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Familie Willigk

In der Familie Willigk gab es nicht nur einige bedeutende Akademiker. Bekannt wurde die Familie vor allem durch die Liebesbeziehung von Bertha Czuber mit Erzherzog Ferdinand Karl von Österreich

Stammbaum Familie Willigk

Dr. Erwin Julius Willigk (1826-1887)

Wilhelm Willigk (1794-1864) war bürgerlicher Apotheker in Prag. Seine Apotheke trug den Namen "Zum goldenen Hirschen". Mit seiner Ehefrau Adalberta (1796-1860) hatte er 5 Kinder:

  • Friedrich (*1823)
  • Julius (*1825)
  • Erwin Julius (1826-1887)
  • Dr. Arthur (1827-1905)
  • N.N. (*1830)

Sohn Arthur wurde ein bedeutender Professor für pathologische Anatomie. Er hatte davor Medizin studiert und leitete 1881-1827 die Olmützer Prosectur. Er baute eine Lehrsammlung mit angeblich über 1.000 pathologisch-anatomischen Präparaten auf. Dieses "Museum pathologicum" ist aber leider nicht erhalten geblieben.  Er war auch publizistisch sehr aktiv und veröffentlichte 1874 Arbeiten auf dem Gebiet der pathologischen Anatomie. Er spezialisierte sich dabei auf komplexe Fragen, wie z.B. histologische Veränderungen des Nervensystems bei embolischen Zuständen. Während seiner Amtszeit wurde die Universität Olmütz aufgelöst. Daher ging Dr. Arthur Willigk an die Prager Universität.  Dr. Arthur Willigk war dann später auch Professor und Prosector der Landes-Krankenanstalt in Brünn.

 

Erwin kam als 3. Kind von Wilhelm und Adalberta Willigk am 30. Juni 1826 in Prag zur Welt. Er studierte nach seiner Schulzeit zunächst Philosophie, dann Pharmazie. 1849 schloss er sein Studium mit dem Magistertitel ab. Er stieg vorerst in den Betrieb seines Vaters ein, begann dann aber ein Chemie-Studium an der Prager Universität. Dieses schloss er mit dem Doktortitel ab.  

 

Er heiratete Wilhelmine Zemlickova (1836-1875), mit der er mindestens 2 Kinder hatte:

  • Bertha (=Adalberta) (*1859) ⚭ Emanuel Czuber (1851-1925)
  • Erwin (1863-1940) ⚭ Marie v. Ott (1864-1915)

1855 wurde Dr. Erwin an der deutschen Oberrealschule in Prag zum wirklichen Lehrer ernannt. Dieses Lehramt hatte er 18 Jahre inne. Daneben widmete er sich aber weiterhin seinen wissenschaftlichen Studien. Für seine diesbezüglichen Leistungen verlieh man ihm 1869 den Titel eines außerordentlichen Professors. Dr. Erwin Willigk brachte eine Vielzahl von Publikationen heraus, die er teils während seiner chemischen Forschungsarbeiten, teils als Professor an der Hochschule verfasste. Darunter befindet sich auch ein zweibändiges Lehrbuch der Chemie für Realschulen. 

 

1873 wurde Erwin Willigk als ordentlicher Professor für chemische Technologie an die deutsche technische Hochschule in Prag berufen. 

 

Als Lehrer arbeitete Prof. Dr. Erwin Willigk jede seiner Vorlesungen mit penibler Genauigkeit aus. Diesen Fleiß und diese Präzision forderte er auch bei seinen Schülern ein. Daher war er als Prüfer nicht gerade beliebt. Dennoch schätzte man ihn als hilfsbereiten, offenherzigen und edlen Menschen. Dabei war er auch äußerst bescheiden. Er wurde in verschiedene Ehrenämter berufen, wie z.B. als Obmann-Stellvertreter des „Deutschen polytechnischen Vereines" oder als Präsident der „Österr. Gesellschaft zur Förderung der chemischen Industrie."

 

1875 starb seine Frau Wilhelmine im Alter von 39 Jahren in Prag, wo sie auch bestattet wurde. 

Im selben Jahr wurde Prof. Dr. Erwin Willigk Dekan und 1879 Rektor der Hochschule. 1885 musste er wegen eines beginnenden Herzleidens sein Amt aufgeben. Nach einem längeren Aufenthalt im Süden versuchte er seine Lehrtätigkeit wieder aufzunehmen. Er musste aber erkennen, dass er körperlich nicht mehr dazu in der Lage war. Er übersiedelte dann zu seiner Tochter Bertha und seinem Schwiegersohn Emanuel Czuber nach Brünn. Dort erlag er am 9. Jänner 1887 seinem Leiden. Das Begräbnis fand am 11.1.1887 unter großer Anteilnahme in Brünn statt. 

Parte Dr. Erwin Julius Willigk 1887

Tochter Bertha (*1859)

Bertha (=Adalberta) kam 1859 als erstes Kind von Prof. Dr. Erwin Willigk und seiner Frau Wilhelmine zur Welt. Sie heiratete 1878 Emanuel Czuber (1851-1925). Bertha dürfte ihren Bräutigam über ihren Vater kennengelernt haben. Emanuel war ab 1874 ein Kollege ihres Vaters an der 2. Deutschen Staats-Oberrealschule in Prag gewesen. Zuvor hatte er Mathematik studiert und 1876 in Geodäsie (Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche) habilitiert.  1878 habilitierte Emanuel Czuber auch noch mit „Theorie und Praxis der Ausgleichsrechnung“. 

 

Bertha und Emanuel hatten mindestens 4 Kinder:

  • Bertha (1879-1979) ⚭ Ferdinand Karl v. Österreich (Burg) (1868-1914)
  • Erich (*1881)
  • Elisabeth (1884-1976)
  • Emanuel (1888-1933)

1886 wurde Emanuel Czuber vom Kaiser zum ordentlichen Professor für Mathematik an der technischen Hochschule in Brünn ernannt. Damit verbunden war natürlich eine Übersiedlung der ganzen Familie von Prag nach Brünn. Schon nach kurzer Zeit zog auch Berthas kranker Vater, Prof. Dr. Erwin Willigk zu ihnen nach Brünn. Hier starb er auch am 9. Jänner 1887 und wurde dann auch in Brünn beerdigt. 

 

1890 wurde Emanuel Czuber zum Rektor der technischen Hochschule in Brünn gewählt. 1891 übernahm er einen Lehrstuhl als Professor für Mathematik an der Hochschule in Wien. Damit übersiedelte die gesamte Familie neuerlich. Das Amt des Hochschulprofessors bekleidete Emanuel bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1919. 1892 wurde er Mitglied der Prüfungskommission an der chemischen Schule und der an der Maschinenbauschule. 1894 wurde er zum Rektor der technischen Hochschule in Wien ernannt. Neben seiner Lehrtätigkeit fungierte er auch als Aufsichtsrat der „Janus-Lebensversicherungsanstalt“.  

 

Emanuel Czuber beschäftigte sich vor allem mit Wahrscheinlichkeitsrechnung und Versicherungsmathematik, insbesondere mit der Sterblichkeitsstatistik. Er war 1909 auch an der Herausgabe der Volkssterbetafel für Österreich beteiligt. Ab 1898 war er Präsident des Verbandes der österreichisch-ungarischen Versicherungstechniker. Emanuel Czuber verfasste auch zahlreiche Artikel und einige einschlägige Bücher zu mathematischen Themen.  

 

1902 verlieh ihm der Kaiser den Titel „Hofrat“. Die normalerweise zu bezahlende Taxe dafür wurde ihm erlassen. 

 

Die Jahre von 1903 bis 1911 waren geprägt vom Skandal um die Beziehung seiner Tochter Bertha mit Erzherzog Ferdinand Karl. Die Details dazu sind weiter unten genau ausgeführt.

 

Ab 1907 entschied Hofrat Czuber als Mitglied einer Prüfungskommission auch über die Autorisierung von Versicherungstechnikern. Im Jahr 1912 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. Bei dieser Vereinigung von Wissenschaftlern kann man nur durch Wahl Mitglied werden.  1918 wurde Emanuel Czuber zum Ehrendoktor der TU München ernannt.

 

Seinen Lebensabend verbrachte Hofrat Emanuel Czuber mit seiner Frau auf seinem Landsitz in Gnigl, wo sie früher viele Sommer verlebt hatten. Er starb dort am 22. August 1925 und wurde am Ortsfriedhof von Gnigl zur ewigen Ruhe gebettet. 

 

Über seine Ehefrau Bertha ist mir leider nichts bekannt. 

Totenbuch Hofrat Emanuel Czuber 1925

Im 22. Wiener Gemeindebezirk wurde zu Ehren von Emanuel Czuber die „Czubergasse“ nach ihm benannt.

 

Der gleichnamige Sohn von Hofrat Emanuel Czuber und Bertha Willigk, Emanuel Czuber Jun. war das jüngste Kind der Familie und wurde am 29.4.1888 geboren. Er arbeitete als Sekretär bei der Pulverfabrik Skoda-Wetzler. Diese war im 1. Weltkrieg eine bedeutende Schießpulver-Produktionsstätte für das Kriegsministerium. Emanuel starb 1933 mit nur 45 Jahren in Salzburg an Tuberkulose.

 

Sohn Erich Czuber erblickte am 27.10.1881 das Licht der Welt. Er schlug eine Militär-Karriere ein und wohnte in Leitmeritz. 1903 diente er im „Husarenregiment Prinz v. Windischgrätz Nr. 11“. 6 Jahre später wurde in das „Dragonerregiment Nr. 1“ transferiert. 1913 avancierte er zum Personaladjutant von Lothar Edler von Hortstein im Dragonerregiment Nr. 1. Ein Jahr später beförderte man ihn zum Personaladjutanten des Feldzeugmeisters Johann v. Friedel. 1916 erhielt Erich Czuber für seine treuen Dienste in den Jahren 1914-1915 das „fürstlich schaumburg-lippische Kriegskreuz“ verliehen.

Trauungsbuch Erich Czuber und Marie Hajek 1916

Im selben Jahr heiratete er in Teplitz Marie Hajek (*1894) Sie dürfte die Stieftochter des Generalstabchefs des 9. Korps, Oberleutnant August Martinek, gewesen sein. 1917 kehrte Erich wieder in das Husarenregiment Nr. 11 zurück. Nach dieser Zeit verliert sich seine Spur. 

 

Emanuel Czubers Tochter Elisabeth Czuber kam am 7.2.1884 zur Welt. Sie heiratete einen gewissen Hrn. Schaller. Ihre Tochter Maria Ingeborg kam 1916 in Meran zur Welt. Vermutlich war Elisabeth zu diesem Zeitpunkt bei ihrer Schwester Bertha in Südtirol. Elisabeth starb im Feber 1976 im Alter von 92 Jahren in Ohio (USA). 

 

Eine besondere Liebesgeschichte

Bei ihren Kindern legten Emanuel und Bertha Czuber großen Wert auf eine gediegene und umfangreiche Ausbildung. So erhielt auch die am 5. Dezember 1879 in Prag geborene Tochter Bertha eine sorgfältige Erziehung. Sie verfügte über ein außergewöhnliches Sprachentalent und hatte Spanisch und Französisch studiert. Diese Sprachen beherrschte sie perfekt. Sie war aber auch musisch sehr begabt.  

Bertha Czuber (Burg)

Der Technikerball bildete bei der Familie Czuber jedes Jahr einen Fixpunkt im Fasching. 1902 nahm auch Tochter Bertha daran teil. Es sollte eine Veranstaltung mit ungeahnten Folgen werden. Beim Tanz lernte Bertha Erzherzog Ferdinand Karl von Österreich (1868-1915) kennen und die beiden fanden Gefallen aneinander. Ferdinand Karl war der Sohn von Erzherzog Karl Ludwig (1833-1896) und damit ein Neffe von Kaiser Franz Joseph. Ferdinands Geschwister waren der Thronfolger Franz Ferdinand (1863-1914), Erzherzog Otto Franz Josef (1865-1906) und die Erzherzogin Margarethe Sophie (1870-1902). Ungefähr ein Jahr später trafen sich Bertha und Ferdinand Karl wieder. Bertha besuchte ihre Tante und ihren Onkel in Prag, wo der Erzherzog gerade als Brigadier stationiert war. Aus der neuerlichen Begegnung entspann sich eine Liebschaft. 

Berthas Eltern waren naturgemäß gegen diese Verbindung. Sie machten sich Sorgen um den Ruf ihrer Tochter, schien es doch unrealistisch, dass diese Liebe in einer Heirat enden könnte. Berthas Vater war aber auch um seine Karriere besorgt. Immerhin war der Hofrat in der Gesellschaft allseits bekannt und geachtet. Doch seine Tochter ließ sich nicht beirren und hielt an der Beziehung fest. 

Erzherzog Ferdinand Karl v. Österreich

Um Berthas Ruf nicht länger zu gefährden, bat Ferdinand Karl zu Weihnachten 1903 schließlich Emanuel Czuber um die Hand seiner Tochter. Obwohl dieser gegen die Verbindung war, stimmte er schließlich zu. Die beiden waren nun also verlobt. Doch Ferdinand Karl brauchte für eine Heirat die Zustimmung des Kaisers. Aber nicht nur dieser war gegen diese Mesalliance. Eigenartigerweise stellte sich vor allem sein Bruder, der Thronfolger Franz Ferdinand, gegen ihn. Dies, obwohl er selbst unter seinem Stand die Gräfin Chotek geheiratet hatte. Doch könnte dies auch eine Art Retourkutsche gewesen sein. Hatte sich Ferdinand Karl doch seinerzeit geweigert an der Hochzeit seines Bruders teilzunehmen, weil er gegen die Verehelichung mit Sophie Chotek war. 

 

Ferdinand Karl musste dem Kaiser versprechen, die Verbindung zu Bertha Czuber zu lösen und das Hofratstöchterchen nicht mehr zu sehen. Scheinbar tat der Erzherzog dies auch. 

1904 erkrankte Ferdinand Karl an Influenza, an deren Folgen er lange laborierte. Er konnte seinen Posten als Brigadekommandeur in Prag längere Zeit nicht ausführen. Stattdessen begab er sich unter dem Pseudonym „Ferdinand Burg“ auf längere Reisen nach Italien, um sich dort zu erholen. Allerdings begleitete ihn Bertha Czuber. Als der Hof Wind davon bekam, engagierte man einen Detektiv, der ein Beweisfoto bringen sollte. Der Mann reiste also nach Capri, wo sich das Liebespaar gerade aufhielt. Doch die beiden waren vorsichtig und verließen ihre Villa niemals bei Tag. Und eine Blitzlichtaufnahme wollte der Beauftragte nicht riskieren. Nach tagelangem Warten auf einen geeigneten Augenblick, griff er zu einer List. Er holte mehrere Bettler vor das Haus, in dem der Erzherzog und seine Begleitung logierten. Dann warf er viele Münzen vor die Füße der Habenichtse. Dies löste ein ohrenbetäubendes Geschrei und ein Gerangel um die Beute aus. Durch den enormen Lärm und das Spektakel angelockt, öffneten Bertha und Ferdinand Karl ihre Balkontüre, um zu sehen was auf der Straße vor sich ging. In diesem Augenblick drückte der Detektiv auf den Auslöser seines Fotoapparates und trat dann sofort seine Heimreise an. Wieder in Wien, sah sich Ferdinand Karl mit dem Beweis konfrontiert. Leugnen half also nichts.

Erzherzog Ferdinand Karl v. Österreich

Der Erzherzog wurde mit Repressalien bedroht, sollte er die Verbindung nicht beenden. Auch die Familie Czuber wurde von mehreren hohen Beamten des Hofes aufgesucht, die auf sie einwirkten. Hofrat Emanuel Czuber erhielt wohl auch einige Drohungen. Doch er stand zu seinem Wort, dass er seiner Tochter und ihrem Bräutigam gegeben hatte. Vor allem Berthas Mutter hielt ihre schützende Hand über das Liebespaar. Eines Tages sprach der Ministerpräsident Ernest von Körber im Hause Czuber vor. Er trat derart forsch auf, dass Emanuel Czuber schließlich einwilligte, die beiden Liebenden von der Ausweglosigkeit ihrer Liebe zu überzeugen und dazu zu bewegen, ihre Beziehung zu beenden. Schließlich mussten die Interessen des Kaiserhauses gewahrt werden. Doch in diesem Augenblick stürmte Berthas Mutter ins Zimmer und beendete die Unterredung mit dem Ausruf: „Der Hof geht uns nichts an! Der Ferdinand gehört uns.“ 

Bertha Czuber (Burg)

Es begannen dann unschöne Diskreditierungen der Braut. Man verbreitete allerlei Gerüchte über sie.  Doch Ferdinand Karl hielt zu ihr und meinte: „Auch wenn sie eine Dirne wäre, würde ich sie doch heiraten!“ Im Kral-Verlag erschien auch ein Buch über Bertha: "...denn...(sie)...ist eine abgefeimte Canaille"

 

Ferdinand Karl war dann lange Zeit im Ausland unterwegs und kam nur selten nach Wien. Alle potentiellen Heiratskandidatinnen, die ihm der Hof präsentierte, lehnte er ab. Auch bei offiziellen Veranstaltungen am Hof war er meistens nicht anwesend. Dann wurde es einige Zeit ruhig um Ferdinand Karl. Doch die Liaison mit Bertha Czuber hielt er stets aufrecht.

Bertha Burg geb. Czuber und Ferdinand Burg (Erzherzog Ferdinand v. Österr.)

Am 15.8.1909 heirateten die beiden schließlich heimlich in Chur in der Schweiz. Berthas Vater fungierte als Trauzeuge. 2 Jahre lang konnten die beiden ihre Ehe geheim halten. 1911 wollte Ferdinand die Heimlichkeiten beenden und sprach bei Kaiser Franz Joseph vor. Er gestand die Eheschließung und bat den Kaiser um seinen Segen. Doch der Kaiser tobte und war unerbittlich. Ferdinand Karl musste all seine Ämter und Titel niederlegen. Sein Name wurde aus allen offiziellen Listen und Dokumenten des Kaiserhauses gestrichen. Weiters wurde er aus Österreich verbannt. Er nannte sich fortan Ferdinand Burg. Um keinen öffentlichen Skandal zu provozieren, wurde via Presse verkündet, dass der Erzherzog Frl. Czuber ehelichen werde und er sich aus eigenem Betreiben aus dem höfischen Leben zurückziehe. 

Zeitungsartikel 1911 wg. Heirat und Abdankung von Erzherzog Ferdinand v. Österr.
Berta Burg geb. Czuber und Ferdinand Burg (Erzherzog Ferdinand v. Österr.)

Bertha und Ferdinand lebten dann in München. Der ehemalige Erzherzog besaß auch noch das Schloss Rottenstein bei Meran, wo sie einen Großteil des Jahres verbrachten. Der Hof zahlte auch eine jährliche Apanage in der Höhe von 40.000 Kronen. Doch das Glück der beiden wehrte nicht lange. Ferdinand litt an TBC, einer Lungenkrankheit, die er von seiner verstorbenen Mutter  Maria Annunziata geerbt hatte. Als sein Bruder Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie Chotek am 28. Juni 1914 in Sarajevo erschossen wurden, intervenierte Ferdinands Stiefmutter erfolgreich beim Kaiser und Ferdinand Karl erhielt eine Genehmigung zur Teilnahme am Begräbnis am 4. Juli 1914. Bei seiner Ankunft in Wien war Ferdinand Karl bereits von seiner Krankheit schwer gezeichnet. Er starb am 10. März 1915 im Alter von nur 46 Jahren in München. Sein Leichnam wurde nach der Einsegnung nach Untermais bei Meran überführt. Dort fand in der Maria Trostkirche die Trauerfeier statt.  Im Anschluss wurde der Sarg in eine provisorische Gruft unter dem Altar der Kirche gesenkt. 

 

Bertha überlebte ihren Gatten 64 Jahre. Diese verlebte sie in Südtirol und führte das Werk ihres Mannes fort. 1951 verkaufte sie das Schloss Rottenstein an die Grafen von Liechtenstein. Bertha Burg starb am 5. Juli 1979 und wurde an der Seite ihres Mannes bestattet. 

 

Sohn Ing. Erwin Willigk (1863-1940)

Erwin Willigk wurde am 19.2.1863 als 2. Kind von Prof. Dr. Erwin Willigk und Wilhelmine Zemlickova in Prag geboren. Erwin Willigk wurde später technischer Betriebsleiter in der Dynamitfabrik Alfred Nobels.

 

Ing. Erwin Willigk Jun. heiratete am 9. Mai 1911 in Prag Marie von Ott (1864-1915) Sie war die Tochter von Karl von Ott (1835-1904) und Maria Alder (1844-1903). Ihre Mutter war die Zwillingsschwester des Zündkapselherstellers Viktor Alder (1844-1896) in Wien.  Maries Eltern waren beide schon vor ihrer Hochzeit verstorben.

Familienstammblatt aus Prag Erwin Willigk
Grab der Familie Willigk am Wr. Zentrafriedhof 70/12

Marie Willigk nahm sich am 27.7.1915 in Oberlaa durch einen Herzschuss das Leben. Die Tat dürfte sie in geistiger Umnachtung begangen haben. Sie war davor schon einige Zeit wg. geistiger Verwirrung in einer Irrenanstalt in Behandlung gewesen.

 

Ihre sterblichen Überreste wurden am Zentralfriedhof bestattet. Das Grab befindet sich in der Gruppe 70/12.

 

Im Oktober desselben Jahres lies Erwin Willigk seinen gleichnamigen Vater, den Professor Dr. Erwin Willigk, in Brünn exhumieren und in das Grab am Zentralfriedhof umbetten. Dr. Erwin Willigk war im Jänner 1887 in Brünn gestorben.

 

Über das Leben von Ing. Erwin Willigk Jun. konnte ich leider nichts herausfinden. Wann und woran er starb, blieb mir ebenso verborgen. Er wurde am 23.12.1940 in der Familiengruft am Zentralfriedhof (Gruppe 70/12) zur letzten Ruhe gebettet. Sein Name fehlt allerdings am Grabstein. 

Die Tochter von Marie und Ing. Erwin Willigk, Marie Willigk (1891-1954), heiratete Zdenko Edlen v. Kubiczek. 1915 wurde diese Ehe geschieden. 1919 heiratete sie dann Felix Graf Spiegel zum Diesenberg-Hanxleden. Auch diese Verbindung hielt nicht und wurde schon 1923 wieder geschieden. Marie verzichtete dabei auf jegliche Alimente. Die geschiedenen Partner blieben aber in Kontakt und näherten sich wieder an. Ca. 2 Jahre nach der Trennung lebten sie schließlich wieder als Paar zusammen. Es schien alles in bester Ordnung zu sein.  Doch dann erlitt der Graf einen schweren Nervenzusammenbruch, so dass er in eine Klinik eingeliefert werden musste. Marie erwirkte seine Entlassung auf Revers und kümmerte sich danach um ihn. Im Herbst 1933 fuhr der Graf allerdings nach Ungarn und kam nicht wieder zurück. Eine Zeitlang schickte er ihr noch Alimente in der Höhe von 50 Schilling. Doch die Lebensverhältnisse der Gräfin hatten sich inzwischen stark verschlechtert. Ihre Briefe an den Grafen blieben aber unbeantwortet. 1935 brachte sie dann beim Bezirksgericht Josefstadt eine Alimentationsklage ein.  

 

Marie Spiegel, starb 1954 in Kitzbühel.

 

Graf Felix Spiegel zum Diesenberg-Hanxleden stand schon einmal wegen einer Alimentationsforderung vor Gericht. Bereits Anfang 1925 verklagte ihn seine Mutter, die Gräfin Marie Spiegel-Diesenberg geb. Freiin von Dalberg. Die 69jährige Dame war schwer krank und fast erblindet. In den Gerichtssaal wurde sie in einem Lehnstuhl hineingetragen. Ihr Sohn Felix war der Nutznießer des Familienvermögens. Er zahlte seiner Mutter monatlich 6 Millionen Kronen Unterhalt. In Anbetracht der Größe seines Vermögens und der Höhe seiner Einkünfte verlangte sie aber 20 Millionen Kronen monatlich. Die Parteien konnten sich nicht einigen und die Verhandlung wurde vertagt. Noch im selben Jahr starb die Gräfin am 22. Juli 1925 in Maria Schutz/Semmering. Dort wurde sie vorübergehend beerdigt. Später wurde der Leichnam enterdigt und in die Familiengruft der Grafen Spiegel nach Wischenau in Tschechien gebracht.


 Bildquellen:

  • Stammbaum: © Karin Kiradi
  • Parte Dr. Erwin Julius Willigk: Prager Tagblatt v. 11.1.1887, Seite 16: Anno ONB
  • Totenbuch Gnigl 1925 - Emanuel Czuber: Matricula Online
  • Trauungsbuch Teplitz 1919 - Erich Czuber: Familysearch
  • Bertha Czuber und Erzherzog Ferdinand Karl: Wiener Bilder v. 1.11.1911, Seite 4: Anno ONB
  • Erzherzog Ferdinand Karl: Sport und Salon v. 20.3.1915, Seite 5: Anno ONB
  • Bertha Czuber und Erzherzog Ferdinand Karl: Bote aus Mistelbach v. 17.11.1911, Seite 1: Anno ONB
  • Ehepaar Burg: Illustriertes Wiener Extrablatt v. 23.11.1913, Seite 3: Anno ONB
  • Zeitungsartikel: Illustrierte Kronen Zeitung v. 25.10.1911, Seite 1: Anno ONB
  • Ehepaar Burg: Wikipedia
  • Familienblatt Prag - Erwin Willigk: Familia Matriken Prag
  • Grab Familie Willigk am Zentralfriedhof: © Karin Kiradi
  • Grabdaten - Ing. Erwin Willigk: Verstorbenensuche Friedhöfe Wien

 

Quellen:

  • Mythos Kaiserin Elisabeth
  • Medizinische Fakultät Olmütz
  • Emanuel Czuber: Wikipedia
  • Die Welt der Habsburger
  • E-Book: "Habsburgs schwarze Schafe: Über Sonderlinge, Rebellen u. Wahnsinnige ..." v. Christian Dickinger 
  • Wiener Zeitung v. 21. August 1875, Seite 1: Anno ONB
  • Wiener Zeitung v. 19. August 1876, Seite 1-2: Anno ONB
  • Prager Tagblatt v. 7. Januar 1879, Seite 2: Anno ONB
  • Die Presse v. 6. April 1886, Seite 14: Anno ONB
  • Prager Tagblatt v. 9. Juli 1887, Seite 3: Anno ONB
  • Prager Tagblatt v. 11. Januar 1887, Seite 3: Anno ONB
  • Mährisches Tagblatt v. 10. Juli 1890, Seite 4: Anno ONB
  • Die Presse v. 6. August 1891, Seite 15: Anno ONB
  • Die Presse v. 9. Januar 1892, Seite 15: Anno ONB
  • Zeitschrift f. Nahrungsmittel-Untersuchung u. Hygiene, Jahresauswahl 1902, Heft 19, Seite 9: Anno ONB
  • Grazer Volksblatt v. 20. Januar 1904, Seite 5: Anno ONB
  • Illustrierte Kronen Zeitung v. 9. Januar 1906, Seite 9: Anno ONB
  • Neue Freie Presse v. 5. Oktober 1907, Seite 33: Anno ONB
  • Prager Tagblatt v. 30. Juni 1909, Seite 5: Anno ONB
  • "Wir Leben", Jahresauswahl 1911, Heft 12, Seite 12: Anno ONB
  • Illustrierte Kronen Zeitung v. 24. Oktober 1911, Seite 10: Anno ONB
  • Neues Wiener Journal v. 24. Oktober 1911, Seite 2: Anno ONB
  • Die Zeit v. 24. Oktober 1911, Seite 4: Anno ONB
  • Illustrierte Kronen Zeitung v. 25. Oktober 1911, Seite 2: Anno ONB
  • Prager Tagblatt v. 25. Oktober 1911, Seite 7: Anno ONB
  • Volksblatt für Stadt und Land v. 29. Oktober 1911, Seite 4: Anno ONB
  • Das interessante Blatt v. 2. November 1911, Seite 4: Anno ONB
  • Leitmeritzer Zeitung v. 5. Februar 1913, Seite 7: Anno ONB
  • (Neuigkeits) Welt Blatt v. 12. März 1915, Seite 9: Anno ONB
  • Sport und Salon v. 20.3.1915, Seite 5: Anno ONB
  • Österr. Illustrierte Zeitung v. 21. März 1915, Seite 13: Anno ONB
  • Pester Lloyd v. 8. Mai 1916, Seite 5: Anno ONB
  • Prager Tagblatt v. 21. Februar 1917, Seite 10: Anno ONB
  • Illustrirtes Wiener Extrablatt v. 18.1.1925, Seite 9: Anno ONB
  • Neues Wiener Journal v. 27. Mai 1925, Seite 13: Anno ONB
  • Freie Stimmen v. 25. August 1925, Seite 6: Anno ONB
  • Reichspost v. 25. August 1925, Seite 4: Anno ONB
  • Neues Wiener Journal v. 8. November 1925, Seite 7: Anno ONB
  • Wiener Sonn- und Montags-Zeitung v. 7. November 1927, Seite 7: Anno ONB
  • Wiener Sonn- und Montags-Zeitung v. 14.11.1927, Seite 9: Anno ONB
  • "Freiheit" v. 25. Oktober 1928, Seite 4: Anno ONB
  • Neues Wiener Tagblatt v. 5. Juli 1933, Seite 8: Anno ONB
  • Die Stunde v. 11. Mai 1935, Seite 3: Anno ONB 

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Kommentare: 3
  • #1

    Erich Lindengrün (Donnerstag, 23 November 2023 14:00)

    Liebe Karin!
    Vielen Dank für deine lehrreichen Informationen über
    interessante Personen am Zentralfriedhof.
    Besonders Margarethe MANHARDT hat es mir angetan.
    Ganz liebe Grüße
    Erich

  • #2

    Othmar E.R. Pusch sen. (Donnerstag, 23 November 2023 15:35)

    Kann mich nur den Worten vom Erich anschließen: Spitze (wie immer). Glg/ Othi

  • #3

    Heinz Knisch (Donnerstag, 23 November 2023 18:47)

    Liebe Karin!
    Obwohl ich erst relativ kurz mich dem Blog angeschlossen habe, bin ich schon jetzt beeindruckt, wie umfangreich und detailreich und auch in die Tiefe gehende Recherchen jeder Beitrag gestaltet ist. Daher kann ich nur meine schon beim letzten Beitrag ausgesprochene Bewunderungen wiederholen und mich abermals herzlich für diesen neuen Beitrag bedanken. Lieben Gruß, Heinz