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Jakob Alt (1789-1872)

Die Familie

Selbstportrait Jakob Alt
Selbstportrait

Jakob Alt kam am 28.September 1789 in Frankfurt/Main zur Welt. Seine Eltern waren der Tischlermeister Johann Leonhart Alt (1735-1798) und dessen zweite Gattin Barbara Horst († 1808).

 

Als 14-Jähriger malte er ein Porträt seiner Mutter. Dieses erregte bei Kunstfreunden, die in ihrem Haus verkehrten, großes Interesse. Jakob erhielt seinen ersten Kunstunterricht in seiner Geburtsstadt beim Miniaturmaler Johann Peter Beer (1782–1851) und dessen Vater Johann Friedrich Beer (1741–1804). 1810 brach Jakob zu einer Reise nach Rom auf. Diese unterbrach er in Wien und nahm beim Maler Martin von Molitor Unterricht an der Akademie der bildenden Künste. Das ist allerdings nicht eindeutig belegt.  Sicher ist jedenfalls, dass er als Untermieter in der damaligen Alservorstadt (heute Josefstadt) ein Zimmer bezog. Dabei verliebte er sich in seine Zimmerwirtin Maria Anna Schaller (1790 - 1872), die aus Gresten stammte.  Jakob blieb in Wien und gründete mit Anna rasch eine Familie. Die Hochzeit fand am 12. November 1811 statt. Ob Jakob an der Akademie Historienmalerei studierte oder ob er gleich Auftragsmalereien annahm, lässt sich nicht einwandfrei klären. Es existieren jedenfalls gesicherte Quellen, die belegen, dass Jakob an einer Neuauflage der Wiener Stadtansichten von Carl Schütz mitgearbeitet hat. Eine einträgliche Beschäftigung brauchte er jedenfalls, da seine Familie rasch wuchs. Insgesamt hatten Jakob und Maria Anna 8 Kinder: 

1.      Rudolf                                         28.08.1812 – 12.03.1905

2.      Karl-Friedrich                          13.08.1813 -  ? 

3.      Lidwina Karoline Cäcilia     29.12.1815 - ? 

4.      Franz Jakob                              06.09.1818 – 25.09.1818 

5.      Anna Cäcilia Franciska         14.03.1820 - 1860

6.      Franz Seraph                            16.08.1821 – 13.02.1914 

7.      Karoline                                      02.11.1822 - 1912 

8.      Aloisia                                          11.05.1833 - ? 

 

Wenn Jakob mit Pinsel und Staffelei unterwegs war, nahm er meist auch seine Kinder mit. Diese wurden in die Arbeit seines Vaters einbezogen. Besonders sein Erstgeborener – Rudolf – versuchte sich schon sehr früh selbst als Maler. Aber auch Sohn Franz schlug die Laufbahn eines Kunstmalers ein. Jakob wurde zum wichtigsten Lehrer für seine Söhne. Auch die Kinder Karl und Lidwina halfen in der Werkstatt des Vaters, seine Lithographien zu kolorieren. 

 

Die Familie lebte zuerst in der Alser Straße 28 im 9. Bezirk. Ab 1828 wohnten sie im Haus „Zum Mohrenköpfel im 9. Bezirk, dessen Adresse im Laufe der Zeit mehrfach geändert wurde (Adlergasse 162, Mariannengasse 30, Brünnlbadgasse 810). 

 

Historien- und Landschaftsmaler, Aquarellist, Lithograph

Anfangs betätigte sich Jakob vor allem als Historienmaler, wandte sich aber schon bald der Landschaftsmalerei

Frankfurt/Main 1789 Jakob Alt

zu. Er fertigte für den Wiener Verlag „Artaria“ eine Serie von Ansichten österreichischer und benachbarter Landschaften an. Sie trug den Titel „Mahlerische und merkwürdige Ansichten der verschiedenen Provinzen der österreichischen Monarchie und der benachbarten Länder“. Diese Arbeiten erschienen zwischen 1813 und 1820. Die dafür erforderlichen Kenntnisse der Landschaftsmalerei hatte sich Jakob weitgehend selbst beigebracht.

 

1818 bereiste er im Auftrag des Lithographen und Verlegers Adolf Friedrich Kunike die Donau. Jakob lieferte ihm Vorlagen für eine lithographische Serie, die den Lauf der Donau vom Ursprung bis zur Mündung ins schwarze Meer darstellte. Das Sammelwerk „264 Donau-Ansichten nach dem Laufe des Donaustromes …“ erschien zwischen 1820 und 1826. Anschließend arbeitete er bis 1822 gemeinsam mit Johann Christoph Erhard, Jakob Gauermann und Johann Adam Klein an den kolorierten Umrissradierungen für das Sammelwerk "Mahlerische Reise durch die schönsten Alpengegenden des österreichischen Kaiserstaates".

Gemälde von Jakob Alt

1823 begann er mit der Arbeit an den „Vorzüglichsten Ansichten des k. k. Salzkammer-gutes“. Dieses 1833 fertiggestellte Werk entstand in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Rudolf. Ab 1828 arbeitete Jakob an der Serie „Bilder aus den Alpen der österreichischen Monarchie“. Ab 1832 widmete er sich der lithographischen Serie „Wiens Plätze und Umgebungen“. In den Jahren 1828 und 1833 bereiste er zweimal Oberitalien und hielt sich auch einige Zeit in Rom auf.

 

1830 präsentierte Jakob seine Werke in einer Ausstellung im Österreichischen Kunstverein. Bei seinen Bildern handelte es sich durchwegs um Veduten. Dies sind in der bildenden Kunst wirklichkeitsgetreue Darstellungen einer Landschaft oder eines Stadtbildes. Das Ziel des Werkes ist die Wiedererkennbarkeit des Motivs.  Einer der Gründe für den Trend von Veduten-Bildern war das Interesse der höfischen Auftraggeber an ihren ererbten Ländereien. Mit solchen Bildern wollten sie sich einen repräsentativen Überblick über ihre Besitzungen verschaffen. Jacobs Historien- und Landschaftsbilder waren bald überaus gefragt. Er brachte es damit auch zu relativem Wohlstand.

 

Der Thronfolger und spätere Kaiser Ferdinand beauftragte Jakob Alt, Eduard Gurk und Leander Russ mit der Anfertigung von Veduten aus seinem Reich. Der Habsburger wollte Stadtansichten, Landschaften und Szenen aus seiner Monarchie möglichst wirklichkeitsgetreu vermittelt bekommen. Dazu reisten die Künstler bis 1849 durch das gesamte Habsburgerreich. Jakob Alt holte noch seinen Sohn Rudolf ins Team. Sie fingen in ihren Bildern den Reiz von Städten und Landschaften ein und fügten dem Ganzen noch Menschen ihrer Zeit hinzu. Anlässlich des Hochwassers von 1830 sollte auch die Wohltätigkeit der Habsburger dokumentiert werden. Von den damals insgesamt 302 entstandenen Aquarellen, stammen 170 von Jakob und Rudolf Alt. Dabei war ihr Stil sich so ähnlich, dass ein Außenstehender kaum bestimmen könnte von wem der beiden welches Bild geschaffen wurde. Jakob Alt hat später in hohem Alter seine Werke identifiziert und katalogisiert.

Guckkasten

Die Bilder waren für den sogenannten "Guckkasten" bestimmt. Dabei handelte es sich um ein Gerät zum Betrachten von Bildern. Dazu wurden diese im hinteren Teil des Apparates eingeschoben. Optische Linsen und Lichtquellen ließen das Dargestellte lebendig und dreidimensional erscheinen. Es war gewissermaßen eine Frühform des Diabetrachters. Die dafür angefertigten Aquarelle nannte man „Guckkastenbilder“. Das Projekt für Kaiser Ferdinand endete erst mit seiner Abdankung als Kaiser im Jahr 1849. Während dieser Schaffensphase unternahmen Vater und Sohn Alt ausgedehnte Reisen. Sie hielten ihre Eindrücke in Skizzen fest und arbeiteten sie später im Atelier in Wien aus. Diese Bilder sind fast alle bis heute erhalten. Sie befinden sich zum größten Teil in den Sammlungen der Albertina und der Nationalbibliothek. Eines der Werke dieser Zeit ist das Bild „Klause am Grundlsee mit dem Traunabfluss“. Es ist in Öl auf Leinwand ausgeführt – ein Medium, in dem Jakob Alt nur wenige Werke schuf. Es besticht durch eine große Farbfrische und Klarheit. Solch eine Qualität ist selten zu finden und gehört sicherlich zu den Höhepunkten in Jakob Alts Schaffen. 

Gemälde von Jakob Alt

Ein berühmtes Bild von Jakob Alt ist der 1836 entstandene "Blick aus dem Atelier“. Damit setzte er neue Maßstäbe für illusionistische Tiefenschärfe und haptische Präsenz. 

 

In späteren Jahren lithographierte Jakob viele Veduten seines Sohnes Rudolf und arbeitete ansonsten hauptsächlich als Aquarellist. Er stellte für Kaiser Ferdinand I. einige Ansichten von Rom her. Er malte außerdem eine Reihe weiterer Serienbilder, unter anderem die „Malerische Donaureise von Engelharts-Zell bis Wien“. Seine in den Jahren ab 1849 entstandenen botanischen Ansichten umfassen mehr als 400 Blätter.  Unter dem Titel „Herbarium“ befinden sie sich heute in der Sammlung des niederösterreichischen Landesmuseums.

 

Am 21.03.1851 kündigte die Wiener Zeitung an, dass im Wiener Verlag Joseph Bergmann eine 3-teilige Ansichtenserie "Wien aus dem Luftballon" erschienen sei. Diese zeigt die

Gemälde von Jakob Alt

Stadt aus der Flugperspektive. Angeregt könnte die Serie durch die aufsehenerregende Luftfahrt des Wieners Dr._Natterer mit dem Ballon "Adler von Wien" im Mai 1846 gewesen sein. 

 

Eine letzte Reise führte Jakob nach Mähren und Schlesien. Dort entstand eine lithographische Serie mit Industriemotiven. Jakob war auch der erste Künstler, der die Lithographie für Porträt-darstellungen anwendete.

 

Ab 1861 war Jakob Ausschussmitglied der Genossenschaft bildender Künstler. In den folgenden Jahren verband ihn eine enge Freundschaft mit Nikolaus Dumba. 1869 schuf er eine „Vogelschau von Wien“. 1870 erschien seine „Monographie des kaiserlichen Lustschlosses Schönbrunn".  

 

Jakob Alt gilt heute noch als Begründer der Wiener Aquarellschule. 

Tod und letzte Ruhestätte

1871 feierten Jakob und Maria Anna ihre Diamantene Hochzeit. 9 Monate später starb Maria Anna am 18. August 1872 im Alter von 82 Jahren. Bestattet wurde sie im Familiengrab am Katholischen Friedhof in Matzleinsdorf. Dort ruhte bereits ihre Tochter Lidwina. 

Grab von Jakob Alt am Zentralfriedhof in Wien

Jakob folgte seiner Frau kurze Zeit später, am 30. September 1872 nach. Er starb in der heutigen Skodagasse (damals Reitergasse) im 8. Wiener Gemeindebezirk. Vermutlich verbrachte er seine letzten Tage bei seinem Sohn Rudolf, der dort wohnte. Jakob wurde im Familiengrab in Matzleinsdorf beerdigt. Nach der Auflassung des Friedhofs wurden die sterblichen Überreste von Jakob, Anna Maria und Lidwina enterdigt und auf den Zentralfriedhof überführt. Hier wurden sie am 09.04.1914 in einem neuen Familiengrab neuerlich beigesetzt. Ihre Kinder Karoline (11.04.1912) und Franz Seraph (15.02.1914) waren bereits hier zur letzten Ruhe gebettet worden. Das Grab wurde von der Gemeinde Wien ehrenhalber gewidmet. Es befindet sich in der Gruppe 18/2/66, nahe bei Tor 3. Die Grabinschrift weist auf die harmonische Beziehung von Jakob und Anna Maria hin: "Sie lebten über sechzig Jahre in glücklicher Ehe und ruhen hier nach kurzer Trennung wieder vereint".


Bildquellen:

  • Jakob Alt (Künstler), Selbstbildnis Jakob Alt, um 1806, Wien Museum Inv.-Nr. 116761/1, CC BY 4.0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/190315/)
  • Bild "Frankfurt/Main" 1789: Hampel-Auktions-Haus
  • Ansicht von Bad Gastein: Meisterdrucke
  • Guckkasten: Dorotheum
  • Bild "Blick aus dem Atelier des Künstlers in der Alservorstadt gegen Dornbach" (1836): Wikipedia
  • Bild "Ballonfahrt über Wien", Aquarell, 1847: Habsburgernet 
  • Bild "Perchtoldsdorf": Meisterdrucke
  • Stephansdom: Meisterdrucke
  • Biedermeier-Wohnzimmer: Meisterdrucke
  • Blick auf Wien von der Spinnerin am Kreuz: Wikipedia
  • Jakob Alt: Austria-Forum
  • Bild "Anna Alt", gemalt von Franz Alt: Artvee
  • Familiengrab Alt: Karin Kiradi

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Kommentare: 3
  • #1

    Kerstin (Donnerstag, 25 November 2021 00:45)

    Gut geschriebener und sehr interessanter Beitrag. Vielen Dank Karin!

  • #2

    Gerald E. (Donnerstag, 25 November 2021 11:11)

    Wie immer - interessant und lebendig geschrieben!

  • #3

    Herbert Resetarits (Donnerstag, 25 November 2021 12:13)

    Wieder ein sehr interessanter Beitrag. Freue mich immer was neues zu Erfahren. Herzlichen Dank.