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Franz v. Dingelstedt (1814-1881), Jenny Lutzer (1816-1877)

Der Theaterdirektor und die Opernsängerin

ehrenhalber gewidmete Gräber von Franz Freiherr von Dingelstedt und Jenny Lutzer

die Gräber 

Im Leben waren sie unzertrennlich. Im Tod liegen sie wieder vereint in einem ehrenhalber gewidmeten Grab am Zentralfriedhof in Gruppe 5A/4/80 nahe beim Tor 1. Franz Freiherr von Dingelstedt starb am 15. Mai 1881 (vor nunmehr 140 Jahren) auf dem Höhepunkt seines Schaffens und wurde im Grab seiner Gattin Jenny geb. Lutzer, die bereits am 3. Oktober 1877 gestorben war, zur letzten Ruhe gebettet. Zwar liegen sie im Grab übereinander, aber ihre Grabsteine erwecken den Eindruck, als würden sie nebeneinander stehen und sich anblicken. 

Im Grab der Eheleute liegt auch deren Sohn Wilhelm. Im Grab nebenan sind ihr Sohn Ernst und dessen Sohn bestattet.

 

Die Grabsteine wurden vom österreichischen Steinmetzmeister und Begründer der modernen Steinmetzindustrie Eduard Hauser gefertigt. 

Franz Dingelstedt (1814 - 1881)

Franz Freiherr von Dingelstedt

verhinderter Geistlicher und Revoluzzer

Franz Dingelstedt wurde am 30.6.1814 in Halsdorf bei Wohra (DE) geboren. Seine Eltern waren der Unteroffizier Johann Dingelstedt (1783-1857) und seine Frau Johanna (1795-1836). 1816 übersiedelte die Familie nach Rinteln, wo der Vater  das Amt des Stadtkämmerers und Klostervogts übernahm.  Als hochbegabtes Kind machte Franz seinen Abschluss am dortigen Gymnasium mit dem besten Zeugnis, das je ein Schüler in dieser Schule erhalten hatte.  Während des Theologiestudiums in Marburg genoss er ein ausschweifendes Studentenleben, entdeckte aber auch seine Liebe zum Theater. Eine geistliche Anstellung wurde ihm verweigert, weil er als Schauspieler tätig war und Lieder dichtete. Er bekam jedoch einen Lehrerposten in Ricklingen bei Hannover. Wegen freimütiger Äußerungen wurde er nach Kassel strafversetzt. 1838 wurde er wegen Veröffentlichungen in der Landeszeitung, wo er Kritik an der fürstlichen Regierungsweise übte, weiter nach Fulda strafversetzt. Als Verfasser politischer Lyrik des Jungen Deutschland und Herausgeber der Zeitschrift „Der Salon“ wurde er wegen seiner freisinnigen Äußerungen mehrmals ermahnt und verlor schließlich seinen Doktortitel und sein Gehalt. Ab 1840 arbeitete er als Auslandskorrespondent der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“ in mehreren europäischen Städten. 

Franz Freiherr von Dingelstedt und seine Frau Jenny Lutzer

In London lernte er die Opernsängerin Jenny Lutzer kennen. Ottilie von Goethe (Goethes Schwiegertochter) vermittelte Franz 1843 nach Stuttgart als Vorleser und Bibliothekar von Wilhelm I., König von Württemberg. Dieser machte ihn zum literarischen Hofrat am Stuttgarter Hof. Freunde und Kollegen grenzten sich damals von ihm ab. Es erschienen zahlreiche Spottverse auf seine Gedichtsammlung "Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächter" und Parodien auf sein Werk. In dieser Zeit heiratete er Jenny Lutzer. Nach der Heirat schwor er der Revolution ab und konzentrierte sich nur mehr auf die Kultur. 1851 wurde er Intendant des Hof- und Nationaltheaters in München. Nach anfänglichen Erfolgen wurde er aber 1856 plötzlich entlassen. Franz Liszt vermittelte ihm 1857 den Intendantenposten an der Hofbühne in Weimar, wo er sehr erfolgreich Menschenmassen auf der Bühne inszenierte. 1867 wurde er von König Ludwig II. in den Adelsstand erhoben.  Allerdings kam es auch hier zu Zwistigkeiten, weil Dingelstedt scheinbar versuchte die Stellung Liszts zu untergraben.  Auch das Ensemble stellte sich gegen ihn. 

 

Direktor der Wiener Hofoper und des Hofburgtheaters 

Auf Empfehlung des Generalintendanten Friedrich Halm wurde Dingelstedt 1867 künstlerischer Direktor der Wiener Hofoper.   Als künstlerischen Berater stellte man ihm Franz Gaul zur Seite. Johann Herbeck agierte als Kapellmeister. Dingelstedt sagte man nach, dass er vollkommen unmusikalisch sei. Sein einziger Bezug zur Oper sei bis dato die Ehe mit der Operndiva Jenny Lutzer gewesen. Angeblich soll er einmal gesagt haben: "Das Konzert ist ein überflüssiges, die Oper wenigstens ein notwendiges Übel". Vorerst wirkte er an der alten Hofoper am Kärntnertor. Er war maßgeblich an der Planung des Baus der neuen Hofoper an der Ringstraße und der reibungslosen Übersiedlung beteiligt. Die 

Kaiser Franz Joseph I und die Kaiserin Elisabeth in der Wiener Hofoper

Eröffnung der neuen Hofoper erfolgte am 25. Mai 1869 unter Beisein des Kaiserpaares Franz Joseph I. und Elisabeth mit Mozarts "Don Giovanni".  Nach und nach konnte Dingelstedt einen abwechslungsreichen Repertoirebetrieb gewährleisten und brachte neben Werken von Mozart u.a. auch einige Wagner-Opern zur Premiere. Wegen vieler Anfeindungen ernannte ihn der Kaiser Ende 1870 zum Direktor des Hofburgtheaters. Diese Position behielt er bis zu seinem Tod.  Den Postenwechsel versüßte man ihm mit einer Gehaltserhöhung, Zulagen, dem Titel "k.k. Hofrat" und einer Dienstwohnung im Opernhaus. Unter seiner Leitung erlebte das Haus eine neue Blütezeit. Vor allem sein Shakespeare-Zyklus und seine Vorliebe für prunkvolle Inszenierungen trafen den Geschmack des Publikums. Noch heute gilt er als einer der bedeutendsten Intendanten, der das Niveau stark hob und Talenten wie Hendrik Ibsen und Franz Grillparzer zum Durchbruch verhalf.  1876 wurde er für seine Verdienste als Generalintendant in den Freiherrenstand erhoben. Er starb am 15.05.1881 unter Beistand seines Sohnes Baron Wilhelm Dingelstedt und seiner Tochter Baronesse Susanne Dingelstedt. Am selben Tag verstarb auch seine Schwester Auguste, Witwe des Rintelner Gastwirts Bornemann, in Hannover.

 

literarische und sonstige Werke 

Bis zum Tod seines strengen Vaters fuhr Dingelstedt regelmäßig nach Rinteln. Die Verbundenheit zum Weserland blieb ihm zeitlebens erhalten. Davon zeugt sein von Gustav Pressel vertontes "Weserlied", das volkstümliche Berühmtheit erlangte.  Er schrieb auch den ersten Reiseführer für das Weserland. 

Als Schriftsteller verfasste er neben Dramen, Romanen und Novellen auch autobiographische Darstellungen und übersetzte Shakespeare-Dramen.  Franz Dingelstedt verehrte seine Gattin bis zur letzten Stunde und besang sie in einer langen Reihe von Liebesliedern. Außerdem war er Mitbegründer der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft und Präsident der Schiller-Stiftung. In Rinteln, wo man sein Andenken noch immer hoch hält, befindet sich im Museum "Die Eulenburg" die gesamte Dingelstedt-Sammlung. 

 

Dingelstedtgasse 

1894 wurde im 15. Wr. Gemeindebezirk (Fünfhaus) die Dingelstedtgasse nach Franz Freiherr Dingelstedt benannt. 

 

Jenny Lutzer (1816 - 1877)

Baronin Jenny Dingelstedt, geborene Lutzer

die böhmische Nachtigall

Jenny Lutzer wurde am 4. März 1816 in Prag als Tochter eines städtischen Beleuchters geboren. Sie erhielt schon als Kind Gesangsunterricht bei einer ehemaligen Sängerin des Wiener Hoftheaters.  Bei einem Konzert ihrer Lehrerin, wo sie als 13 jähriges Mädchen teilnahm, erregte sie außergewöhnliches Aufsehen und wurde als zweite Henriette Sontag bezeichnet.  Ihr Vater übersiedelte mir ihr sogar nach Wien nur um ihr den Unterricht bei  Guiseppe Ciccimarra zu ermöglichen. Er war ein italienischer Startenor und Gesangslehrer, der zahlreiche bedeutende Sänger ausbildete.  Mit 16 Jahren hatte sie in der Titelrolle von Rossini's "Fräulein vom See" in Prag ihr Bühnendebut.  Der glänzende Erfolg dieses Abends begründete ihre weitere Karriere. Noch im selben Jahr wirkte sie bei Konzerten in Teplitz mit, die aus Anlass der Zusammenkunft der Monarchen veranstaltet wurden. Als sie wenige Jahre später ein Angebot für ein Engagement in Wien erhielt, machte man die außergewöhnlichsten Anstrengungen um sie  in ihrer Heimatstadt zu halten. Doch sie schlug alle Angebote aus und ging  1936 nach Wien ans Kärntnertortheater, wo sie 

Baronin Jenny Dingelstedt, geborene Lutzer

mit kurzen Unterbrechungen bis 1846 auftrat.  Bald wurde sie zur Kammersängerin ernannt. Sie gastierte auf den meisten großen Bühnen Europas. Die gefeierte Koloratursängerin wurde als "böhmische Nachtigall" und "Trillerkönigin" bezeichnet. Franz Dingelstedt, den sie während eines Gastspiels in London kennenlernte, reiste ihr nach Wien nach. Bis zur Hochzeit 1844 mussten allerdings allerlei Hürden überwunden werden. So gehörten sie unterschiedlichen Konfessionen an, was damals ein großes Hindernis war. Sie lebten dann gemeinsam in Stuttgart, München, Weimar und schließlich wieder in Wien. Obwohl sie ein Vielfaches des Einkommens ihres Gatten verdiente, verzichtete sie auf ihre weitere Karriere und zog sich ganz von der Bühne zurück. Sie widmete sich in weiterer Folge ihren 5 Kindern und konzentrierte sich auf die Rolle als Gastgeberin in ihrem vielbesuchten Salon.  Ihr Tod am 3.10.1877 wurde nicht nur von der Familie tief betrauert.

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Manuela Robben (Donnerstag, 13 Mai 2021 20:10)

    Ich freue mich schon Wien wieder einmal besuchen zu dürfen.
    Der Zentralfriedhof wird eine sichere Anlaufstelle sein.