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Johann Nestroy (1801-1862)

Jugend 

Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy wurde am 7. Dezember 1801 als zweites von acht Kindern in Wien geboren. Seine Eltern waren der aus Komorau stammende Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Johannes Nestroy (1763-1834) und dessen Frau Maria Magdalena Constantin (1781-1814). Die Familie wohnte in der Bräunerstraße 3, im 1. Wiener Gemeindebezirk. Johann besuchte die Volksschule von St. Anna. Seine nachfolgende Ausbildung war darauf ausgerichtet, dass Johann wie sein Vater Jurist werden sollte. Als er 13 

Johann Nestroy

Jahre alt war, starb seine Mutter an der „Wiener Krankheit“, einer unheilbaren Lungenschwindsucht.Damals gehörten Hauskonzerte und Theateraufführungen in gut situierten Familien zur Tagesordnung. Dabei wurden Johanns künstlerische Talente derart geweckt, dass er eine Gesangsausbildung machte. 1818 gab er im Redoutensaal der Wiener Hofburg sein Debüt als Sänger (Bass).  Obwohl er 1820 an der juristischen Fakultät der Wiener Universität immatrikuliert hatte, interessierte er sich viel mehr für Musik und Theater. 1822 brach er das Studium schließlich ohne Abschluss ab.  Im darauffolgenden August spielte er in der k. k. Hofoper (damaliges Kärntnertortheater) den Sarastro in Mozarts „Zauberflöte“. 

 

Ehe mit Wilhelmine Nespiesni

1822 lernte Johann Nestroy bei einer Theaterveranstaltung im Haus von Franz Zwettlinger dessen Stieftochter Maria Wilhelmine Philippine Nespiesni (1804–1870) kennen. Wilhelmines Mutter Katharina Nespiesni war zuerst mit Franz Zacher Edler von Sonnenstein verheiratet gewesen. Danach unterhielt sie eine Beziehung mit Graf Zichy, von dem sie 5 illegitime Kinder hatte. Wilhelmine war eines davon. 1813 heiratete Wilhemines Mutter dann Franz Zwettlinger, der sich liebevoll um die unehelichen Kinder kümmerte.   

Johann Nestroy

Katharina Zwettlinger verschaffte Johann Nestroy durch ihre Beziehungen zu Hofkapellmeister Joseph Weigl ein Engagement an der Wiener Hofoper. Als Wilhelmine schwanger wurde, kündigte Johann Nestroy den Vertrag auf und nahm ein besser dotiertes Engagement am Deutschen Theater in Amsterdam an. Am 7. September 1823 heirateten Wilhelmine und Johann in der Augustinerkirche in Wien. Zwei Tage nach der Hochzeit brach das frisch getraute Ehepaar nach Amsterdam auf. Dort gab Johann am 18. Oktober als Kaspar im „Freischütz“ sein Debüt. Am 21. April 1824 kam Sohn Gustav Johann Wilhelm zur Welt (✝ 29. April 1869).  Aufgrund einer Fieberseuche, die durch verseuchtes Trinkwasser verursacht worden war, kehrte Wilhelmine mit ihrem Sohn im Mai 1824 nach Wien zurück. Johann erkrankte schwer, konnte sich aber bald wieder erholen. Nach der Rückkehr Wilhelmines nach Amsterdam reiste die Familie durch Holland und Deutschland und ließ sich schließlich in Brünn nieder. Dort mehrten sich seine Auftritte im komischen Fach und er begann auch selbst Stücke zu schreiben. Johann feierte zwar große Bühnenerfolge, zog sich aber wegen verbotenem Extemporieren (=Improvisieren) und zensurwidriger Texte den Unmut der Polizei zu. Er legte sich gelegentlich auch mit dem Publikum an, weil ihn dessen Nachzischen ärgerte. Die Verstöße gegen die Theaterzensur brachten ihm im Dezember 1825 sogar eine Arreststrafe ein.  Nachdem er im April 1826 abermals auf die Polizeistation zitiert wurde, annullierte man seinen Vertrag. Er hatte nämlich erklärt, dass er sich das Extemporieren nicht verbieten lassen werde. Auf polizeiliche Anordnung musste er die Stadt verlassen. 

 

Die Nestroys zogen dann nach Graz, wo Johann wieder ein Engagement bekam. Wilhelmine lernte dort den Grafen Adalbert Batthány kennen und begann ein Verhältnis mit ihm. 1827 verließ sie deswegen ihren Gatten. Den 3jährigen Gustav ließ sie bei Johann Nestroy zurück. 1841 war Wilhelmine finanziell am Ende. Graf Batthány und alle ihm nachfolgenden Liebhaber hatten sie verlassen. Als sie ihren Noch-Ehe-Mann um Unterstützung bat, handelte sein Rechtsanwalt mit ihr einen Vertrag aus. Demzufolge wurden zwar Wilhelmines Schulden beglichen, die Summe aber von der ihr zustehenden Alimentation abgezogen. Weiters musste sie auf weitere Forderungen verzichten und ihre alleinige Schuld an der Zerrüttung der Ehe schriftlich bestätigen. In den darauffolgenden Jahren dürfte Wilhelmine einen ziemlich fragwürdigen Lebenswandel geführt haben. Dies geht zumindest aus einem Polizeibericht hervor. 1845 wurde schließlich die Scheidung ausgesprochen und die gleichzeitige Entmündigung von Wilhelmine. Die Kuratel-Verfügung galt noch über Johann Nestroys Tod hinaus bis 1870. Katholisch getraute Ehepaare konnten damals lediglich die "Scheidung von Tisch und Bett" beantragen. Eine Wiederverheiratung blieb auf Lebzeit des Ehepartners aber ausgeschlossen.  

 

Lebensgemeinschaft mit Marie Weiler

Marie Weiler

Nachdem Johann Nestroy von seiner Frau verlassen worden war, lernte er in Graz die 18-jährige Sängerin Marie Weiler (13.11.1809 – 31.10.1864) kennen. Eigentlich hieß sie Marie Laucher und war die uneheliche Tochter der Sängerin Cäcilie Laucher (1787-1861), die sich meist Weiler nannte. Maries Vater war Graf Ferdinand Stockhammer (1787-1845), der sich lt. Taufschein auch zu seiner Vaterschaft bekannt hatte. Maries Schwester war die Hofopernsängerin Antonia Laucher (1803-1831). 

 

Da Johann Nestroy aufgrund des geltenden Eherechtes nicht wieder heiraten konnte, ging er mit Marie Weiler „nur“ eine Lebensgemeinschaft ein. Als Nestroy 1829 ein Engagement in Preßburg bekam, konnte Marie Weiler nicht sofort mitkommen, da ihr Grazer Kontrakt noch bis 1831 lief. Anschließend übersiedelten die beiden gemeinsam nach Lemberg.  Als dort die Cholera ausbrach, flohen sie nach Wien. 

 

Aus der 30 Jahre dauernden Beziehung der beiden gingen 3 Kinder hervor. Sie kamen zwar alle unehelich zur Welt, wurden aber von Johann Nestroy auch amtlich als seine Kinder anerkannt. Karl und Maria wurden 1858 durch „allerhöchste Erlaubnis“ von Kaiser Franz Joseph als Nachkommen Johann Nestroys legitimiert und durften ab dann auch den Namen "Nestroy" tragen. 

  • Karl Johann Anton (03.10.1831 – 30.7.1880)
    Er schlug eine militärische Laufbahn ein und wurde 1863 aus dem Militärdienst entlassen. Obwohl er bereits schwer krank war, heiratete er 1880 Stefanie Maria Franziska von Bene noch ca. 2 Wochen vor seinem Tod. Todesursache war ein organischer Herzfehler.
  • Maria Cäcilia (02.04.1840 – 18.04.1873)
    Sie heiratete den Rittmeister Karl Sluka (1827-1891), ihre 1861 geborene Tochter starb nach 2 Wochen.
  • Adolph Johann (25.03.1842 – 14.04.1842)
    Er starb bereits 3 Wochen nach der Geburt an Kopffraisen.

1834 starb Johanns Vater und hinterließ hohe Schulden. Dadurch arbeitete Johann Nestroy nur noch zielstrebiger an seiner Karriere. Dabei übernahm er sich förmlich. Am Nachmittag gab er ein Gastspiel in Wiener Neustadt, abends trat er in Wien auf. Den Sommer über spielte er in Karlsbad

Marie Weiler und Johann Nestroy

Als Künstlerin war Marie Weiler im Vergleich zu Johann eher weniger bedeutend. Er setzte sich aber immer für sie und ihre Karriere ein und schrieb in seine Stücke auch Gesangsrollen speziell für sie. Während die beiden gemeinsam Vorstellungen gaben, kümmerte sich ein Kindermädchen um den Nachwuchs. Ab 1844 trat Marie Weiler immer seltener auf, bis sie 1851 endgültig von der Bühne abtrat. Dafür spielte sie im Privatleben Nestroys und im Theatergeschäft eine umso bedeutendere Rolle.  

 

Sie übernahm die finanzielle Organisation der Gastspiele, Tourneen und alle Gehaltsverhandlungen. Sie vermittelte auch zwischen Johann Nestroy und seinen Kollegen, wenn sich Spannungen abzeichneten. Ihr war es auch zu verdanken, dass zwischen Johann Nestroy und dem Komiker Karl Treumann eine aufrichtige Freundschaft entstand, obwohl Johann den Konkurrenten anfangs komplett abgelehnt hatte. 

 

Als Direktor Carl 1854 plötzlich starb, pachtete Johann Nestroy das Carltheater und übernahm die Leitung. Auch dabei unterstützte ihn Marie Weiler, indem sie ihm viele Aufgaben abnahm. 

 

Johann Nestroy liebte Marie sehr und nannte sie immer nur „die Frau“. Allerdings betrog er sie auch immer wieder. Er ließ keine Gelegenheit aus, um sich in eine Affäre mit jungen Künstlerinnen zu stürzen. Es kam deswegen des Öfteren zu Szenen im Hause Nestroy. Johann Nestroy beschwerte sich, dass Marie Weiler immer hinter ihm her spionieren würde. Marie versuchte die zahlreichen Seitensprünge zu ignorieren und sorgte  

Marie Weiler

dafür, dass die Eskapaden ihres Partners zumindest die Finanzen der Familie nicht gefährdeten. Als Nestroy 1856 eine Affäre mit der jungen Schauspielerin Karoline Köfer anfing, diese mit Schmuck und Kleidern beschenkte und ihr auch noch eine Wohnung einrichtete, wurde es Marie allerdings zu viel. Sie bestand auf den sofortigen Auszug Johanns aus der gemeinsamen Wohnung und auf Gütertrennung. Um dem Konflikt aus dem Weg zu gehen, reiste Johann mit seiner Tochter Maria Cäcilia nach Berlin, Hamburg und Helgoland. Inzwischen ließ er Freunde für ihn bei Marie vermitteln. Als Karoline Köfer versuchte, Marie Weiler durch Intrigen auch noch in Misskredit zu bringen, ließ Johann sie fallen. Es folgte die Versöhnung mit Marie. Johann übertrug daraufhin die alleinige Administration des Carltheaters an Marie. Sie erwies sich als ausgezeichnete Geschäftsfrau und erzielte große finanzielle Erfolge für das Theater . 

Johann Nestroy

Doch im Mai 1858 kam es zu einem neuerlichen Zerwürfnis zwischen den beiden Lebensgefährten. Es ging wieder um Untreue, heimliches Geld, und um eine Vaterschaftsklage. Marie Weiler legte sogar die Verwaltung des Carltheaters zurück und wollte die Trennung. Auch diesmal schafften es Nestroys Freunde wieder, Marie zu einer Aussöhnung zu überreden. Johann Nestroy kaufte daraufhin ein Haus in Graz und eine Villa in Bad Ischl. Marie richtete die als Alterssitz geplanten Wohnungen ganz nach ihrem Geschmack ein.   

 

1861 verfasste Johann Nestroy sein Testament, in dem er Marie Weiler als seine Universalerbin einsetzte. In diesem Dokument lobte er Marie über alle Maßen und bekannte sich auch schuldig für das, was er ihr all die Jahre angetan hatte.

 

Das künstlerische Werk

Johann Nestroy feierte als Opernsänger und Schauspieler große Erfolge. Eine Anekdote erzählt davon, dass er viel lieber tragische Rollen spielen wollte. Doch der Theaterdirektor Carl Carl hatte die Idee, ihn im heiteren Fach einzusetzen. Nestroy reagierte darauf mit „Na, na, das ist nix für mi, des mach i net, die lustigen Rollen können mir g’stohlen bleibn“. Doch Carl gab nicht auf und setzte ihn in der Posse „Zwölf Mädchen in Uniform“ ein. Nestroy gab nach mit dem Kommentar: „Also gut, einmal spiel ich ihm den Narren. Aber so versoffen, übertrieben und grotesk, dass mich die Leut auspfeifen werden und ich dann von den depperten Komikerrollen für immer mei Ruah hab“. Der Erfolg dieses Abends begründete aber den Beginn des Komikers Johann Nestroy.

Vor allem als Theaterschriftsteller machte sich Johann unsterblich. 1827 feierte er mit „Der Zettelträger Papp“, wo er selbst die Hauptrolle spielte, sein Debüt als Possenschreiber.  1833 schaffte er mit “Lumpacivagabundus” seinen Durchbruch. Dieses Stück ist bis heute sein meistgespieltes Werk. 

 

1838 übernahm Direktor Carl auch das Leopoldstädter Theater, so dass Nestroy nun für zwei Bühnen schreiben und spielen musste. Im Sommer ging er regelmäßig auf Auslandstourneen. In seinen Theaterstücken verwendete er eine Mischung aus Hochsprache, Umgangssprache und Mundart.  In seinen frühen Werken gab es noch Feen und sonstige überirdische Gestalten wie bei Raimund. Die späteren Stücke scheinen autobiographische Themen zu behandeln. Es waren komische Volksstücke mit sozialkritischem Hintergrund und es ging meist um Ehebruch, Treue, Familien-Problematiken usw. Die scheinbar oberflächliche Handlung wird durch Gesangsstücke, sogenannte Couplets, unterbrochen. Diese Lieder hatten eine ins Ohr gehende Melodie und einfache Texte, die allerdings mit der Handlung nur lose verbunden waren. Nestroy schrieb meist nur 2 – 3 Strophen des Couplets nieder. Alle weiteren Strophen musste der Sänger bei jeder Vorstellung mit tagesaktuellen Themen improvisieren. Gerade wegen dieser Improvisationen hatte Johann Nestroy häufig Probleme mit der Theaterzensur.

 

Einmal bekam er 5 Tage Arreststrafe, weil er beim Extemporieren auf seinen Feind, den Kritiker Franz Wiest, folgenden Text zum Besten gab: „Auf dem Tisch wird Whist gespielt – ’s ist merkwürdig, dass das geistreichste in England erfundene Spiel den gleichen Namen wie der dümmste Mensch von Wien hat.“ Johann Nestroy hielt mit Vorliebe seinem Publikum einen Spiegel vor Augen. Er zeichnete mit seinen Figuren ein Bild der damaligen Gesellschaft. Und er prangerte Missstände an. Sein Publikum war darüber nicht immer begeistert. Einmal erhielt er sogar vom Kaiser persönlich einen Verweis. Dies hielt Johann Nestroy aber nicht davon ab, weiterhin Kritik an aktuellen Problemen zu üben.

 

Über einen solchen Auftritt berichtet folgende Anekdote: In den 1840er Jahren verkauften die Bäcker kleine Semmeln um denselben Preis, den sie zuvor für wesentlich größere Gebäckstücke verlangt hatten. Johann Nestroy trug daher auf der Bühne an seinem Hemd Semmeln anstatt Hemdknöpfen. Wegen Verhöhnung eines Berufsstandes musste er eine Nacht in Arrest verbringen und sich am nächsten Tag öffentlich entschuldigen. Bei der nächsten Aufführung, bei der die befohlene Entschuldigung geplant war, sprach er den Arrestwärtern seinen Dank aus, weil sie ihm Semmeln durch das Schlüsselloch der Zelle zugesteckt hätten. 

 

Johann Nestroy schuf unzählige Stücke, einige bekannte sind z.B.:

  • Zu ebener Erde und erster Stock oder Die Launen des Glückes (1835)
  • Der Talisman (1840)
  • Das Mädl aus der Vorstadt oder Ehrlich währt am längsten (1841)
  • Einen Jux will er sich machen (1842)
  • Liebesgeschichten und Heurathssachen (1843)
  • Eisenbahnheirathen oder Wien, Neustadt, Brünn (1844)
  • Der Zerrissene (1844)
  • Frühere Verhältnisse (1862) 
Theaterzettel eines Stücks Nestroys aus 1848

Nach der Revolution von 1848 nutzte Nestroy als Autor den Wegfall der Zensur. Dieser Zustand hielt allerdings  nicht lange an. Manche seiner Stücke aus der Zeit danach wurden von ihm deshalb nicht zur Aufführung freigegeben und wurden erst durch seinen Nachlass bekannt.

 

Johann Nestroys schärfster Gegner war der Kritiker Moritz Gottlieb Saphir. Dieser legte es darauf an, Nestroy in der Wiener Theaterzeitung künstlerisch zu zerstören. Entsprechend heftig war auch die Reaktion Nestroys. Diese tiefe Feindschaft nahm allerdings ein ungewöhnliches Ende. Als Saphir im Alter verarmte, unterstützte ihn Johann Nestroy mit ansehnlichen Geldbeträgen und wurde so zu dessen Wohltäter. 

 

Im Laufe seines Lebens trat Johann Nestroy in rund 880 Rollen auf. Zu seinen Lebzeiten standen oft über 20 seiner Werke gleichzeitig auf dem Spielplan der Wiener Bühnen. Als er Ende Oktober 1860 seine Direktion am Carl-Theater beendete, wurde er in einer glanzvollen Abschiedsvorstellung gefeiert.  

 

Taphephobie

In seinem Testament schrieb Johann Nestroy auch von seiner Taphephobie – seiner Angst, lebendig begraben zu werden. Diese Furcht hatte damals durchaus einen realen historischen Hintergrund und war in Österreich weitverbreitet. 1756 verordnete Maria Theresia, dass ein Toter frühestens 48 Stunden nach Eintritt des Todes beerdigt werden darf. Davor war es üblich, Tote sofort zu bestatten. Dadurch konnte es schon vorkommen, dass ein vermeintlich Toter während, oder noch schlimmer, nach der Beerdigung, wieder zu sich kam. Dass jemand qualvoll in seinem Grab erstickt war, erkannte man natürlich erst, wenn man Tote umbettete. Das kam früher sehr häufig vor, weil die Friedhöfe sehr klein waren und Platz gemacht werden musste für die nächsten Toten. Das Skelett lag dann in einer verdrehten Position im Sarg und es waren Kratzspuren auf der Innenseite des Sarges sichtbar. 

 

Nestroy hatte kein Vertrauen zu den Ärzten und schrieb in seiner letzten Verfügung: "Das einzige, was ich beym Tode fürchte, liegt in der Idee der Möglichkeit des lebend begraben werdens. Die Todtenbeschau heißt so viel wie gar nichts, und die medizinische Wissenschaft ist leider noch in einem Stadium, dass die Doctoren - selbst wenn sie einen umgebracht haben - nicht einmal gewiss wissen, ob er todt ist".

 

Um einem derartigen Schicksal zu entgehen, verfügte er, dass an seinem Leichnam ein Herzstich durchgeführt werden soll. In solchen Fällen vollzog ein Arzt nach der amtlichen Totenbeschau und Feststellung des Todes gegen ein entsprechendes Honorar einen Stich mit einem Stilett direkt ins Herz. Ein derartiges Werkzeug gehörte zur Standardausrüstung einer Arzttasche. Scheintot war man danach sicher nicht mehr. Vor dem Tode gerettet, hat es Scheintote aber auch nicht.    

 

Tod, letzte Ruhestätte und Ehrungen 

ursprüngliches Grab Johann Nestroys am Währinger Ortsfriedhof in Wien

1860 trat Johann Nestroy in den Ruhestand und zog nach Graz. Nach Wien kehrte er nur noch für Gastspiele zurück.  Am 18. Mai 1862 erlitt er einen Schlaganfall, an dessen Folgen er am 25. Mai 1862 in seinem Haus in Graz verstarb. Sein Leichnam wurde nach Wien gebracht und am Währinger Ortsfriedhof begraben.  

 

Marie Weiler starb am 31. Oktober 1864 in Wien und wurde im Grab Nestroys beigesetzt.

 

1872 wurde die "Nestroygasse" im 2. Wiener Gemeindebezirk nach Johann Nestroy benannt, im selben Jahr wurde eine Gasse im 14. Bezirk nach ihm benannt. 1932 erhielt der Platz gegenüber vom ehemaligen Carl- bzw. Leopoldstädter Theater im 2. Bezirk den Namen "Nestroyplatz". Bis Ende der 1950er Jahre gab es auch im 22. und 23. Bezirk eine Nestroygasse.   

Ehrengrab Nestroys am Zentralfriedhof Wien

Am 22. September 1890 wurden Johann Nestroy und Marie Weiler in ein Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Wiener Zentralfriedhof umgebettet. Allerdings mit der Einschränkung, dass Marie Weiler zwar auch hier beigesetzt werden dürfe, ihr Name auf dem Grabdenkmal aber nicht aufscheinen darf. Erst 2004 hob man dieses Verbot auf und erwies ihr damit eine späte Ehrung, indem ihr Name auf dem Grabstein nachgetragen wurde. Das Grabdenkmal befindet sich in Gruppe 32A Nr. 6, gleich bei Tor 2.

 

Seit 1973 gibt es die Internationale Nestroy-Gesellschaft. Von 1976 – 1999 wurde der „Johann-Nestroy-Ring“ jährlich als Auszeichnung an Personen verliehen, die sich in Wien in der satirisch-kritischen Darstellung im Sinne Nestroys verdient gemacht haben. Seit 2000 verleiht die Stadt Wien stattdessen den „Nestroy-Theaterpreis“.   

 

Denkmal Nestroys in Wien

Nach dem Einsturz der Reichsbrücke 1976 wurde für den Neubau der Brücke ein Wettbewerb ausgeschrieben. Das Siegerprojekt trug den Namen „Johann Nestroy“. Deshalb hätte die Brücke eigentlich nach dem Künstler benannt werden sollen. Diese Namensänderung wurde aber nicht angenommen, weshalb der Name „Reichsbrücke“ auch für den Neubau der Brücke erhalten blieb.

 

Seit 1983 steht beim Haus Praterstraße 17 ein von Oskar Thiede geschaffenes Denkmal für Johann Nestroy. Ursprünglich stand es am Nestroyplatz, später beim Reinhardt-Seminar im 14. Bezirk. 

 

2008 wurde in Floridsdorf der „Marie-Weiler-Weg“ nach der Schauspielerin und langjährigen Lebensgefährtin von Johann Nestroy benannt. 


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