statt.  

 

Nur ein Jahr später starb Sohn Theodor plötzlich und unerwartet. Er hat in der Familiengruft Liebig-Radetzky seine letzte Ruhestätte. 

 

Gräfin Josefine von Radetzky starb am 28.7.1896 in Wien an einem Lungenspitzenkatarrh. Auch sie fand in der Familiengruft ihre letzte Ruhestätte. Das Grab liegt direkt beim Waldfriedhof und ist von Tor 2 und Tor 3 aus gut zu erreichen. Leider weist das Grabmal bauliche Mängel auf. Das Benützungsrecht ist schon 2020 abgelaufen. Am oberen Teil des Grabsteines fehlt etwas. Vermutlich war dort ein Wappen angebracht. Ich finde es sehr schade, dass dieses Grab wohl nicht mehr lange existieren wird. 

Theodor Graf Radetzky von Radetz (1851-1890)

Gabriele Johanna Gräfin Radetzky von Radetz geb. Liebig (1863-1888)

Hochzeitsfoto von Theodorf Graf Radetzky und seiner Frau Freiin Gabriele Johanna Liebig (1883)

Theodor Graf Radetzky von Radetz war der Sohn von Theodor Konstantin  Radetzky von Radetz (1813-1878) und Josephine Schafarzik (geb. 1813) und damit ein Enkel des Feldmarschall Josef Wenzel Radetzky von Radetz (1766-1858). Theodor wurde 1851 als zweites von drei Kindern des Generalmajors in Padua geboren. Der junge Theodor wurde k.k. Kämmerer und Rittmeister. Er heiratete am 27.10.1883 die Freiin Gabriele Johanna Liebig. Sie entstammte einer böhmischen Industriellenfamilie.  Die beiden hatten 3 Söhne:

  • Josef Franz (1884-1966)
  • Theodor (1885 - 1917)
  • Egon (1887 - 1927), war verheiratet mit Maria Oberwalder
Die 3 Söhne von Theodor Graf Radetzky von Radetz und seiner Frau Gabriele (Joseph, Theodor und Egon)

Gabriele starb am 1. März 1888 mit nur 25 Jahren nach kurzer Krankheit in Göding. Nach ihrem plötzlichen Tod ließ ihr Gatte für sie ein standesgemäßes Grabmal auf dem Wiener Zentralfriedhof errichten. Es sollte der geliebten Frau Unsterblichkeit verleihen. Mit der Gestaltung beauftragte er den akademischen Bildhauer Victor Tilgner. Dieser hatte sich bereits mit der Ausgestaltung zahlreicher Monumentalbauten in Wien einen Namen gemacht. Er galt aber auch als bevorzugter Porträtbildhauer der Wiener Gesellschaft. In seinen Grabmonumenten verband Tilgner zumeist eine klassisch-strenge Architektur mit der Lebendigkeit und Sinnlichkeit jugendlicher Frauenfiguren. Beim Grab von Gabriele von Radetzky ist ein Hauch von Wehmut und Abschiedsschmerz zu spüren. Die halb geöffnete Scheintüre am Grabmal der Gräfin ist als Symbol des Übergangs zwischen Diesseits und Jenseits zu verstehen. Den eigentlichen Blickpunkt des 

Familiengrab Liebieg Radetzky am Wiener Zentralfriedhof

Grabmals bildet aber die lebensgroße weibliche Figur, die die Stufen zur halb geöffneten Tür emporsteigt. Man hat den Eindruck als würde sie im nächsten Moment den Tempel betreten. Die elegante Frauengestalt trägt die Züge der jungen Gräfin Gabriele Radetzky. Mit dem wehmütigen Blick der Frau ist der Moment des Abschiednehmens festgehalten. 

 

Theodor Radetzky verstarb bereits zwei Jahre nach seiner Gattin im August 1890 in Zell/See plötzlich an einem Lungenschlag. Es war wohl die Folge einer heftigen Erkältung, die er sich bei einem Besuch seiner Mutter am Starnberger See zugezogen hatte. Er wurde an der Seite Gabrieles in der Familiengruft bestattet. Das Grab befindet sich am Zentralfriedhof Gruppe 34E/Reihe 2/G2. Es ist von Tor 2 und Tor 3 aus bequem zu erreichen. Dieses Monument ist mein absolutes Lieblingsgrabmal am Zentralfriedhof.

 

Auch die Eltern der Gräfin Gabriele Radetzky (Leopoldine Liebig 1899 und Johann Liebig 1917) sind hier begraben. Ebenso haben ihr Sohn Josef Franz und seine 2. Frau Maria Blanche 1972 und deren Mutter (Elisabeth Maria Miticzky Nemes-Miticz et Csötörtök 1930) ihre letzte Ruhestätte hier gefunden. 

 

Als die Marmorfigur ohne Wissen und Genehmigung des Bundesdenkmalamtes vom Grabmal entfernt wurde, sorgte dies nicht nur bei der Behörde für große Aufregung und Entrüstung. Die kostbare Marmorskulptur gelangte in den Kunsthandel. Sie galt über viele Jahre hindurch als verschollen. Schließlich wurde sie von einem oberösterreichischen Sammler erworben. Eine Rückführung an ihren Ursprungsort scheiterte an der komplizierten rechtlichen Situation. Eine öffentliche Sammlung konnte nicht genügend finanzielle Mittel aufstellen um die Figur zurückzukaufen. Nach über 20 Jahren wurde ein Abguss der Marmorfigur aus Kunststein entdeckt. Er war bei der Abtragung des Originals angefertigt worden und hatte ebenfalls einen mehrfachen Eigentümerwechsel hinter sich. Der aktuelle Eigentümer stimmte einer Aufstellung am Zentralfriedhof zu. So konnte das ursprüngliche Erscheinungsbild der Grabanlage wieder hergestellt werden. 

Egon Radetzky von Radetz (1887-1927)

Egon Radetzky von Radetz wurde als 3. Kind von Graf Theodor und Gräfin Gabriele Radetzky am 30.04.1887 in Graz geboren. Er war gerade mal ein Jahr alt, als seine Mutter starb.

 

Verheiratet war er mit Maria Oberwalder (geb. 1887). Nachkommen sind keine bekannt.

 

Egon starb am 04.12.1927 in Wien. Er wurde am 10.12.1927 am Zentralfriedhof im Grab seiner Großeltern Theodor und Josefine Radetzky von Radetz beigesetzt. Das Grab befindet sich in der Gruppe 41B/G1/6 (siehe oben).

 

Josef Franz Johann Theodor W. M. Radetzky von Radetz (1884-1966)

Zwei Söhne von Theodor und Gabriele starben sehr jung. Es sind auch keine Nachkommen von ihnen bekannt. Der dritte Sohn, Josef Franz Johann Theodor Wenzel Maria Radetzky von Radetz heiratete am 24. April 1909 Maria Therese Gräfin v. Wrbna-Kaunitz-Rietberg-Questenberg und Freudenthal. 1910 wurde ihr Sohn Joseph Johann Wenzel Maria geboren. 1916 wurde die Ehe wieder geschieden. Maria Therese war in 2. Ehe mit dem Grafen Karoly Antal Ferenc Esterhazy verheiratet. Am 31.10.1938 schloss Josef Franz seine zweite Ehe mit Maria Blanche Miticzky de Nemes-Miticz et Csötörtök (1903-1972). Aus dieser Beziehung entstammt der letzte männliche Nachkomme des Feldmarschall Radetzky.

Georg Stephan Radetzky (1942 - 2011)

Georg Stephan Radetzky kam am 23.09.1942 zur Welt. Er war der Sohn von  Josef Franz Johann Theodor Wenzel Maria Radetzky von Radetz (1884 - 1966) und dessen zweiter Frau Maria Blanche Miticzky de Nemes-Miticz et Csötörtök (1903 - 1972). Damit war er der Enkel von Theodor und Gabriele Radetzky und der Ur-Urenkel des Feldmarschall Radetzky von Radetz. Angesichts der vielen Nachkommen des berühmten Radetzky ist es kaum zu glauben, dass Georg das letzte männliche Glied in der Ahnenreihe des Feldmarschalls war. 

Radetzky-Wappen mit den Daten von Georg Graf Radetzky von Radetz (1942-2011)

Georg Radetzky war ein Kunsthändler in Wien und Gesellschafter einer Weinhandelsgesellschaft. Wie schon sein berühmter Ahne hatte auch er immer wieder enorme Geldprobleme. Am 8. Dezember 2009 wurde er als Ritter in den Radetzky-Orden aufgenommen.  Er starb am 4. November 2011 im Alter von 70 Jahren nach langer schwerer Krankheit völlig verarmt. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel drohte ihm ein Sozialbegräbnis. Daraufhin startete der Präsident der Österreichischen Burgen- und Schlösserpatronanz und Georgs guter Freund, Gottfried A. Ritter von Schwarz, einen Spendenaufruf in einer Tageszeitung. Am 15. Dezember 2011  konnte der Verblichene dann tatsächlich mit einer ehrenvollen Zeremonie verabschiedet und im Familiengrab beigesetzt werden. Den Sarg begleitete eine Abordnung des Radetzky-Ordens und eine Delegation der Ehrenritterschaft der Lazarus Union. Beigesetzt wurde Georg Graf Radetzky im Familiengrab Liebig-Radetzky am Zentralfriedhof in der Gruppe 34E/2/G2 (siehe oben).


Bildquellen:

  • Bilder der Mitglieder der Familie Radetzky: Geni
  • Gruft Radetzky: © Karin Kiradi
  • Parte Theodor Radetzky: Wienbibliothek digital
  • Grabmal Liebig-Radetzky: © Karin Kiradi
  • Bild mit Wappen und Daten von Georg Radetzky: © Karin Kiradi
  • Begräbnisfeier für Georg Radetzky: Radetzky-Orden
  • Zeitungsausschnitt: Radetzky-Orden
  • Parte: Aspetos

Quellen:

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