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Jakob Zelzer (1802 - 1874)

Herkunft der Zelzers

Im bayrischen Weiding gibt es einen Orteil Zelz. Von dort stammen vermutlich die Zelzers. Sie ließen sich als frühe Siedler in Eisenstraß (Hojsova Stráz) nieder. Böhmische Könige siedelten dort im Böhmerwald Bauern an. Für weitgehende Freiheitsrechte waren sie verpflichtet, die Grenze zu sichern. Diese Siedler nannte man „Freisassen“ oder „künische Bauern“. Der erste dokumentierte Vorfahre ist Wolff Zelzer, der im Steuerurbar von 1630 als Freisasse auf dem "Zelzerhof" aufscheint. Der "Zelzerhof" wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Er war im 30jährigen Krieg (1618 - 1648) einer von wenigen Höfen, die den Besitzer nicht wechselten. 1775 übernahm Johann Adam Zelzer den Hof. Wenig später wurde er auch Richter. Sein Sohn Wolfgang Zelzer (1751-1816) kaufte 1782 den hochverschuldeten „Bierennerhof“, der in „Wolferlhof“ umbenannt wurde. Weiters führte Wolfgang nach seinem Vater den „Zelzerhof“ weiter. Wolfgang war verheiratet mit Margaritha Pflanzer, mit der er 6 Kinder hatte. 

  • Wolfgang Zelzer (1778-1844)  1. ⚭ Theresia Dax (* 1788)
                                                                 2. ⚭ Katharina Pflanzer 
  • Josef Zelzer (1780-1855) ⚭ Theresia Grassel  (1785-1853)
  • Georg Zelzer (*1787)  ⚭ Walpurga Linzmeier (* 1788)
  • Lorenz Zelzer (*1790) ⚭ Franziska Eggert (*1804) .
  • Johann Zelzer (*1791) 
  • Jakob Zelzer   (15.05.1802-30.10.1874)

Für diese Generation wurde es eng in Eisenstraß. Die Höfe konnten nicht weiter geteilt werden, für einen Kauf fehlte Geld und Grund. Wolfgang bewirtschaftete den Wolferhof, Georg wurde Hufschmied und Lorenz übernahm den Posthof, der ein Teil des Wolferlhofes war. Später zog er mit seiner Gattin nach Stubenbach im Böhmerwald, wo er eine Papiermühle seines Schwiegervaters übernahm. 

 

Jakob und Johann in Wien 

Jakob Zelzer
Jakob Zelzer

Es war gerade Gründerzeit im Kaiserreich und wer vorwärts kommen wollte, wanderte in die Stadt aus. So machten sich die beiden jüngsten Söhne Johann und Jakob auf nach Wien. 

 

Die beiden Brüder betrieben eine "Hutsteppwarenhandlung" am Graben 1133. Jakob wird in diversen Verzeichnissen auch als beeideter Inventars- und Schätzungs-Commissionär ausgewiesen.

 

Wie der Eintrag im Wiener Adressbuch zeigt, konnten die beiden Brüder in Wien rasch Fuß fassen. Jakob wohnte in der Faßziehergasse 114 im Haus "Goldener Anker" am Spittelberg. Johann wohnte in "Stadt 949" (heutige Himmelpfortgasse 7). 

Zeitungsinserat im Fremden-Blatt für Striegelbürsten, die Jakob Zelzer verkaufte

Aus einer Zeitungsanzeige im "Fremden-Blatt" ist im Dezember 1853 zu entnehmen, dass Jakob z.B. auch eine neu erfundene, biegsame und wasserdichte Striegelbürste von Gutta-Percha vertrieben hat. 

 

Aber auch als Hausbesitzer waren die beiden bestens etabliert. Für ihren wirtschaftlichen Erfolg war auch der auf dem elterlichen Hof eingeimpfte Familienzusammenhalt hilfreich.  Allerdings dürfte die Zahlungsfähigkeit bzw. -willigkeit ihrer Kunden nicht immer die beste gewesen sein. Jedenfalls musste Jakob des Öfteren das Gericht zur Eintreibung der Schulden bemühen. 

 

Nachdem die Gesellschaft 1870 von den Brüdern aufgelassen und gelöscht wurde, übernahm ein gewisser Rudolf Zelzer das Geschäftslokal. Er führte bereits zuvor in der Lammgasse 6 einen Warenhandel en gros et en detail für alle Arten von Uniformierungs- und Ausrüstungsgegenständen. Ob hier eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen den bisherigen Geschäftsinhabern und Rudolf Zelzer besteht, ließ sich leider nicht klären.   

 

Einige Zeit später zog es auch Franziska und Maria Anna Zelzer nach Wien. Sie waren die Nichten der beiden Brüder. Lorenz Zelzer war der Vater der Mädchen.  Maria Anna (1841-1912) heiratete den Wiener Beamten Johann Hann. 

 

Franziska und Anton Weiß
Franziska und Anton Weiß

Franziska (1831-1912) wohnte im selben Grätzl wie ihre Verwandtschaft und arbeitete als Posamentiererin. Sie ging als "Wettitant" in die Familiengeschichte der Zelzers ein. Am 26. Oktober 1859 heiratete sie in der Pfarre St. Ulrich den Disponenten Anton Weiß (1817-1882) aus Leobersdorf. Als Trauzeugen fungierten Franziskas Onkel Johann Zelzer und ein gewisser Th. Thornton aus Untereggendorf, der als Spinnereifabrikant vermutlich der Arbeitgeber von Anton Weiß war. Anton und Franziska wurden nach ihrem Tod am Zentralfriedhof im eigenen Grab beigesetzt. Nach Auskunft der Friedhofsverwaltung befand sich dieses beim Tor 2, Gruppe 29/1/39.  Das Grab wurde 1997 aufgelassen. 

 

Die erste schöne Leich am Zentralfriedhof

Jakob Zelzer starb am 30.10.1874 im Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Am 1. November 1874 wurde der neue interkonfessionelle Friedhof ,namens "Zentralfriedhof" seiner Bestimmung übergeben. An diesem Allerheiligen-Tag wurde Jakob Zelzer  dort zur letzten Ruhe gebettet.  

 

Am Eröffnungstag wurden insgesamt 13 Leichen am Zentralfriedhof begraben. Unzählige Schaulustige fanden sich am neuen Gottesacker ein, um die ersten Beisetzungen am Nachmittag mitzuerleben. Die Toten wurden in geschlossenen Trauerwägen zum Friedhof gebracht. Sobald ein Leichenwagen das Haupttor passierte, läutete ein Glöckchen. Daraufhin verließ die wartende Trauerfamilie die Wartehalle und folgte dem Trauerkondukt bis zum Grab. Zwölf der damals bestatteten Toten fanden ihre letzte Ruhestätte in einem anonymen Schacht- bzw. Gemeinschaftsgrab. Jakob Zelzer wurde zwar nicht als erster am Zentralfriedhof begraben, aber als einziger an diesem Tag in einem eigenen Familiengrab zur letzten Ruhe gebettet. Dies trug ihm bis heute das Prädikat "erste schöne Leich am Zentralfriedhof" ein. Außer Jakob Zelzer wurden an diesem Tag noch folgende verstorbene Personen am Zentralfriedhof der Erde übergeben: 

Grab von Jakob Zelzer am Zentralfriedhof in Wien
  • Anton Seifert, pensionierter Rechnungsrath, 78 Jahre alt, Hasengasse Nr. 9
  • Barbara Böhm, Private, 70 Jahre alt, Blechthurmgasse Nr. 3
  • Barbara Jagel, Schuhmachersgattin, 56 Jahre alt, Siebensterngasse Nr. 17.
  • Johann Hauer, pensionierter Landesgerichtsbeamter, 64 Jahre alt, Krongasse Nr. 16.
  • Ignaz Löschka, aus dem allgemeinen Krankenhaus überbracht
  • Wilhelm Lederer, 2 Jahre alt, Arbeiterssohn aus Währing.
  • Josef Reichel, Bahnbeamter.
  • Josef Gasser, Drechslermeister, 69 Jahre alt, Traubengasse Nr. 4.
  • Marie Kraiczek, Maschinschlosserstochter, 20 Jahre alt, Salmgasse Nr. 4.
  • Maria Sturm, Handarbeiterin, 54 Jahre alt, Quellengasse Nr. 24.
  • 2 Kinder

Die Leiche von Jakob Zelzer war in einen Holzsarg gebettet. Dieser wiederum wurde von einem Metallsarg umschlossen. Der Leichnam wurde in einem sechsspännigen Trauerwagen der "Entreprise des pompes funébres" zum Zentralfriedhof befördert.  Die Angehörigen des Toten folgten in Fiakern dem Sarg. Der Leichenzug begab sich direkt zum offenen Grab. Dieses Grab befindet sich in der Gruppe 0/0/Nr. 1. Das ist gleich rechts neben dem Tor 2, direkt an der Friedhofsmauer. Es wird bis heute von der Friedhofsverwaltung als "erstes  Grab" des Zentralfriedhofs in Stand gehalten.

 

Auf dem Grabstein ist zu lesen: "Tief betrauert von seinen Kindern". Julius Leopold (1837-1884) und Julius Ludwig (1876-1898), vermutlich ein Sohn und ein Enkel, wurden ebenfalls hier bestattet.  Leider ist über die Familie Jakob Zelzers nichts bekannt. 


Danke

Ein herzliches Danke an Klaus Dünser! Er hat mir freundlicherweise aus den gesammelten Familiengeschichten seiner Vorfahren die Informationen über die Familie Zelzer zur freien Verwendung überlassen. 


Bildquellen:

Quellen:

  • Viennatouristguide
  • Geneanet von Peter Schmid
  • Oesterreichs Industrie-Halle. Fabriks- und Handels-Lexicon für Oesterreichs
  • Verstorbenensuche Wien
  • "Gerichtshalle" v. 17.8.1868 / Seite 4 / ANNO - Österreichische Nationalbibliothek
  •  "Gemeinde-Zeitung: unabhängiges politisches Journal" v. 3.11.1874 / Seiten 3-4 / ANNO - Österreichische Nationalbibliothek
  • "Morgenpost" v. 4. 11. 1874 / Seite 3 / ANNO - Österreichische Nationalbibliothek
  • "Der Kamerad: österreichisch-ungarische Wehr-Zeitung" v. 11.12.1870 / Seite 15 / ANNO - ONB

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Kommentare: 4
  • #1

    Othmar.Pusch@chello.at (Sonntag, 02 Januar 2022 10:18)

    Sehr interessant - was J. W. Goethe schon wußte: Die Realität/Geschichte ist die beste Dichterin. Lg / Othi

  • #2

    Klaus-Michael Schultes (Sonntag, 02 Januar 2022 18:36)

    Auch ich wünsche Ihnen ein frohes gesundes und glückliches neues Jahr und bedanke mich für Ihren neuen interessanten Bericht und wünsche Ihnen noch viel Freude und Inspiration bei Ihren Recherchen über den Wiener Zentralfriedhof!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Klaus-Michael Schultes

  • #3

    G. Steindl (Sonntag, 02 Januar 2022 21:31)

    Ich wünsche dir und allen Lesern des Blogs ein gesundes Jahr 2022 und freue mich schon auf alle Beiträge des neuen Jahres. �

  • #4

    Gerald E. (Montag, 03 Januar 2022 14:22)

    Wieder ein höchst interessanter Beitrag - danke!