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Peter Parzer (1937-2010)

die Großeltern Josef (1853-1912) und Johanna Parzer (1866-1917)

Taufeintrag Josef Parzer 1853 in Bruck/Leitha

Die Brüder Josef und Johann Parzer waren Bäckermeister aus Bruck/Leitha. Sie zogen nach Wien und eröffneten hier einen Betrieb. Josef Parzer (1853-1912) heiratete am 14. Juni 1887 Johanna Mayer (1866-1917).  Die Braut war die Schwester von Oberbaurat Heinrich Mayer (1864-1938) aus Wien.

Trauungseintrag  1887 Josef Parzer und Johanna Mayer

Josef besaß das Bäckergewerbe samt Mehlverschleiß und später auch das Wirtsgewerbe. Das Ehepaar führte verschiedene Betriebe in Wien. 1898 bis 1905 betrieben sie das Restaurant „Zum braunen Hirschen“ in der Hauptstraße 24 (Landstraßer Hauptstraße), sowie eine Praterhütte in der Hauptallee 6. 1908 eröffnete Josef Parzer das „Bratwurstglöckerl“ in der Vorderen Zollamtsstraße 15, gegenüber vom Bürgertheater. Später übernahm er auch das im Obergeschoss befindliche "Restaurant Bürgertheater" (später "Bürgerhof"). Heute beherbergt das Gebäude die "Kurkonditorei Oberlaa".   

 

Josef und Johanna hatten 3 Kinder:  

  • Josef  (1888-1968) ⚭ Anna († 1983)
  • Johanna (1892-1948) ⚭ Schödl
  • Richard († 1978) ⚭ Augustine (Gusti) Dätzl († 1960)

Gewohnt haben die Familien von Josef und Johann Parzer gemeinsam in der Hauptstraße 93 (heute „Landstraßer Hauptstraße) in Wien. Josef Parzer starb am 14.3.1912 im Alter von nur 59 Jahren an einem Herzklappenfehler. Sein Leichnam wurde von seiner Wohnung in die Kirche St. Rochus und St. Sebastian getragen und dort eingesegnet. Anschließend brachte man den Toten in seinem Sarg auf den Zentralfriedhof, wo er in der Gruppe 43D/1/7 beerdigt wurde.

 

Nach seinem Tod führte vorerst seine Witwe das Gewerbe erfolgreich weiter. Johanna litt allerdings an einer Herzschwäche. 1913 nahm sie noch am Gastwirteball teil. Am 4. Juni 1917 verstarb sie mit 51 Jahren an den Folgen ihrer Krankheit im Sanatorium Hera. Im Grab am Zentralfriedhof wurden Joseph und Johanna wieder vereint. 

Die Eltern Josef und Anna Parzer

Gastgewerbe

Werbung für das Restaurant Bürgertheater in Wien

Nach dem Tod von Josef und Johanna Parzer übernahmen die Söhne Josef und Richard das Gewerbe ihrer Eltern. 

 

In div. Zeitungen wurde regelmäßig die hohe Qualität ihrer Restaurants angepriesen. Die Presse überschlug sich förmlich beim Schwärmen. Sie berichteten über das "Restaurant Bürgertheater" und seine prachtvolle Einrichtung des Speisesaales im Empirestil. An den Wänden hingen Gemälde nach Van Dyk. Herrschaftliche Luster erhellten stimmungsvoll den Raum. Das "Bratwurstglöckerl" im Untergeschoss des Hauses galt als das originellste Lokal der Stadt. Die Würste 

Werbung für das Restaurant Bratwurstglöckerl in Wien

wurden vor den Gästen zubereitet. In 3 Sälen konnte man täglich Konzerten  lauschen. Zur Wahl standen Darbietungen einer Zigeuner-Jazz-Kapelle, der Dachauer Bauernkapelle aus München und einem Schrammel-Quartett mit Sängern. Weiters hielt ein "Volkskeller" von früh bis spät für seine Gäste offen. Die hohe Qualität der Speisen, die  zu moderaten Preisen angeboten wurden, lobte man überschwänglich. 

Urkunde aus dem Restaurant Bratwurstglöckerl in Wien

Allerdings gab es immer wieder auch Skandalgeschichten zu lesen. So wurde im Feber 1919 das „Bratwurstglöckerl“ polizeilich für ca. 1 Monat gesperrt. Grund war die Übertretung der Ernährungsvorschriften. Angeblich fungierte die Gastwirtschaft auch als „Schleichhandelsbörse“. Verbotenerweise wurden dort an „fleischlosen Tagen“ immer auch verschiedene Sorten Fleisch verabreicht. Weiters bot das Gasthaus ein Weißgebäck zum Preis von 3 Kronen das Stück an. Dieses wurde aus „Edelmehl“ hergestellt und mit Marmelade gefüllt.  Eine Köstlichkeit, die sich nicht viele Betriebe leisten konnten. Außerdem fehlte im Lokal eine Aushängung des Speisetarifs. 1918 wurde das Unternehmen der Parzers 13mal wg. derartiger Vergehen angezeigt. Die Betreiber hielt das aber nicht davon ab, wie gewohnt weiterzumachen.  

 

Der Hintergrund dazu: In der Kriegszeit wurden per Gesetz „fleischlose Tage“ verordnet. Vorerst wurden zwei solche Einschränkungstage ausgerufen. Das Gebot galt am Beginn nur für Gastwirtschaften und öffentliche Lokale. In weiterer Folge wurde die Verordnung verschärft und auch auf private Haushalte ausgedehnt. Welcher Tag der Woche „fleischlos“ zu sein hatte, entschied die jeweilige Landesbehörde. 1916 wurde das Gesetz geändert und ab dann galten 3 Tage der Woche, einheitlich für ganz Österreich Montag, Mittwoch und Freitag, als „fleischlos“. An einem dieser 3 Tage war allerdings Schaffleisch gestattet. An welchem Tag diese Ausnahmeregelung zur Anwendung kam, konnte jedes Kronland selbst bestimmen.  Die Einhaltung des Gesetzes wurde polizeilich überprüft und Vergehen entsprechend geahndet. 

Werbung für das Restaurant Bratwurstglöckerl in Wien

Eine andere Straftat von Josef Parzer machte 1927/28 Schlagzeilen. Josef Parzer steckte kurz vor den Nationalratswahlen am 24. April 1927 in die Lohnkuverts seiner Angestellten vom „Bratwurstglöckerl“ zusätzliche Zettel. Mit diesen Schreiben teilte er seinen Mitarbeitern mit, dass sie für den Fall des Sieges der Einheitspartei unter Bundeskanzler Ignaz Seipel eine 10-20%ige Lohnerhöhung erhalten würden. Er begründete dies damit, dass die Einheitsliste im Wiener Gemeinderat sicherlich die Nahrungs- und Genussmittelabgaben, sowie andere Gemeindesteuern herabsetzen würde. Die Staatsanwaltschaft sah in diesen Beilagen allerdings den Tatbestand der Wahlbeeinflussung gegeben. Josef Parzer wurde zu einer Woche strengen Arrests verurteilt. Diese sollte noch durch einen Fasttag verschärft werden. In der Berufung wurde die Strafe allerdings in eine bedingte Strafe umgewandelt.

 

Werbung Restaurant Bratwurstglöckerl und Dominikaner-Keller

Die Gastwirte Josef und Richard Parzer übernahmen dann auch den „Dominikanerkeller“ in der Wollzeile. 1936/37 führten sie einen monatelangen Mietstreit mit dem Dominikanerkloster. Schließlich einigte man sich darauf, dass nach einer Modernisierung des Lokals die Kosten der Neueinrichtung des Betriebes vom Kloster übernommen werden. Das Restaurant wurde vergrößert und bot nach der Renovierung bis zu 400 Gästen Platz.  Für die Ausarbeitung des Konzepts zur Führung des neuen modernen Restaurantbetriebs, reiste Josef Parzer sogar zu Studienzwecken nach Berlin und Prag.

Josef Parzer beim Concours hippique 1924, 2. Preis

Die Einkünfte sicherten den Inhabern nicht nur ihren Lebensunterhalt, sondern reichten auch für den einen oder anderen Luxus. Josef hatte ein besonderes Hobby. Er war Pferdeliebhaber. Das "Bratwurstglöckerl" besaß sogar einen eigenen Pferdestall und hielt dort vermutlich auch Rennpferde. Jedenfalls nahm Josef Parzer auch selbst an diversen Pferdesportturnieren teil. So lenkte er z.B. 1924 beim Concours hippique den Kutscherwagen selbst und erzielte dabei den 2.Preis.  

 

die Erbschaft

Am 23.7.1938 starb Ing. Heinrich Mayer (1864-1938), der Bruder von Johanna Parzer. Er war demnach der Onkel von Josef und Richard Parzer. Beerdigt wurde er am Wiener Zentralfriedhof  in Gruppe 17A/1/8.

 

Heinrich Mayer wirkte als Beamter, Wiener Gemeinderat und Oberbaurat von Wien. Außerdem war er ein Liebhaber der bildenden Künste und besaß auch einige wertvolle Bilder. Zwei Werke von Egon Schiele dürfte er bei einer Auktion im Dorotheum erstanden haben. Es handelte sich dabei um die Gemälde „Selbstbildnis mit Lampionfrüchten“ und „Stadt Stein“. In seinem Besitz befanden sich auch zwei Werke Gustav Klimts. 1928 waren seine Kunstwerke in der Hagenbundausstellung zu sehen, an die er sie verlieh. Da Heinrich Mayer kinderlos starb, war seine Ehefrau Helene Mayer (1874-1946) Alleinerbin. Helene ließ 1944 ein Testament aufsetzen, indem sie die Neffen und die Nichte ihres Mannes zu ihren Erben erklärte. Als Helene dann am 22. Jänner 1946 starb, ging ihre Verlassenschaft in den Besitz der 3 Kinder von Josef und Johanna Parzer über. Ob die Tochter Johanna Parzer verh. Schödl, tatsächlich noch einen Erbteil erhielt, ist nicht gesichert. Sie war mit Rudolf Schödl verheiratet und betrieb mit ihm eine Dampf- und Zuckerbäckerei in der Landstraße 91. Johanna starb jedenfalls nur 2 Jahre nach ihrer Tante am 8.12.1948 (beigesetzt im Grab ihrer Eltern in Gruppe 43D/1/7). Helene Mayer fand ihre letzte Ruhestätte im Grab ihres Ehemannes.  

 

1956 verkauften Josef und Richard Parzer die beiden Schiele-Bilder an Prof. Dr. Rudolf Leopold. Die Kunstwerke befinden sich heute in der Sammlung des Leopold-Museums. Die zwei Klimtbilder blieben im Familienbesitz der Parzers. 

Am 23.7.1938 starb Ing. Heinrich Mayer (1864-1938), der Bruder von Johanna Parzer. Er war demnach der Onkel von Josef und Richard Parzer.  Beerdigt wurde er am Wiener Zentralfriedhof Gruppe 17A/1/8.

 

Heinrich Mayer wirkte als Beamter, Wiener Gemeinderat und Oberbaurat von Wien. Außerdem war er ein Liebhaber der bildenden Künste und besaß auch einige wertvolle Bilder. Zwei Werke von Egon Schiele dürfte er bei einer Auktion im Dorotheum erstanden haben. Es handelte sich dabei um die Gemälde „Selbstbildnis mit Lampionfrüchten“ und „Stadt Stein“. In seinem Besitz befanden sich auch zwei Werke Gustav Klimts. 1928 waren seine Kunstwerke in der Hagenbundausstellung zu sehen, an die er sie verlieh. Da Heinrich Mayer kinderlos starb, war seine Ehefrau Helene Mayer (1874-1946) Alleinerbin. Helene ließ 1944 ein Testament aufsetzen, indem sie die Neffen und die Nichte ihres Mannes zu ihren Erben erklärte. Als Helene dann am 22. Jänner 1946 starb, ging ihre Verlassenschaft in den Besitz der 3 Kinder von Josef und Johanna Parzer über. Ob die Tochter Johanna Parzer verh. Schödl, tatsächlich noch einen Erbteil erhielt, ist nicht gesichert. Sie war mit Rudolf Schödl verheiratet und betrieb mit ihm eine Dampf- und Zuckerbäckerei in der Landstraße 91. Johanna starb jedenfalls nur 2 Jahre nach ihrer Tante am 8.12.1948 (beigesetzt im Grab ihrer Eltern in Gruppe 43D/1/7). Helene Mayer fand ihre letzte Ruhestätte im Grab ihres Ehemannes.  

 

1956 verkauften Josef und Richard Parzer die beiden Schiele-Bilder an Prof. Dr. Rudolf Leopold. Die Kunstwerke befinden sich heute in der Sammlung des Leopold-Museums. Die zwei Klimtbilder blieben im Familienbesitz der Parzers. 

Peter Parzer (1937-2010)

Peter Josef Karl Parzer erblickte am 22.10.1937 in Wien das Licht der Welt. Er war der Sohn seiner Eltern Josef Parzer (1888-1968) und dessen Ehefrau Anna (†1983). Peter studierte Welthandel und arbeitete dann im Export- und Versicherungsbereich. Er interessierte sich schon zu Studienzeiten sehr für Kunst. In seinem Besitz befanden sich auch die beiden Klimtbilder aus dem Erbe der Familie. Dabei handelte es sich um die Gemälde „Sonnenblume“ und „Familie“. Eines davon hatte der Onkel seines Vaters, Heinrich Mayer,  ursprünglich angeblich direkt von Gustav Klimt erstanden. 

Grab der Familie Parzer am Wiener Zentralfriedhof

Peter Parzers große Liebe galt aber der klassischen österreichischen Moderne und da einem speziellen Künstler. Die Werke von Gerhart Frankl (1901-1965) übten eine besondere Faszination auf ihn aus. Im Laufe der Zeit sammelte Peter Parzer 50 Bilder von Gerhart Frankl, sowie Hauptwerke von Georg Merkel, Herbert Boeckl, Tina Blau, Jean Egger, Oskar Laske und Kurt Moldovan.  Peter Parzer war stets auch ein Freund des Belvedere. Mit der damaligen Direktorin Agnes Husslein war er laufend in Kontakt. In seinen späten Jahren besuchte er fast täglich das Museum. Er setzte sich auch intensiv für eine Gerhart-Frankl-Ausstellung ein. 

 

Peter Parzer blieb kinderlos und hatte für den Falls seines Ablebens mit einem Testament vorgesorgt. In diesem vermachte er seine Kunstsammlung dem Belvedere bzw. der Republik Österreich. Als er am 22. November 2010 starb, kam dieses zur Anwendung.

 

Peter Parzer wurde im Familiengrab am Wiener Zentralfriedhof, in der Gruppe 43D/1/7 bestattet. Hier fanden schon seine Großeltern ihre letzte Ruhestätte. Die Grabplatte überdeckt auch das Nebengrab Nr. 8, wo u.a. Peter Parzers Vater und sein Onkel Richard begraben sind. Der Grabstein zeigt einen Lebensbaum im Jugendstil und erinnert damit auch an Gustav Klimt. Eine Inschrift weist auf das  Vermächtnis zugunsten der Republik Österreich hin. 

Übergabe des Legats von Peter Parzer an das Belvedere 2012

Am 9.März 2012 wurde das Legat schließlich feierlich an das Belvedere übergeben. Der Wert der Sammlung wurde mit einem 2stelligen Millionenbetrag beziffert. Es war der bedeutendste Sammlungszuwachs seit 1945. Kulturministerin Claudia Schmied meinte, sie habe sich den 9. März als „Feiertag für die Kunst in Österreich“ in ihren Kalender eingetragen. Über die Bilder freute man sich wohl auch deshalb so sehr, weil erst einige Jahre zuvor die Republik Österreich zur Rückgabe von 5 Klimt-Bildern an die Erben von Bloch-Bauer verpflichtete wurde. Unter anderem betraf dies damals auch das Bildnis der berühmten „Goldenen Adele“.  

 

2015/2016 fand dann im Belvedere endlich eine Ausstellung der Werke von Gerhart Frankl statt. Peter Parzer hätte seine Freude daran gehabt, war das doch einer seiner ganz großen Wünsche gewesen. 


Bildquellen:

  • Taufeintrag Josef Parzer: Matricula online
  • Heiratseintrag Josef und Johanna Parzer: Matricula online
  • Einrichtung Restaurant Bürgertheater: Wimstore
  • Postkarte Bürgerhof: ONB digital
  • Parte Josef Parzer: Neues Wiener Tagblatt v. 15. März 1912, Seite 32: Anno ONB
  • Leichenschaueintrag Josef Parzer: Familysearch
  • Leichenschaueintrag Johanna Parzer: Familysearch
  • Werbung Restaurant Bürgertheater: Neues Wr. Journal v. 9.2.1924, Seite 15: Anno ONB
  • Werbung Bratwurstglöckerl: Der Tag v. 8. März 1926, Seite 4: Anno ONB
  • Urkunde aus dem Bratwurtglöckerl: Ebay
  • Werbung Bratwurtglöckerl: ONB digital
  • Inserat: Danzers Armee-Zeitung v. 3. April 1936, Seite 8: Anno ONB
  • Ansichtskarte Dominikanerkeller: AK-Pool
  • Einrichtung Dominkanerkeller: Oldthing
  • Josef Parzer mit Pferdekutsche: Wiener Salonblatt v. 22.6.1924, Seite 10: Anno ONB
  • Egon Schiele: Selbstbildnis mit Lampionfrüchten: Yumpu
  • Egon Schiele: Stadt Stein: Yumpu
  • Klimt-Bilder: © Karin Kiradi
  • Grab Parzer: © Karin Kiradi
  • Übergabe des Legats an Belvedere: ORF
  • Frankl-Bilder: Sammlung Belvedere

Quellen:

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Kommentare: 1
  • #1

    Romi Brandel (Montag, 23 Januar 2023 09:21)

    Wie immer ein Genuss zu lesen. Vielen Dank für die profunde Recherche und die informative Übermittlung.