Joseph Uhl (* ca. 1750) wird geadelt
Joseph Uhl war Besitzer des Freibergerhofes an der Unteren Schwechat. Er dürfte auch Braumeister im Dominikalbrauhaus in Schwechat gewesen sein. Es befand sich am heutigen Hauptplatz Nr. 3. und hieß später Popperbrauhaus. Nachdem der Inhaber Johann Seitz gestorben war, heiratete Joseph Uhl dessen Witwe Theresia Seitz und übernahm mit ihr das Brauhaus.
Josef Uhl war angeblich auch Inhaber oder zumindest Braumeister des Brauhauses Gumpendorf. Dieses wurde später von Franz Uhl geführt. Möglicherweise war Josef von Uhl auch mit dem Besitzer des Kaiserebersdorfer Brauhauses, Johann Georg Uhl, verwandt.
1791 wurde Joseph Uhl nobilitiert. Bei seinem Ansuchen um die Erhebung in den Ritterstand führte er neben ökonomischen Gründen auch besondere Verdienste an. So gab er an, dass er sowohl 1782 bei der großen Feuersbrunst in Schwechat, als auch 1784 bei der großen Überschwemmung seine Untertanen tatkräftigst unterstützt hatte und ihnen großzügige Hilfe angedeihen ließ. Die Überschwemmung von 1784 war durch extreme Schneemengen und einen verheerenden Eisstoß ausgelöst worden. Bei der Eisschmelze hatte sich das Wasser der Schwechat massiv gestaut. In der Region Schwechat und Kaiserebersdorf stürzten damals 40 Häuser ein und ca. 40 Menschen kamen zu Tode. Jedenfalls wurde Joseph Uhl am 16.8.1791 geadelt und durfte seinem Namen nun den Zusatz „Ritter, Edler von“ hinzufügen.
1811 verkaufte die Fam. von Uhl das Dominikalbrauhaus an Dr. Carl Mayer, der Braumeister bei ihnen gewesen war.
Anton von Uhl (* ca. 1779)
Ein Sohn von Joseph von Uhl war Anton von Uhl, der am 6. Oktober 1804 in der Pfarrkirche Gumpendorf Elisabeth Harruckner (1782-1855) ehelichte. Interessant ist, dass sich das Brautpaar einige Tage später, am 9. Oktober 1804 in der Leopoldstadt nochmals trauen ließ.
Am 21.Juli 1805 erblickte ihr ältester Sohn Joseph Maximilian von Uhl das Licht der Welt. Am 5. Feber 1809 kam ein weiterer Sohn, Anton von Uhl, zur Welt. Anton von Uhl Sen. starb noch in jungen Jahren. Seine Witwe heiratete dann in zweiter Ehe Anton Diettmann (ca. 1788-1845).
Geschichte des Postwesens im Habsburgerreich
Ursprünglich wurden Briefe und Pakete durch einen reitenden Boten von A nach B gebracht. Daraus entwickelte sich das Postwesen, wo zum Unterschied vom Botenwesen, der Transport durch eine Kette von wechselnden Transporteuren erfolgte. Die Bezeichnung „Post“ kommt von „Posten“. Das waren in regelmäßigen Abständen errichtete Relaisstationen für den Pferdewechsel.
Ende des 15 Jahrhunderts richtete Kaiser Maximilian I. eine erste Reiterpost ein. Seine Hauptresidenz Innsbruck war durch eine Reiterstafette mit den Niederlanden verbunden, wo sein minderjähriger Sohn erzogen wurde. Weitere Kurierlinien führten nach Rom und an den französischen Königshof. Da Maximilian I. aber die finanziellen Mittel für ein eigenes Postnetz fehlten, übertrug er die Organisation und Betreibung der Stafetten dem Italiener Janetto de Tassis, der mit seinem Bruder und seinem Neffen die Geschichte der Post prägte. Die Familie wurde mit dem Reichsfreiherrentitel, später mit dem Reichsgrafentitel geadelt und schließlich gefürstet. Nach einer Namenserweiterung waren sie ab 1650 allseits als die Fürsten „Thurn- und Taxis“ bekannt. Die Postverbindungen dienten eigentlich nur den Interessen der Habsburger und konnten von der Öffentlichkeit nicht genutzt werden. Da die Auftraggeber aber häufig Zahlungsschwierigkeiten hatten, begannen die Taxis Dienstleistungen auch privaten Kunden gegen entsprechende Bezahlung anzubieten. Nur so konnten sie das Postwesen zu einem gewinnbringenden oder zumindest kostendeckenden Unternehmen machen. 1559 wurde Christoph von Taxis Koordinator der Hofpost. Er versuchte, auch in den Postanstalten Wien, Innsbruck und Trient die Fremdbeförderung von Briefen einzuführen. Doch die verantwortlichen Postmeister verweigerten die Auslieferung solcher Briefe.
Mit dem Tod von Kaiser Ferdinand wurden 1564 nicht nur die Erblande unter seinen Söhnen aufgeteilt, es entstanden dabei auch drei unabhängige Hofpostanstalten mit den Zentralen Graz, Innsbruck und Wien. Alle diese Linien waren der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Nachrichten wurden in erster Linie von Postreitern transportiert.
Erzherzog Karl hatte seine Residenz in Graz, das durch Postrouten mit Wien und Venedig verbunden war. Bis 1599 war Johann Baptista von Paar sein oberster Postmeister, danach bis 1600 Hans Friedrich von Paar und schließlich bis 1623 Hans Christoph von Paar.
Erzherzog Ferdinand residierte in Innsbruck. Seine Postrouten führten nach Wien, Rovereto, Venedig, Augsburg und Freiburg im Breisgau. Bis 1583 hatte Gabriel II. von Taxis das oberste Postmeisteramt dieser Route inne. Ihm folgten bis 1613 Paul I. von Taxis, dann bis 1620 Andreas von Taxis, bis 1645 Wolf Dietrich und Paul II. von Taxis.
Kaiser Maximilian II war nur für Ober- und Niederösterreich, Böhmen und Ungarn zuständig. Seine Hauptresidenz befand sich in Wien. Seine Postrouten deckten Prag, Graz, Innsbruck, Augsburg und Prag ab. Dieses oberste Postmeisteramt übernahm mit entsprechendem Erbrecht bis 1583 die Familie Wolzogen. Im Wesentlichen waren die Erbpostmeister höhere Beamte, die ihre Stellung an ihre Nachkommen weitergeben konnten.
1722 erklärte Kaiser Karl VI. die Post zum Staatsmonopol. Damit wollte er dem Staat zusätzliche Steuereinnahmen sichern. Unter Maria Theresia und Josef II. wurde der Postreisedienst schließlich durch die Einführung regelmäßig verkehrender Postkutschen neu geregelt. Diese beförderten nicht nur Poststücke durch die ganze Monarchie, sondern waren auch für viele Reisende ein wichtiges Verkehrsmittel, um größere Distanzen zu überwinden. Das Reisen mit der Postkutsche war aber keineswegs bequem. Wolfgang Amadeus Mozart beschwerte sich über den „Komfort“ in einem seiner Briefe bildlich mit den Worten „Sitze, hart wie Stein“. Die große Strapaze solcher Reisen lag zum großen Teil auch an den schlechten Straßenbeschaffenheit dieser Zeit. Die Postkutschen waren in ein logistisches System eingebettet. An Poststationen wurden Pferde gewechselt, Post übernommen und meist waren sie auch mit einem Gasthof verbunden, in dem man sich um die Bedürfnisse der Reisenden kümmerte.
In der ganzen Monarchie schuf man ca. 70 Postmeisterstellen, die alle erblich und käuflich waren. Sie unterstanden dem „Obrigsten Hofpostmeisteramt“ als oberster Postbehörde. Der erste Postmeister Wiens war einer der Grafen Paar. Seine Kanzleien und Stallungen des Erblandpostmeisters waren im Palais Paar in der Wollzeile 30 untergebracht. Später übernahm der Armeelieferant und Großfuhrmann Josef Ritter das Privileg des Postmeisters. Dieser vererbte es an seinen Sohn Josef Ritter von Ballmori.
Erbpostmeister Josef Maximilian von Uhl (1805-1863)
Am 22. September 1835 erwarb Josef Maximilian von Uhl die Hofstallgerechtigkeit und wurde damit zum Erbpostmeister von Wien. Für den gesamten Fundus seines Geschäftes zahlte er 90.000 Gulden.

In der Funktion des Erbpostmeisters wurde er Leiter des Poststallamtes und war für die Pferde aller Postkutschen verantwortlich. Die Postillione standen in seinem Dienst und mussten mit einer entsprechenden Uniform ausgestattet werden. Die Galatracht bestand aus einem roten Frack, weißen Kniehosen, Lackröhrenstiefeln und einem Zweispitz mit schwarzgelben Rossschweifen. Weiters beschäftigte der Postmeister aber auch eine große Anzahl von Stallburschen, Schmieden und sonstigem Dienstpersonal.
Im Alter von 32 Jahren schloss Josef Maximilian von Uhl am 30. Mai 1837 in der Kirche St. Karl Borromäus mit der 20jährigen Marie Friederike Tomas (1817-1852) die Ehe. Die Braut war eine Tochter des wohlhabenden Fleischhauers Franz Tomas (1785-1845) und dessen Ehefrau Francisca Öckher (1794-1839). Am 27. Juni des darauffolgenden Jahres erblickte der Stammhalter Maximilian Josef Anton (1838-1909) das Licht der Welt. Er wurde meist nur Max gerufen. Die Familie wurde nach und nach noch mit sechs Töchtern und einem Sohn vergrößert.
Am 22. Jänner 1845 starb Josef Maximilians Stiefvater Anton Diettmann im Alter von nur 57 Jahren an Entkräftung. Er wurde am St. Marxer Friedhof begraben.
Mit dem Zeitalter der Dampflokomotiven und dem Ausbau des Eisenbahnnetzes änderte sich auch für den Postmeister einiges. Die erste Teilstrecke der Kaiser Ferdinand-Nordbahn von Floridsdorf nach Deutsch-Wagram wurde am 6. November 1837 eröffnet. Der reguläre Betrieb bis Wien-Nord wurde im Jänner 1838 aufgenommen. Der Postbeförderungsdienst wurde dann bald von den Eisenbahnen übernommen und dem Postmeister der Poststation Wien oblag nur mehr die Durchführung des Lokalpostverkehrs zwischen den einzelnen Wiener Postämtern, sowie der Zustell- und Abholdienst von und zu den Wiener Bahnhöfen. Die Stallungen der Wiener Poststation befanden sich damals „Am Tabor“.
Josef Maximilian war als Inhaber des Poststallamtregals für Wien eine wohlhabende und geachtete Wiener Persönlichkeit. Möglicherweise erbte er auch etwas von seinem Stiefvater. Jedenfalls erwarb Josef Maximilian noch im Jahr 1845 die Herrschaft Kalsdorf in der Steiermark. Dort ließ er ein Schloss im Stil des Historismus erbauen. Es erhielt den Namen „Uhlheim“. Das Gebäude hatte den Charakter einer großstädtischen Villa im Stil des Historismus. Das Anwesen war aber auch mit einer ausgedehnten Landwirtschaft verbunden. Seine Tochter Helene wurde 8. August 1849 auf dem nahegelegenen Schloss Kalsdorf geboren und auch Tochter Josefa Francisca kam am 23. Jänner 1851 in Ilz zur Welt.
Am 10.11. 1852 starb Josef Maximilians Ehefrau Maria Friederike im Alter von erst 35 Jahren an Lungensucht. Sie hinterließ nicht nur ihren trauernden Gatten, sondern auch eine große Kinderschar. Ihr ältester Sohn Maximilian Josef Anton war damals 14 Jahre alt, die jüngste Tochter Josefa Francisca erst ein Jahr alt. Josef Maximilian von Uhl heiratete dann ein zweites Mal, und zwar die aus Budweis stammende Marie Sturmann (1822-1897). Gewohnt hat die Familie damals am Getreidemarkt.
Da das Postmeisteramt erblich war, wurde der älteste Sohn Maximilian Josef von Uhl schon früh in die Geschäfte des Poststallamtes eingeführt. Er übernahm nach und nach immer mehr Verantwortung. Mit 25 Jahren musste er das Amt komplett ausfüllen, da sein Vater Joseph Maximilian von Uhl am 18.3.1863 im Alter von nur 56 Jahren an einer Lungenentzündung starb. Zwei Tage nach seinem Tod fand die Beerdigung am St. Marxer Friedhof statt. In seinem Testament verfügte Josef Maximilian von Uhl, dass sämtliche Liegenschaften zu gleichen Teilen unter seinen Kindern aufgeteilt werden müssen.
Erbpostmeister Maximilian Josef von Uhl Sen. (1838-1909)
Maximilian Josef von Uhl erhielt seine Ausbildung an der Theresianischen Militärakademie, die er als Offizier verließ. Schon früh war er in die Geschäfte seines Vaters eingebunden. Nach dessen Tod widmete sich Maximilian Josef voll und ganz der Postmeisterei. Sein Bruder Alfred übernahm Schloss Uhlheim in Ilz. Die restlichen Besitzungen musste Maximilian Josef von Uhl seinen Geschwistern jährlich mit einem Betrag von ca. 1.500 Gulden abgelten.
Am 17. Feber 1868 gab Maximilian Josef von Uhl in der Pfarrkirche St. Rochus auf der Landstraße Maria Veronika Karpf (1847-1925) das Ja-Wort. Die Braut stammte aus Ofen (Budapest) in Ungarn. Die beiden setzten mindestens vier Kinder in die Welt. Am 2.7.1869 erblickte ihr erstes Kind Amalia Maria Josefa das Licht der Welt. Bereits am 29.11. des darauffolgenden Jahres wurde Franz Xaver Josef geboren. Der kleine Bub starb aber schon 2 Jahre später am 4. Dezember 1872 an einem Lungenödem. Er wurde am Friedhof St. Marx beerdigt. Wieder 2 Jahre später kam am 24.7.1874 der Stammhalter Maximilian Josef zur Welt.
Am 5.2.1876 freute sich die Familie wieder über die Geburt eines Knaben. Doch Oskar Alfred Moriz erlag am 24.2.1886 im Alter von zehn Jahren einer Blinddarmentzündung. Er wurde in einem neuen Familiengrab am Zentralfriedhof in der Gruppe 29/G2/23 bestattet. Sein Bruder Franz wurde kurz darauf am St. Marxer Friedhof enterdigt und in das Grab am Zentralfriedhof umgebettet.
Aufgrund einiger Neuerungen im Postwesen, musste auch Maximilian von Uhl einige Reorganisationen im Wiener Hofpoststallamt durchführen. 1869 wurde in Österreich-Ungarn die Korrespondenzkarte eingeführt Es war dies eine österreichische Erfindung von Prof. Emanuel Herrmann und der Vorläufer der Ansichtskarte. Die Korrespondenzkarte war billiger als ein Brief und wurde für kurze Mitteilungen von max. 20 Wörtern verwendet, die offen auf der Karte vermerkt wurden. Auf der Drucksorte war das Postwertzeichen bereits eingedruckt. Durch diese Innovation kam es zu einem erhöhten Postaufkommen, was eine Vergrößerung des Pferdebestandes und des Fuhrparks erforderte. Maximilian von Uhl erwarb daher 1884 am Kanal Nr. 527 einen Baugrund, auf dem im Laufe der nächsten Jahre Stallungen für ca. 330 Pferde, Werkstätten und 92 Postillionswohnungen errichtet wurden.
Am 8. November 1889 starb Franz Tomas im Alter von 74 Jahren. Er war der Bruder von Max Josefs Mutter und damit Max Josefs Onkel gewesen. Seine Geschwister waren bereits alle verstorben und nur seine Schwester Marie hatte Nachkommen hinterlassen. Franz Tomas war Zeit seines Lebens Junggeselle geblieben und wohnte in einem bürgerlich möblierten Appartement in der Radetzkystraße 1. In seiner Jugend begann er zu studieren, doch dann starb sein Vater und hinterließ ihm ein ansehnliches Erbe. Daraufhin hängte der junge Mann seine Ausbildung an den Nagel und fristete sein Dasein als Rentier. In jungen Jahren galt er als Lebemann und unternahm große Reisen. Er erlebte mit seinen Freunden manches lustige Abenteuer, doch dann zog er sich plötzlich komplett zurück. Ab seinem vierzigsten Lebensjahr führte Franz Tomas ein sparsames, beschauliches, zurückgezogenes Leben. Bei ihm wohnten mehr als 35 Jahre seine Haushälterin Rosine Bauer und deren Schwester, die sich als Köchin betätigte.
Anfangs hielt sich Herr Tomas noch eine Equipage, doch gab er bald auch diese auf. Im Sommer zog er immer in sein Landhaus in Perchtoldsdorf am Platz Nr. 16. Wenn er in Wien war, hatte er einen fixen Tagesablauf. Am Morgen las er Zeitungen und rauchte seinen Tschibuk, mittags aß er Suppe und Rindfleisch. Andere Speisen nahm er nie zu sich. Nachmittags unternahm er regelmäßig einen Spaziergang über den Ring und holte sich dann im Cafe Griensteidl als Subabonnent die Frankfurter Zeitung. Vergnügungen wie Theater oder Oper blieb er fern. Seine Kleidung trug er jahrelang auf und daher sah diese auch sehr abgenützt aus. Als ihn einmal ein Freund fragte, worin sein Zeitvertreib bestehe, antwortete er: „Ich schau' nur bei meinem Fenster raus, da kommt die gute Luft von der Donau und dem Prater herüber." Im Sommer 1889 begann Herr Tomas zu kränkeln und als er vom Lande wieder nach Wien zurückkehrte, wurde er bettlägerig. Während seiner Krankheit wollte er außer dem Arzt, seiner Haushälterin und dem Hausbesorger niemanden sehen. Schließlich starb er am 8. November an Altersschwäche. Am darauffolgenden Sonntag fand sein pompöses Leichenbegängnis statt. Seine letzte Ruhestätte fand Franz Tomas gemäß seinem letzten Willen in einer Gruft am Zentralfriedhof in der Gruppe 17A/G2/42.
Wie sich bei der nachfolgenden Testamentseröffnung herausstellte, war der unscheinbare Mann einer der reichsten Bürger Wiens gewesen. Er hatte es scheinbar verstanden, sein Geld gut anzulegen und zu vermehren. Zu seinem Vermächtnis gehörten die sogenannten „Tomas-Häuser“ auf der Wiedner Hauptstraße, Ecke Schleifmühlgasse, ein Haus in der Mariahilferstraße und die Villa in Perchtoldsdorf. Darüberhinaus hinterließ der Verblichene ein großes Vermögen, das sich aus Bargeld, Gold- und Silbermünzen, sowie zahlreichen Wertpapieren zusammensetzte. In seinem Testament bedachte er seine Haushälterin mit einem Legat. Dieses umfasste 20.000 Gulden (entspricht heute ca. € 350,-), das Haus in Perchtoldsdorf, samt Möbel und Weinlager, sowie die gesamte Wohnungseinrichtung aus seinem Appartement in der Radetzkystraße in Wien. Dieses durfte sie noch ein Jahr lang gratis nutzen. Weiters wurde sie mit einer Lebensrente von jährlich 1.000 Gulden abgesichert. Ihre Schwester erhielt eine jährliche Rente von 560 Gulden. Zwei Söhne eines Postkondukteurs, deren Firmpate Franz Tomas gewesen war, erhielten je 500 Gulden. Das Spital der Barmherzigen Brüder und das Blindeninstitut jeweils 1.000 Gulden. Auch an die sozial schwachen Menschen in der Bevölkerung hatte der Verstorbene bei seiner Testamentserstellung gedacht. Er verfügte, dass jeweils 50 Bedürftige des dritten und vierten Bezirkes mit je einem Gulden beschenkt werden sollten.
Für sich selbst hatte der Testator ein Leichenbegängnis erster Klasse durch die Entreprises des pompes funebres bestimmt und eine eigene Gruft am Zentralfriedhof mit einem Grabmonument aus Granit in Form eines Obelisken gefordert. Der Rest des Vermögens wurde auf die neun Kinder seiner verstorbenen Schwester Maria Friederike von Uhl aufgeteilt. Wenn auch die Haushälterin den größten Teil des Vermögens erhielt, blieb für jeden der Erben noch ein kleines Vermögen übrig.
Einer der Erben war der Erbpostmeister Maximilian Josef von Uhl. Vermutlich war er es, der 1891 am Zentralfriedhof in der Gruppe 41E/G1/9 eine Gruft kaufte. Dorthin ließ er am 4. Juni 1891 die gesamte Verwandtschaft vom St. Marxer Friedhof auf den Zentralfriedhof umbetten. Es waren dies seine Großeltern mütterlicherseits - Franz und Franciska Tomas geb. Öckher, die Großeltern väterlicherseits - Elisabeth Diettmann geb. Harruckner, verwitwete von Uhl und deren zweiter Ehemann Anton Diettmann, seine Onkeln Karl und Wilhelm Tomas, sein Vater Josef Ritter von Uhl und seine Mutter Marie Edle von Uhl geb. Tomas. Exhumierungen standen damals an der Tagesordnung. Grund dafür war, dass nach der Eröffnung des Zentralfriedhofs die fünf kommunalen Friedhöfe, wozu auch der St. Marxer Friedhof gehörte, nach einiger Zeit nicht mehr belegt wurden und deren Auflösung im Raum stand. Von der Gemeindeverwaltung wurden prominente verstorbene Persönlichkeiten von diesen Friedhöfen auf den Zentralfriedhof überführt und in Ehrengräbern bestattet. Diesem Vorbild folgten viele wohlhabende Familien. Sie siedelten ihre verstorbenen Verwandten um.
1894 kaufte Max von Uhl in Simmering Nr. 46 ein Haus samt dazugehörigem Grundstück und richtete dort eine Poststation ein. In den Stallungen im Hof konnten 88 Pferde untergebracht werden. Daneben ließ er Kutschengaragen und ein Verwaltungsgebäude erbauen. Auf dem Erker über der Einfahrt prangte das Wappen der Familie. Während der Abrissarbeiten dieses Gebäudes konnte dieses Relikt gerettet werden und befindet sich heute im Besitz des Bezirksmuseum Simmering.
Maximilian von Uhl beschäftigte mehr als 1.000 Personen. Zu seinem Personal gehörten etwa 650 Postillione, zahlreiche Stallpagen, Schmiede und Sattler. Der Dienstgeber sorgte sich aber auch um das Wohl seiner Arbeiter. Vor allem jene, die dienstunfähig wurden, sowie Witwen und Waisen seiner Bediensteten lagen ihm besonders am Herzen. Die Belegschaft wusste dies auch zu schätzen. Maximilian von Uhl hatte zum 11. Bezirk, wo sich seine Stallungen und das Verwaltungsgebäude befand und zum 3. Bezirk, wo er in der Reisnergasse wohnte, eine besonders enge Bindung. Maximilian von Uhl entwickelte daher auch in diesen Bezirken eine ausgedehnte philanthropische Tätigkeit, d.h. er setzte sich freiwillig und ohne Gegenleistung für das Wohl anderer ein. 1895 wurde Maximilian von Uhl mit dem Marianerkreuz des Deutschen Ritter-Ordens, dem Ritterkreuz des Franz Josephs-Ordens und am 28. April 1896 mit dem königl . preuß . Kronen-Orden 3. Classe ausgezeichnet.
Doch während der Postmeister ein ansehnliches Vermögen anhäufte, ging es seinen Kutschern immer schlechter. Die Anforderungen für den Postdienst waren mit der Stadterweiterung gestiegen. Diese zusätzlichen Kosten wurden mit Einsparungen bei den Löhnen, bei der Ausstattung der Postillione und der Pferde kompensiert. Waren die Postillione in früheren Zeiten in ihren schmucken Uniformen noch ein Augenschmaus gewesen, machten sie nun einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Auch ihr Horn durften sie wegen Lärmbelästigung nicht mehr blasen. Diese Berufsgruppe war zu einfachen Lohnarbeitern verkommen, die einen schweren Dienst ausübte. Inzwischen gehörten die Postillione sie zu den am schlechtesten bezahlten Arbeitern Wiens. Aufgrund der enormen Teuerungen und auch angestiftet durch Reichsratsabgeordnete begehrten sie 1895 auf und stellten Forderungen. Drei der Postillione schilderten der obersten Postbehörde und dem Parlament ihre missliche Lage. Sie berichteten von ihrer Unzufriedenheit mit ihrem Arbeitgeber Maximilian von Uhl und seinem Sekretär Hühnerbein und brachten ihre Forderungen vor. Ritter von Uhl versprach zwar, die Bedingungen seiner Belegschaft zu verbessern, gleichzeitig entließ er aber die drei Rädelsführer. Auf Bitten seiner Arbeiter, dass er wenigstens einen verschonen möge, da dieser eine Familie zu versorgen hätte, lenkte Maximilian von Uhl ein und behielt diesen im Dienst. Die Kündigung der beiden anderen erfolgte mit Abstimmung der k.k. Postdirektion. Sie erhielten zwar ausgezeichnete Dienstzeugnisse, allerdings begleitet von den Worten Uhls: „An eurer Dienstführung habe ich nichts zu klagen, ich entlasse euch aber, weil ich an euch Rache nehmen muss!“ In weiterer Folge berief der christlich-soziale Arbeiterverein eine Versammlung ein, um gegen die Entlassung der beiden Arbeiter zu protestieren. Obwohl Max von Uhl seinen Postillionen mit Kündigung drohte, sollten sie zu dieser Versammlung gehen, war die Veranstaltung sehr gut besucht. Allerdings gab es aber immer wieder auch Beanstandungen durch die Bevölkerung, weil die Postkutscher sehr roh auftraten. Die Polizei griff schließlich im Falle von Verfehlungen strikt durch und verhängte harte Strafen. Diese wiederum zog der Dienstgeber den betroffenen Kutschern vom Lohn ab. Eigentlich wollte er diese Summen Witwen und Waisen seiner Bediensteten zukommen lassen, aber angeblich kam das Geld dort nie an. Auch wegen der Verteilung des Reinertrages, der bei einem Ball der Poststallbediensteten erzielt wurde, gab es Streit. Der Erbpostmeister hatte zwar 1.000 Gulden gespendet, verwehrte dann aber die Herausgabe des Betrages. Erst über Intervention eines Reichsratsabgeordneten konnte die Sache bereinigt werden. Schließlich zahlte sich der Aufstand der Poststallbediensteten aus. Maximilian von Uhl erfüllte tatsächlich zahlreiche Forderungen, die die Lage der Postillione verbesserten. Und obwohl die Bediensteten nicht in direktem Dienst der Postverwaltung standen, unternahm auch diese einige Maßnahmen, die den Poststallbediensteten zugute kamen. Kurz vor Ostern 1906 brachten die Kutscher allerdings neue Forderungen vor. Die oberste Postbehörde ließ sie aber angesichts der zahlreichen Zugeständnisse der letzten Jahre abblitzen. Daraufhin streikten die Wiener Postillione zu Ostern. Durch ein rasches Reagieren der Postverwaltung und Bereitstellung von Ersatzkräften, konnte eine ernsthafte Störung des Postdienstes verhindert werden. Allerdings verursachten die unerfahrenen Aushilfen zahlreiche Unfälle. Maximilian von Uhl ließ auch diesmal wieder sich zu einigen Zugeständnissen herab.
Wurde ein Postillion eingestellt, begann er als Stallwärter mit 30 Gulden monatlich und freier Wohnung. Nach der Beförderung zum Postillion stieg sein Gehalt alle 3 Monate bis zu einem Höchstbetrag von 48 Gulden. Zusätzlich gab es Zulagen für Nachtdienst, Montur und Sperrgeld. Zur damaligen Zeit wurden die Haustore von den zuständigen Hausbesorgern um 22 Uhr versperrt und um 6 Uhr früh wieder aufgesperrt. Die einzelnen Hausparteien besaßen meist keinen eigenen Hausschlüssel. Begehrte jemand während der Sperrzeit Ein- oder Auslass, musste er sich an den Hausbesorger wenden, der ihm die Tür aufsperrte. Dafür war an den Hausbesorger ein offiziell geregeltes „Sperrgeld“ zu zahlen. Die Dienstzeit der Postillione betrug 12 Stunden.
Aber nicht nur die Belegschaft wandte sich gegen den Erbpostmeister, auch seine Geschwister klagten ihn. Im Jahr 1898 stellte Maximilian von Uhl die jährlichen Abgeltungszahlungen für das väterliche Erbe ein. Im Zuge der Gerichtsverhandlungen stellte sich auch heraus, dass er seinen Geschwistern die Fourage, also das Futter für ihre Pferde, zu einem weit überzogenen Preis verkauft hatte. Der Lieferant gab an, dass der Preis darauf zurückzuführen sei, dass der Erbpostmeister nur Hafer von bester Qualität kaufe, während andere Gesellschaften sich mit minderwertigem Futter zufriedengeben würden.
Maximilian Ritter von Uhl besaß ca. 900 Pferde. Die vielen Tiere brauchten natürlich Futter und vor allem Wasser. 1899 suchte der Erbpostmeister daher bei der Gemeinde Wien um täglich 50 hl Wasserabgabe aus der Hochquellenwasserleitung an. Für einen hl zahlte er 4,5 Gulden. Das entspricht heute ca. € 81,50.
Im November 1897 starb seine Stiefmutter Marie Edle von Uhl geb. Sturmann im Alter von 75 Jahren an einem Lungenödem. Am 19.11. wurde sie am Zentralfriedhof in der Gruppe 41E/G1/9 in der Familiengruft beigesetzt.
Im März 1903 feierte Maximilian Josef von Uhl sein 40jähriges Dienstjubiläum. Zu diesem Anlass ehrte man ihn vielfach. Seine Postillione legten ihre Galauniform an und holten ihn mit einer Galakutsche von seiner Wohnung in der Reisnerstraße ab und brachten ihn ins Poststallmeisteramt nach Simmering. Die dort stattgefunde Feier hatten keinen offiziellen Charakter, sondern war von seinen Bediensteten ausgerichtet worden. Das Gebäude war mit Flaggen, Wappen und Reisiggirlanden geschmückt worden. Mit dabei waren auch sein Sohn Max, der bereits im Unternehmen mitarbeitete, seine Tochter Amalie mit ihrem Ehemann Rudolf Barvich und zwei Enkelkinder. Sein Sohn übergab ihm die eine Medaille für 40-jährige Dienste, die ihm der Kaiser verliehen hatte. Die Oberbeamten der Postdirektion schenkten ihm als Ehrengeschenk einen silbernen Miniatur-Postbestellwagen. Es war dies eine Nachbildung eines Postwagens, wie er in den 1850er Jahren verwendet wurde. Die kunstvolle Handarbeit aus getriebenem Silber war in allen Einzelteilen beweglich und ruhte auf einem Sockel. Die Außenwände trugen die Namen der Spender. Der älteste Postillon, der schon 30 Jahre beim Erbpostmeister in Diensten stand, hielt eine Rede und überreichte dem Jubilar im Namen der Belegschaft eine Bronzestatue des Gefeierten. Die Büste stammte vom Bildhauer Bergmann und war von der Fa. Bill & Comp. in Bronze gegossen worden. Zu guter Letzt gratulierten die Kinder der Bediensteten und überbrachten Blumenspenden. Zahlreiche Vereine und Wohltätigkeitsorganisationen, die der Geehrte laufend unterstützte, schlossen sich mit Glückwünschen an. Am Abend fand dann noch ein Festbankett statt und am nächsten Tag eine ähnliche Feier im Depot Kaiser-Ebersdorf.
In den letzten Jahren seiner Dienstzeit war Maximilian von Uhl immer wieder damit konfrontiert, dass man versuchte, das Privileg des Erbpostmeisteramtes abzuschaffen. Maximilian von Uhl führte unendlich lange Verhandlungen wegen der Ablösung des Privilegs und der Übernahme des ganzen Poststalldienstes in den ärarischen Betrieb. Befeuert wurde das Ganze durch die zunehmende Automobilisierung. Für den Postmeister warf das Geschäft aber auch nicht mehr genügend Gewinne ab. Seine jährliche Vertragspauschale reichte aufgrund der Teuerung und zusätzlicher Kosten nicht mehr aus, um alle Kosten zu decken. Der Staat wollte eigentlich mit einer Reform den Zustellungs- und Abholdienst der Bahnhofspostämter übernehmen und motorisieren. Aus budgetären Gründen schob man dieses Projekt aber immer wieder auf und bewilligte stattdessen dem Postmeister eine „Stallbeihilfe“.
1908 fiel in der Herrengasse der Arm einer Engelsfigur vom Gibel eines Herrenhauses und traf dabei das Pferd eines vorbeifahrenden Postwagens. Das Pferd verende sofort. Daher verlangte Maximilian von Uhl als Besitzer des Pferdes vom N.Ö. Landesausschuss Schadenersatz. Da dieser nicht zahlen wollte, klagte der Erbpostmeister und bekam Recht. Die beklagte Partei ging in Revision, bei welcher wiederum sie als Sieger hervorging. Nun ging auch der Erbpostmeister in Revision, was den obersten Gerichtshof abermals befasste. Wie das Ganze schließlich endete, konnte ich leider nicht herausfinden.
Maximilian von Uhl starb am frühen Morgen des 10.03.1909 im Alter von 71 Jahren an Schlagadernverkalkung. Das Leichenbegängnis startete vom Trauerhaus in der Reisnerstraße 20. Drei Postillions in der alten Galatracht ritten an der Spitze des originellen Kondukts. Ihnen folgten zwei Blumenwägen. Bedienstete des Poststallamtes und der Post trugen schwarzumflorte Fahnen. Weiters geleiteten Waisenkinder und eine Musikkapelle den Trauerzug. Dann kam der gläserne Glasgalawagen mit dem Toten, der von je acht Postillionen und acht Postbediensteten in roten Fracks flankiert wurde. Die Familienmitglieder gingen dem Wagen hinterher. Die feierliche Einsegnung erfolgte dann in der Kirche St. Rochus und Sebastian unter großer Teilnahme der Bevölkerung und Vertretern diverser Organisationen und Vereine. Im Anschluss wurde der Tote auf dem Zentralfriedhof in der Familiengruft bestattet. Das Grab befindet sich in der Gruppe 29/G2/23.
Christian Radislowitsch und Helene von Uhl
Eines vorweg – die Namensschreibung der Familie Radislowitsch war im Laufe der Jahre sehr unterschiedlich. Die Schreibweisen gehen von Radislovitsch über Radislovich und Radiszlovich bis Radislowitsch. Ich verwende hier einheitlich die Variante "Radislowitsch".
Christian Radislowitsch wurde am 19.12.1849 im heutigen Sigleß im Bgld. geboren. Damals hieß der Ort Siklós und gehörte zu Ungarn. Christians Eltern waren Anton Radislowitsch (*1823) und Anna Nemeth (*1826). Christians ältere Geschwister Károly (=Karl) (*01.10.1844) und Dénes (=Dyonisius) (*01.10.1845), die beide am selben Tag Geburtstag hatten, freuten sich über die Ankunft ihres kleinen Bruders Christian. Die Familie wohnte in Siklós Nr. 151. Nach Christian kamen noch weitere Kinder dazu. Sina kam am 2.10.1852 zur Welt. Allerdings starb das kleine Mädchen schon einen Monat später. Katharina erblickte am 15.11.1855 das Licht der Welt. Am 8.10.1860 vergrößerte Töchterchen Elisabeth die Kinderschar. Am 28.8.1862 wurde Anna Radislowitsch von ihrer Tochter Justina entbunden und schließlich erblickte Anna am 23.10.1867 das Licht der Welt. Ich gehe davon aus, dass es noch weitere Kinder in der Familie gab, aber leider standen mir nicht alle Jahrgänge der Geburtsmatriken zur Verfügung.
- Karl *01.10.1844
- Dynonisius *01.10.1845 ⚭ Leopoldine Mayer (*1864)
- Christian *19.12.1849 - 28.04.1909
- Sina *02.10.1852 – 1852
- Katharina 15.11.1855
- Elisabeth 80.10.1860 - 29.08.1903- ⚭ Josef Weissenböck
- Justina 28.08.1862
- Anna 23.10.1867
Christian Radislowitsch zog es, genauso wie einige seiner Geschwister, nach Wien. Dort war der junge Mann als Handelsmann tätig. In Wien verliebte er sich auch in Helene Edle von Uhl (1849-1944). Das junge Paar gab sich am 12. Feber 1874 in der Paulanerkirche in Wien das Jawort. Die Braut war am 4.8.1849 auf Schloss Kalsdorf geboren worden. Ihre Eltern waren der Erbpostmeister und Herrschaftsbesitzer Josef Ritter von Uhl und seine Ehefrau Marie Friederike Tomas (ca. 1817-1852). Sie war die Schwester des Erbpostmeisters Maximilian Josef von Uhl sen. Die Ehe des Paares Radislowitsch blieb kinderlos.
Christian übernahm eine Eisenhandlung im 5. Bezirk und Helene führte den Eisengußwarenverschleiss der fürstlich Colloredo-Mannsfeldschen Eisengußwerk- und Maschinenfabrik im 6. Bezirk. Christian war darüber hinaus Vorstandsmitglied bzw. Aktionär mehrerer Banken in Wien. 1876 wurde Christian Radislowitsch wegen schuldhafter Krida zu drei Monaten Arrest verurteilt.
Gewohnt hat das Ehepaar in Mödling in der Mozartgasse 1. Dort ließ sich Helene eine Villa bauen. Immerhin hatte ihr sowohl ihr Vater Joseph Maximilian von Uhl, als auch ihr Onkel Franz Tomas, ein beachtliches Erbe hinterlassen. Auch Christian besaß mehrere Realitäten in Mödling, unter anderem den Marienhof auf der Hauptstraße 44. 1917 kaufte Wilhelm Drach das Gebäude und gab ihm den Namen „Drachhof“. Der Sohn des neuen Besitzers, Albert Drach, war Jurist und Schriftsteller, erhielt zahlreiche Preise und wurde sogar für den Literatur-Nobelpreis nominiert.
Das Paar Radislowitsch war in Mödling allseits bekannt und sehr beliebt. Das lässt sich auch darauf zurückführen, dass sie mehrere Organisationen in großzügiger Art und Weise unterstützten. Ihre silberne Hochzeit feierten sie im Feber 1899 ebenfalls in Mödling. Zu diesem Anlass wurden sie vielfach geehrt. In Christians Heimatgemeinde Sigless wurde 1865 die Kirche umgebaut. Anlässlich seiner silbernen Hochzeit spendete er dieser Kirchengemeinde ein Kirchenfenster, das den Hl. Nikolaus darstellt. Auf dem Glasfenster, das sich neben dem Ambo befindet, kann man lesen: „Dedicavit Christian Radiszlovich. A.D. MDCCCXXXXIX.“
Im Juni 1905 kaufte das Paar um 5.000 Kronen einen Doppelgruftplatz am Wiener Zentralfriedhof. Schon 4 Jahre später, am 28. April 1909 erlitt Christian Radislowitsch einen Herzschlag, an dem er auch verstarb. Er wurde nicht einmal 60 Jahre alt. Helene, die einen Monat zuvor erst ihren Bruder zu Grabe geleitet hatte, trauerte nun auch um ihren Gatten. Sein Leichnam wurde im Trauerhaus in Mödling aufgebahrt und zwei Tage später auf den Zentralfriedhof überführt. Dort wurde er in der eigenen Gruft bestattet. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in der Gruppe 41C/1/G1. Die Grabfigur, die wohl die trauernde Witwe darstellen soll, stammt von Fritz Zerritsch, einem Schüler Viktor Tilgners.
Da das Paar keine eigenen Kinder hatte, bedachte Christian Radislowitsch in seinem Testament seine Nichten und Neffen mit einem Gesamtlegat von 10.000 Kronen (entspricht heute ca. € 79.000,-). Helene überlebte ihren Ehemann um 35 Jahre. Im Feber 1944 schloss schließlich auch sie im hohen Alter von 94 Jahren für immer ihre Augen. Ihr Leichnam wurde in der Familiengruft bei ihrem Ehemann zur letzten Ruhe gebettet.
In späteren Jahren fanden noch weitere Personen ihre letzte Ruhestätte in dieser Gruft. So z.B. die geborene Gräfin Aglaia Lezansky-Bukowe (1870-1960) und ihr Ehemann Salomon von Friedberg (1854-1945). Aglaia war die älteste Tochter von Helenes Schwester Hedwig (1845-1922), die den Grafen Jaroslav Lazansky-Bukowa (1835-1913) geheiratet hatte. Auch Aglaias Tochter Olga (1896-1971) und ihr aus Prag stammender Ehemann Heinrich Scheibler von Warten (1879-1962) wurden hier bestattet, genauso wie Aglaias Tochter Ida (1898-1992) und ihr Gatte Karl Neumann (1908-1962).
Max von Uhl Jun. (1874-1945)
Maximilian Josef von Uhl war der älteste Sohn von Maximilian Josef von Uhl Sen. und damit einer der Erben des Erbpostmeisteramtes. Er hatte bereits seit 1899 als Assistent im Unternehmen des Vaters mitgearbeitet. Am 3. Juli 1909 übertrug die k.k. Postverwaltung Max Ritter von Uhl, seiner Schwester Amalia Barwich und seinem Schwager Rudolf Barwich den Postbeförderungsdienst für die Bezirke I - XX. Der unkündbare Vertrag wurde für die Zeit vom 1. April 1909 bis 31. März 1918 von allen Beteiligten unterzeichnet.

1910 mietete Max von Uhl in der Rautenstrauchgasse in Simmering ein 342 m2 großes Grundstück an, auf dem er seine Zweispänner unterbrachte. Die Einspänner hingegen fanden im Depot "Am Kanal" Platz. Max von Uhl war auch ein begeisterter Pferdesportler. Zeitweise war er auch Obmann des Wiener Trabrennvereines.
Am 25. September 1910 hatte Max von Uhl zwischen Judenburg und Leoben einen Verkehrsunfall. Der 40jährige Bergarbeiter Franz Baumgartner aus Judenburg war gemeinsam mit seinem Stiefsohn auf den Fahrrädern unterwegs. In der Nähe von St. Michael begegnete ihnen der Erbpostmeister im Automobil. Baumgartner dürfte vom Licht des Fahrzeugs geblendet gewesen sein. Er versuchte dem Wagen ausweichen, fuhr dabei aber auf die falsche Seite, wurde überfahren und war sofort tot. Max von Uhl zeigte den Unfall selbst bei der Polizei an. Dem Sohn des Getöteten übergab er für die Bestreitung der Begräbniskosten einen Betrag von 100 Kronen. Nur wenige Tage zuvor hatte Max von Uhl in Wien auf der Praterstraße mit seinem Automobil eine 18jährige Fußgängerin niedergestoßen. Das Unfallopfer kam mit Prellungen, Blutbeulen am Kopf und einem Nervenschock davon.
Die Postwagen der Erbpostmeisterei waren lange Zeit in Verwendung und entsprachen irgendwann nicht mehr ganz den modernen Anforderungen. Sie waren mit schweren Verschlüssen und Eisen ausgestattet, was entsprechenden Krach verursachte. Immer wieder kam es zu Beschwerden, da vor allem vor dem Hauptpostamt der Lärmpegel besonders hoch war. Doch die Gemeindeverwaltung hatte dagegen keine Handhabe, da die Postwagen Eigentum des Postmeisters waren und diesem keine Vorschriften in Bezug auf seine Berufsausübung gemacht werden konnten.
Mit Ende März 1918 lief der Vertrag für die Postbeförderung durch die Postmeister aus. Damit erlosch das Zeitalter der Hofpoststallgerechtigkeit. Die Postverwaltung übernahm dann den Beförderungsdienst in eigene Regie.
Am 22. Juni 1918 verlieh der Kaiser Max von Uhl das Kriegskreuz für Zivilverdienste 2. Klasse. Mit dem österreichischen Adelsaufhebungsgesetz von 1919 verlor die Familie Uhl allerdings ihren Adelstitel.
Am 26. März 1925 starb Marie Uhl, die 78jährige Mutter von Max. Eine Lungenentzündung erlöste sie nach einer schmerzvollen Erkrankung von ihrem Leiden. Am 30. März wurde ihr Leichnam am Zentralfriedhof in der Familiengruft beigesetzt.
Am 25. April 1926 schloss Max Uhl mit der gleichaltrigen Elisabeth Clement (1874-1945) in der Pfarrkirche St. Josef die Ehe. Gewohnt hat das Paar auf der Linken Wienzeile 12.
Am 10. Juli 1945 starb Max Uhl nach einem kurzen Leiden im Alter von 72 Jahren. Gemäß seinem letzten Willen wurde er in aller Stille am Zentralfriedhof in der Familiengruft zur letzten Ruhe gebettet. Seine Witwe schloss am 21. Feber 1949 für immer ihre Augen. Sie wurde in der Familiengruft bei ihrem Ehemann beigesetzt. Laut Adelsaufhebungsgesetz von 1918 war den betroffenen Personen das Führen ihres Adelstitels untersagt. Dritte durften hingegen die Adelsbezeichnungen ungestraft in Ansprachen von Menschen verwenden. Deshalb werden auch heute noch gelegentlich Adelsbezeichnungen in Todesanzeigen und auf Grabsteine geschrieben. So geschah es auch bei den Mitgliedern der Familie Uhl.
Bildquellen:
- Ahnentafel: © Karin Kiradi
- Ansichtskarte Schwechat mit Popperbrauhaus ONB digital
- Wappen der Fam. Uhl: Österreichisches Staatsarchiv
- Trauungsmatriken Anton von Uhl 1804: Matricula online Gumpendorf und Matricula Online Leopoldsdorf
- Postkutschenszenen: ONB digital
- Postillion in Galauniform: Wien Simmering
- Schloss Uhlheim: Burgen-Austria
- Maximilian von Uhl Sen. : Illustrirtes Wiener Extrablatt v. 19. März 1903, Seite 5: Anno ONB
- Tomas-Zinshaus: Entwurf zur Fassade des Zinshauses von Franz Tomas auf der alten Wieden Nr. 20 (4., Wiedner Hauptstraße 15), um 1840–1850, Wien Museum Inv.-Nr. 143967, CC0
- Bilder v. Poststallamt: Illustrirtes Wiener Extrablatt v. 11. November 1900, Seite 9: Anno ONB
- Meldezettel Maximilian von Uhl: Familysearch
- Zeitungsartikel mit Dank an Max v. Uhl: Neues Wiener Tagblatt v. 22. Januar 1874, Seite 11: Anno ONB
- Postillion: Wilhelm Böhm (Zeichner), Carl (Karl) Mahlknecht (Stahlstecher), "Die Briefpost." (Illustration aus "Wien und die Wiener, in Bildern aus dem Leben", hg. von Adalbert Stifter, Pest 1844), 1840–1844, Wien Museum Inv.-Nr. 97544/14, CC0
- Postillion um 1900 und Postillion früher: Illustrirtes Wiener Extrablatt v. 11.11.1900, Seite 9: Anno ONB
- silberner Postwagen: Illustrirtes Wiener Extrablatt v. 19. März 1903, Seite 5: Anno ONB
- Maximilian von Uhl: llustrierte Kronen Zeitung v . 11. März 1909, Seite 7: Anno ONB
- Postwagen in Fahrt: Illustrirtes Wiener Extrablatt v. 11. November 1900, Seite 10: Anno ONB
- Trauungsmatrikel Helene v. Uhl und Christian Radislowitsch 1874: Matricula online
- Christian Radislowitsch und Glasfenster in Sigless: Pfarrblatt Sigless, Dezember 2017
- Posthäuser in der Rautenstrauchgasse: Simmeringer Museumsblätter Oktober 1978
- alle Bilder der Gräber: © Karin Kiradi
Quellen:
- Brauhäuser in Schwechat: Seen-süchtig
- Burgen-Austria.com
- Austria-Sites-Vienna
- Grabkult und Grabskultur in Wien u. NÖ v. Kitlitschka, Verlag NÖ Pressehaus St.Pölten, 1987
- Wiener Zeitung v. 14. November 1852, Seite 10: Anno ONB
- Morgen-Post v. 6. Juli 1863, Seite 3: Anno ONB
- Deutsches Volksblatt v. 19. Juli 1895, Seite 7: Anno ONB
- Die Presse v. 26. Jan. 1876, Seite 11: Oldnews.de
- Neues Wiener Tagblatt v. 26. Januar 1876: Seite 5: Anno ONB
- Reichspost v. 11. August 1895, Seite 2: Anno ONB
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- Neues Wiener Tagblatt v. 16. November 1889, Seite 2: Anno ONB
- Neue Freie Presse v. 17. Juli 1895, Seiten 3-4: Anno ONB
- Neues Wiener Tagblatt v. 19. November 1897, Seite 26: Anno ONB
- Reichspost v. 10. Februar 1899, Seite 6: Anno ONB
- Badener Zeitung v. 15. Februar 1899, Seite 4: Anno ONB
- Stadtrats-Sitzung v. 26.10.1899: Wienbibliothek digital
- Protokoll der Sitzung d. Bezirksvertretungen v. 26.10.1900: Wienbibliothek digital
- Grazer Tagblatt v. 5. November 1900, Seite 4: Anno ONB
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- Illustrirtes Wiener Extrablatt v. 31. Aug. 1903 Seite 4: Oldnews.de
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- Tagespost <Graz> v. 14. April 1906, Seite 23: Anno ONB
- Reichspost v. 26. Januar 1908, Seite 8: Anno ONB
- Wiener Zeitung v. 10. März 1909, Seite 24: Anno ONB
- Neue Freie Presse v. 10. März 1909, Seite 33: Anno ONB
- Neuigkeits-Welt-Blatt v. 12. März 1909, Seiten 5-6: Anno ONB
- Tagespost <Graz> v. 12. März 1909, Seite 11: Anno ONB
- llustrierte Kronen Zeitung v. 13. März 1909, Seite 6: Anno ONB
- Neue Freie Presse v. 13. März 1909, Seite 9: Anno ONB
- Das Vaterland v. 29. Apr. 1909, Seite 14: Oldnews.de
- Badener Zeitung v. 5. Mai 1909, Seite 5: Anno ONB
- Neues Wiener Journal v. 26. September 1910, Seite 4: Anno ONB
- Steierische Alpenpost v. 1. Oktober 1910, Seite 3: Anno ONB
- Stadtratssitzung v. 16.12.1910: Wienbibliothek digital
- Wiener Zeitung v. 13. Apr. 1911, Seite 30: Oldnews.de
- Protokoll der Sitzung d. Bezirksvertretungen v. 21.11.1911: Wienbibliothek digital
- Grazer Volksblatt v. 27. Dezember 1917, Seite 3: Anno ONB
- Wiener Zeitung v. 2. Juli 1918, Seite 2: Anno ONB
- Allgemeine Sport-Zeitung 1925, Nr. 20, Seite 4: Anno ONB
- Badener Zeitung v. 4. März 1944, Seite 4: Anno ONB
- Neues Österreich v. 15. Juli 1945, Seite 3: Anno ONB
- Pfarrblatt Sigless, Dezember 2017
Herzlichen Dank an Petra Leban
v. Bezirksmuseum Simmering
für ihren Support.

















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