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Wilhelm Legler (1875-1951), Grete Schindler (1880-1942)

Wilhelm Legler war ein österreichischer Maler und mit einer Tochter von Emil Schindler verheiratet. Er gehörte damit auch zur Familie von Carl Moll und Alma Mahler-Werfel.

 

Herkunft und Jugend

Wilhelm Legler

Wilhelm Legler wurde am 3. April 1875 in Pisino (Kroatien) geboren. Seine protestantischen Eltern waren Wilhelm Legler († 1898) und Adele Köhler (1853-1923). Seine Schwester Emma starb 1886 im Alter von ca. 6 Jahren.

 

Sein Vater war Ingenieur der österr. Nordwestbahn. In dieser Funktion erfand er eine Sicherheits-Doppelkupplung für Eisenbahnwagen. Dafür erhielt er 1873 ein Privilegium für ein Jahr. 1896 trat er in den Verwaltungsrat der Wiener Tramway Gesellschaft ein. 

 

Wilhelm studierte ab 1897 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Carl Moll Malerei. 1898 starb der Vater. Vermutlich wurde er im Grab seiner Tochter beigesetzt, das sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf einem Friedhof befand, der kurze Zeit später aufgelassen wurde.  Wo das war, ließ sich leider nicht eruieren. 1899 kaufte die Familie am Zentralfriedhof in der Gruppe 41A/G2/7 ein Grab und ließ die sterblichen Überreste von Wilhelms Vater und seiner Schwester am 11.4.1899 dorthin umbetten. 

 

Künstlerisches Werk

Wilhelm Legler

Wilhelm ging dann nach Stuttgart und machte dort bis 1906 eine Ausbildung bei Robert Poetzelberger, Leopold von Kalckreuth und Adolf Hölzel. Anschließend erlernte er Radierung bei Alexander Eckener.

 

Ab 1906 war er überwiegend in Wien und Linz tätig. Später arbeitete er auch in Stillfried an der March. 1914 wurde er Mitglied des Wiener Künstlerhauses. 

 

Wilhelm Legler gilt als "malerischer Entdecker des Marchlandes". Künstlerisch war er von seinem Lehrer und späteren Schwiegervater Carl Moll beeinflusst. 

 

Während seiner Zeit in Stuttgart fertigte er zahlreiche Radierungen an. Später wandte er sich dann aber verstärkt wieder der Landschaftsmalerei zu und malte überwiegend Landschaften des Marchlandes. Weiters schuf er auch Blumenbilder und Jagdstillleben. Auch Interieurs bannte er auf Leinwand. Bei diesen Werken ist der Einfluss Carl Molls deutlich erkennbar. 

 

Seine Ölbilder wurden u.a. 1908 in der legendären Kunstschau der Klimt-Gruppe in Wien und 1909 bei der Internationalen Kunstausstellung in Wien ausgestellt. Wilhelm erhielt für seine Werke zahlreiche Auszeichnungen, wie z.B. 1915 den „Drasche-Preis“, 1917 und 1928 Ehrenpreise des Künstlerhauses, 1931 die Ehrenmedaille der Stadt Wien, 1933 und 1935 den österreichischen Staatspreis und 1938 den Preis der Stadt Wien etc.  

Eröffnung der 51. Jahresausstellung im Wiener Künstlerhaus durch den Bundespräsidenten Wilhelm Miklas 1930
Legler (li.) -Eröffnung 51. Jahresausstellung Wr.Künstlerhaus - BP Miklas

Anlässlich Wilhelm Leglers 70. Geburtstag 1945 plante das Künstlerhaus eine große Ausstellung seiner Werke. Dazu kam es allerdings nicht mehr. Am 8. April schlug eine Bombe in Leglers Wohnhaus in der Rainergasse 27 im 4. Bezirk ein und zerstörte dabei fast sein gesamtes künstlerisches Lebenswerk. Einige seiner Bilder befinden sich heute u. a. noch in der Albertina, im Belvedere und im Niederösterreichischen Landesmuseum in St. Pölten.

 

Margarethe Schindler (1881-1942)

Wilhelm Legler mit Gattin Margarethe Schindler und Sohn Willy

Durch seinen Lehrer Carl Moll lernte Wilhelm dessen Stieftochter Margarethe Schindler kennen. Sie wurde immer nur „Gretl“ genannt. Die beiden heirateten am 04. September 1900 in Bad Goisern. Ihre ersten Ehejahre verbrachten sie in Stuttgart, da Wilhelm dort studierte. 1902 kam dort auch ihr Sohn Wilhelm Carl Emil (Willy) Legler (1902-1960) zur Welt. 

 

Margarethe war eigentlich die leibliche Tochter des Malers Julius Viktor Berger (1850-1902). Ihre Mutter Anna Sofie Bergen (1857-1938) war verheiratet mit dem Maler Emil Schindler (1842-1892). Emil Schindler und Julius Berger waren befreundet und teilten sich eine Wohnung. Dies auch

Margarethe Schindler
Grete Schindler

noch, als Emil bereits mit Anna Sofie verheiratet war und die beiden eine kleine Tochter hatten – Alma (1879–1964) (die später berühmte Alma Mahler-Werfel). Während sich Emil auf einer Kur von einer Erkrankung erholte, begannen Julius Berger und Anna Sofie ein Verhältnis. Das Ergebnis war Margarethe, die am 16.8.1880 geboren wurde. Emil Schindler, der zwar wusste, dass sie keinesfalls seine Tochter sein konnte, nahm sie als sein Kind an und kümmerte sich liebevoll um sie. Zum Glück kam Emil in dieser Zeit zu Geld und konnte sich nun ein eigenes Haus leisten. Margarethes Mutter beendete zwar das Verhältnis zu Julius Bergen, ging aber schon bald neuerlich eine außereheliche Beziehung ein.  Diesmal mit einem Schüler ihres Ehemannes – Carl Moll (1861-1945). Die Beziehung dauerte im Geheimen mehrere Jahre. Nach Emil Schindlers Tod, heiratete Margarethes Mutter ihren langjährigen Liebhaber Carl Moll. 1899 kam Margarethes Halbschwester Maria Anna Alma Margaretha (1899-1945) zur Welt. 

 

Margarethe litt an Demenz praecox, einer chronischen, sich stets verschlechternden psychotischen Störung, einer Art von Schizophrenie. Die Krankheit äußert sich durch eine Störung der kognitiven und mentalen Funktionen in Bezug auf Aufmerksamkeit, Gedächtnis und zielgerichtetes Verhalten. Am 25.11.1911 unternahm Margarethe einen Selbstmordversuch. Von da an verbrachte sie den Rest ihres Lebens in psychiatrischen Anstalten in Österreich und Deutschland.  1917 wurde die Scheidung ausgesprochen. Im Dezember 1942 wurde Margarethe in der Landesirrenanstalt Grosschweidnitz bei Dresden von den Nazis getötet. Ihre sterblichen Überreste überführte man nach Wien, wo sie am 5. Jänner 1943 im Familiengrab der Leglers am Zentralfriedhof, in der Gruppe 41A/G2/7 bestattet wurde. 

Wilhelm Legler und Anna Döltl
Anna Döltl und Wilhelm Legler

Margarethe hatte während ihrer Kindheit eine sehr gute Beziehung zu ihrer 2 Jahre älteren Schwester Alma. Später hatten die beiden kaum Kontakt zueinander. Alma interessierte sich auch nicht für das Schicksal ihrer kranken Schwester. 

  

In zweiter Ehe war Wilhelm Legler mit Anna Döltl verheiratet. Von ihr ist leider gar nichts bekannt. Ab 1929 lebten die beiden hauptsächlich in Wien.

 

 

Familiengrab der Familie Legler am Wr. Zentralfriedhof

Letzte Ruhestätte

Wilhelm starb am 28. April 1951 April in Angern-Stillfried, in der Nähe von Wien. Er wurde 76 Jahre alt. Begraben wurde er im Familiengrab der Leglers am Zentralfriedhof. Dieses befindet sich in der Gruppe 41A-G2-7. Das liegt ungefähr auf halbem Weg zwischen Tor 3 und Tor 9.

 

Im selben Grab ruhen auch Wilhelms Eltern Wilhelm und Adele, sowie seine Schwester Emma. Coralie Schönthaler, die ebenfalls hier beerdigt ist, war vermutlich eine weitere Schwester von Wilhelm. Auch Wilhelms erste Frau Margarethe Schindler und sein Sohn Wilhelm fanden hier ihre letzte Ruhestätte. 

 

1957 wurde im 14. Wiener Gemeindebezirk die „Wilhelm-Legler-Gasse“ nach ihm benannt.  

 

Sohn Willy Legler (1902-1960)

Wilhelm Legler mit Sohn Willy

Wilhelm Carl Emil (Willy) kam 1902 in Stuttgart zur Welt. Willy besuchte zunächst die Kunstgewerbeschule in München und studierte im Anschluss an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Carl Witzmann Architektur. 1925 wechselte er zur Meisterschule von Clemens Holzmeister an die Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er 1929 mit seinem Diplom abschloss. 

 

Willy Legler plante Wohnhäuser, Skihütten und u.a. den Wiederaufbau der Schlossgärtnerei Schönbrunn. Für die Wiener Werkbundsiedlung gestaltete er die Inneneinrichtung des Hauses Nr. 11, das von Josef Hoffmann entworfen worden war. Während der NS-Zeit entwarf u.a. Neubauten für die Forstliche Bundesversuchsanstalt in Schönbrunn und für die Schweinemastanstalt des NS-Reichsnährstandes im 12. Bezirk, (heute Bundesversuchsanstalt für Tierseuchenbekämpfung). Zudem sind Projekte für Internate, Schulungs- und HJ-Heime sowie NS-Jugendherbergen dokumentiert. 

 

Forschungsreaktor Triga
Forschungsreaktor Triga

1951 wurde er Mitglied des Wiener Künstlerhauses. 1959-1960 baute er für die Gemeinde Wien den „Hans-Weber-Hof“ in der Ketzergasse 40 im 23. Bezirk. Der gemeinsam mit dem Architekten Fritz Purr geplante Forschungsreaktor „Triga im Wiener Prater gilt als sein letztes Werk, das allerdings erst nach seinem Tod fertiggestellt wurde.

 

Seine Tante, Alma Mahler-Werfel, die mit ihrem jüdischen Mann Franz Werfel in die USA geflüchtet war, nahm nach dem Krieg mit ihm Kontakt auf. Er sollte sich um eine Vielzahl ihrer Angelegenheiten kümmern. Sein „Stiefgroßvater“ Carl Moll, sowie Almas und Margarethes Halbschwester Maria Moll und ihr Ehemann Richard Eberstaller waren Anhänger der NS-Ideologie gewesen. Als die russischen Truppen 1945 in Wien einmarschierten, nahmen sie sich gemeinsam in einer der Moll-Villen das Leben. Auch um die Verlassenschaftsverhandlungen dieser Personen nahm er sich für seine Tante an. Willy machte Inventur in den Häusern von Alma Mahler-Werfel, ließ Reparaturen durchführen und vermittelte in Rechtsangelegenheiten. Willy regelte auch die Instandhaltung des Grabes von Manon Gropius auf dem Grinzinger Friedhof. Manon war die Tochter von Alma und ihrem Ex-Mann Walter Gropius, damit Willys Cousine, die 1935 im Alter von nur 19 Jahren an Kinderlähmung gestorben war.   

 

Willy wohnte in der Berggasse 9 im 9. Bezirk. Über sein Privatleben ließ sich leider nichts eruieren. Er starb im Oktober 1960 im Alter von 58 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er im Familiengrab am Zentralfriedhof, in der Gruppe  41A-G2-7 (siehe oben)


Bildquellen:

  • Wilhelm Legler ca. 1900 - Digital ONB
  • Wilhelm Legler - Digital ONB
  • Wilhelm Legler bei Ausstellungseröffnung 1930 - Digital ONB 
  • Gemälde "Schwäne im Fluss" - Kunst am Glacis 37
  • Gemälde "Landschaft im Marchfeld" - Ebay
  • Gemälde "Fabrik am Fluss" - Askart
  • Gemälde "Interieur mit Blumenstillleben" - Dorotheum
  • Gemälde "Angern im Marchfeld" - Artnet
  • Gemälde "Blumenstilllegen mit Schal" - Artnet
  • Wilhelm Legler mit Margarethe Schindler und Sohn Willy - Mahlerfoundation
  • Grete Schindler - Digital ONB 
  • Anna Döltl mit Wilhelm Legler - Digital ONB
  • Grab Legler - © Karin Kiradi
  • Wilhelm Legler mit Sohn Willy - Digital ONB 
  • Forschungsreaktor Triga - TU Wien

Quellen:

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Kommentare: 2
  • #1

    Marina Milosevic (Sonntag, 24 April 2022 14:13)

    Liebe Karin,dieser Bericht ist ja sehr interessant.Sehr ausführlich und genau,dann auch die Bilder toll.Gibt es zw.diesem Emil Schindler und Oskar Schindler(Fabrikant,der 2000 Juden rettete)eine verwandschaftliche Verbindung?Gratuliere zu deinem Blog.L.G.Marina

  • #2

    G.Steindl (Montag, 25 April 2022 10:03)

    Es ist so schade, dass die Gräber von diesen interessanten Persönlichkeiten nicht gepflegt werden und verfallen müssen.