In der Zeit rund um Allerheiligen und Allerseelen gedenken wir traditionell ganz besonders unserer Toten. Aber auch die eigene Vergänglichkeit wird einem dabei bewusst. Sterben ist schließlich ein Vorgang, der keinem Menschen erspart bleibt. Auch wenn Sterben immer bedeutet, aufhören zu leben und dann tot sein, gibt es doch unzählige verschiedene Arten des Sterbens. Die deutsche Sprache hat auch genauso viele unterschiedliche Wörter dafür. Und der Wiener legt dann noch ein paar Begriffe obendrauf. Viele Redewendungen haben sich über die Jahre gehalten und bei so mancher ist mittlerweile in Vergessenheit geraten woher der Ausdruck kommt.
Redewendungen
Seine letzte Stunde hat geschlagen: der Tod steht kurz bevor
Sterben oder versterben: Dabei verleiht die Vorsilbe „ver“ dem nachstehenden Wort noch das Prädikat „negativ“ oder
zumindest „schwierig“.
Friedlich einschlafen oder entschlafen: Damit ist klar, dass derjenige keinen schmerzlichen Todeskampf durchleben
musste und im Bett gestorben ist.
Die Augen für immer schließen: In vielen Kulturen ist es üblich, den Toten die Augen zu schließen. Dies hat oft
auch abergläubische Hintergründe. Man fürchtete, der Tote könnte als "Wiedergänger" zurückkehren und die Lebenden ansehen.
den letzten Schnaufer machen / ausschnaufen: das kommt daher, weil Sterbende oft schwer und laut
atmen, man hört dann irgendwann den letzten Atemzug und dann ist Stille.
hinübergehen: drückt den Glauben an ein Jenseits aus.
von uns gehen: Hier kommt der Abschiedsschmerz der Hinterbliebenen zum Ausdruck. Auch der Glaube, dass es nach dem Tod noch etwas gibt, schwingt hier mit. Der
Tote ist dorthin abgereist.
die letzte Reise antreten: Diese Formulierung ist eine Metapher für die Reise nach dem Tod, die ins Jenseits führt.
heimgehen: Dieser Mensch starb in dem Glauben, dass er in den Himmel kommt, wo er eine Wohnung bei Gott bekommt.
Wurde von Gott abberufen: Er folgte einer Anweisung Gottes zu ihm zu kommen, quasi eine Versetzung von der Erde in den Himmel.
Seine Seele ist zu Petrus aufgefahren: Damit wird ausgedrückt, dass man glaubt, dass Verstorbene in den Himmel auffahren und dort an der Himmelstür von Petrus in Empfang genommen
werden.
Ist über den Jordan gegangen: Dies beschreibt, dass der Tote nun im Himmel ist. Der Fluss Jordan in Palästina schied die Wüste von dem Land, das den Israeliten versprochen worden
war. Sie verglichen es mit dem Reich des Himmels. Der Übergang über den Jordan ist gleichbedeutend mit dem Einzug ins verheißene Land.
Hat das Zeitliche gesegnet: diese Redewendung kommt daher, weil es früher üblich war, dass ein Sterbender seine Familie segnet und für sie um den Segen Gottes bittet.
Ist den Weg allen Irdischen gegangen: macht die Vergänglichkeit deutlich.
Ist den Weg allen Fleisches gegangen: w.o. mit noch deutlicherem Hinweis auf die Verwesung.
hat ausgelitten: Der Tote litt vermutlich an einer schweren Krankheit, die ihm Schmerzen und Leid bereitete, bevor er daran starb.
Erlag seiner Verletzung / Krankheit: starb nicht plötzlich, sondern an den Folgen einer Verletzung oder Krankheit
Ist verhungert, verdurstet, erforen, erstickt, ertrunken etc.: Ist gestorben, Bezeichnung gibt Hinweis auf eine konkrete Todesursache.
Ist gefallen: Ist im Krieg oder im Gefecht gestorben, da Soldaten, die tödlich verwundet werden, wortwörtlich zu Boden fallen.
Ist zugrunde gegangen, krepiert oder verreckt: In diesem Fall war der Sterbeprozess grauenhaft. Die Begriffe kommen aus der Soldatensprache. Sie beschreiben einen Sterbevorgang wie bei Wildtieren, bei welchem der Sterbende sich selbst überlassen ist.
Hat sein Leben gegeben für etwas oder jemanden: Der Tote starb im Dienst eines höheren Zieles oder zum Schutz anderer, also z.B. im Krieg oder bei einem Rettungseinsatz. Dieser Ausdruck vermittelt den Eindruck als hätte der Gestorbene ein Tauschgeschäft gemacht oder sein Leben im Rahmen einer Sammlung gespendet.
Hat mit seinem Leben bezahlt bzw. es hat ihm das Leben gekostet: Das Leben wird als Ware bzw. als Zahlungsmittel betrachtet. Eine bestimmte Tat oder Aktion endete mit dem Tod der Person, welchen diese vorher einkalkuliert hatte.
Hat ins Gras gebissen: kommt aus der Soldatensprache und geht auf die antike Vorstellung zurück, dass verwundete Krieger im Kampf wortwörtlich ins Gras bissen, während sie starben. Viele Soldaten bissen im Todeskampf aber auch in die Erde bzw. in den Staub, daher heißt es im Englischen heute noch „to bite the dust“.
Hat sein Leben geopfert: gleichbedeutend w.o., allerdings bekommt das Ganze fast schon religiöse Züge.
Hat / musste sein Leben lassen: gleichbedeutend w.o.. Klingt nach einer mehr- oder weniger freiwilligen Abgabe seines Lebens, welches von jemand anderem (Kriegsherr) eingefordert wurde.
Ist den Heldentod gestorben: gleichbedeutend w.o., durch seinen Einsatz wurde der Tote zum Helden. Damit sollte die Kampfmoral der Soldaten gestärkt werden.
Umkommen, ums Leben kommen oder zu Tode kommen: deutet darauf hin, dass der Mensch keines natürlichen Todes gestorben ist, sondern z.B. bei einem Unfall getötet wurde.
Das Leben verlieren: der Mensch starb vermutlich bei einem Unfall oder ähnlichem. Möglicherweise hat er nicht genügend auf sein Leben aufgepasst. Jetz ist es unwiederbringlich weg.
Hat den Tod gefunden: dieser Mensch starb wahrscheinlich im Rahmen eines besonderen Ereignisses, z.B. im Krieg, Unfall, Expedition, Attentat, Mord oder Ähnlichem. Irgendwie klingt es danach, als wäre XY ausgezogen, um den Tod zu suchen und als wäre er dabei erfolgreich gewesen.
Ist dabei draufgegangen: Der Tote ist bei einer waghalsigen Unternehmung gestorben.
Ist vor die Hunde gegangen: geht mind. auf das 17. Jahrhundert zurück, kommt daher, weil krankes und schwaches Wild eher den Jagdhunden als dem Jäger zum Opfer fiel. Ein solcher Tod gilt als besonders schmerzlich und gewaltsam.
Wurde hinweggerafft: in diesem Fall erfolgte das Sterben sehr rasch.
Wurde aus unserer Mitte gerissen: Es handelt sich um einen unerwarteten, plötzlichen Tod eines Menschen, der mitten im Leben stand und in eine Familie bzw. einen Freundeskreis eingebettet war.
Wurde hingerichtet / ins Jenseits befördert: Der Tod wurde ev. durch einen Henker oder Mörder herbeigeführt. Jedenfalls starb der Mensch durch fremde Gewalteinwirkung.
Jemandem das Licht ausblasen: jemanden umbringen, diese Redewendung ist eine Anlehnung an das Ausblasen einer Kerze, wonach es finster ist.
Jemandem das Licht ausknipsen: w.o. allerdings modernere Form, bezieht sich auf den Lichtschalter, mit dem man ebenfalls Dunkelheit herbeiführen kann.
jemanden hamdrahn / töten / umbringen: einem anderen Menschen gewaltsam das Leben nehmen
jemanden über die Klinge springen lassen: jemanden mit dem Schwert enthaupten. Diese Art der Todesstrafe galt als die ehrenvollste Form, weil sie kurz und schmerzlos war. Nur wenn man sich als ein geständiger Sünder erwiesen hatte, kam diese Hinrichtungsform zur Anwendung.
Hat sich das Leben genommen: Dieser Mensch hat Selbstmord begangen, wobei die Art und Weise im Unklaren bleibt.
Hat sich "hamdraht": gleichbedeutend w.o.
Hat sich ins Pendel g´haut – Dieser Mensch hat Selbstmord durch Erhängen verübt. Namensgebend ist die Pendeluhr, bei der das Pendel aufgehängt ist.
Hat sich die Kugel gegeben: Dieser Mensch hat sich selbst mit einem Kopfschuss getötet.
Hat sich die Schleife gegeben: hat Selbstmord begangen. Mit der Schleife ist die Kranzschleife gemeint, die mit dem Kranz auf den Sarg gelegt wird.
Hat den 71er genommen: Diese Redewendung kommt nur in Wien zum Einsatz, weil die Straßenbahnlinie 71, wie auch heute noch, zum Zentralfriedhof fuhr. Eine Zeitlang gab es auch eigene Straßenbahngarnituren mit Sargeinschubmöglichkeiten, die in der Nacht die Leichen aus der Stadt zum Friedhof brachten.
Hat die Bock / aufg´stellt: In Wien werden die Schuhe als „Bock“ bezeichnet. Liegt ein Toter am Rücken, dann berühren seine Schuhe den Boden nicht mehr mit der Sohle, sie sind also aufgestellt.
Hat die Patschn g´streckt: Patschn sind die Hausschuhe, ansonsten gleichbedeutend w.o.
Hat sich den Holzpyjama angezogen: Der Tote wurde in den Sarg gelegt.
Ist in die Kiste gehüpft: gleichbedeutend w.o.
Hat den Löffel abgegeben: In diesem Fall war der Tote vermutlich ein Knecht oder ein Bediensteter bei einem Bauern. Dort war es früher üblich, dass das Essen in einer Schüssel in die Mitte des Tisches gestellt wurde und alle aßen gemeinsam daraus. Dazu hatte jeder einen Löffel, der ihm vom Bauern für die Dauer seines Dienstverhältnisses leihweise zur Verfügung gestellt wurde. Wenn jemand starb, musste auch dieser Löffel wieder abgegeben werden. Meist erhielt ihn dann sein Nachfolger.
Ist abgekratz: d.h. er hat sich verabschiedet. Der „Kratzfuß“ war ein höfisches Anstandsritual, mit der man sich untertänigst verabschiedete. Dabei bewegte man das linke Bein mit einer Seitwärtsbewegung nach hinten und machte gleichzeitig eine tiefe Verbeugung.
Hat ein Bankl g´rissen: diese Bezeichnung leitet sich von einer alten Bedeutung von „reißen“ oder besser „ritzen“ ab. Es handelt sich dabei um das Einritzen von Zeichen, Worten oder Bildern auf Stein, Holz oder Pergament. Daher kommt auch das englische Wort „write“. Wenn jemand starb, dann wurde in der Totenbank (Totenbuch) ein Eintrag vorgenommen.
Ist in die ewigen Jagdgründe eingegangen: Fast alle Indianerstämme glaubten an ein Weiterleben nach dem Tod. Der Begriff "Ewige Jagdgründe" stammt allerdings von den Weißen. Die Ureinwohner Nordamerikas kannten nur die "Glücklichen Jagdgründe". Die Cheyenne und die Comanchen glaubten, dass sich die Seelen der Verstorbenen vom Körper lösen würden und über die Milchstraße, die sie "hängende Straße" nannten, in das Reich des Hauptgeistes Heammawihio wandern würde. In dem dortigen Tal, in dem es keine Sorgen und Schmerzen geben soll, hofften sie, eine Unzahl von Jagdtieren vorzufinden.
Ist "Kappores" gegangen: Ist „kaputt“ geworden, tot, durch fremde Hand gestorben, Ursprung liegt in der orthodoxen jüdischen Tradition Kapparot, wobei am Vorabend von Jom Kippur ein Sühneritual durchgeführt wird. Dabei wird ein lebendes Huhn über dem Kopf einer Person geschwenkt und danach geschlachtet.
Der Teufel hat ihn geholt: Ein Mensch ist gestorben, wobei dieser Umstand mit einer unheilvollen Macht in Verbindung gebracht wird. Möglicherweise handelte es sich aber auch um einen schlechten Menschen, von dem man glaubt, dass er nun seine Sünden in der Hölle büßen wird müssen.
Der "Quiqui" hat ihn geholt: Quiqui ist ein Synonym für den Tod oder den Sensenmann. Es gibt unterschiedliche Erklärungen wo der Begriff herkommen soll. Entweder aus der Gaunersprache, dem Rotwelschen, wo der Quiqui ein Gauner ist, der einen anderen Gauner abholt, oder aus dem Romanischen vom Fragewort „Quisquis“, was soviel bedeutet wie „Wer auch immer“. Kommt also der Sensenmann zu einem Sterbenden, so begrüßt ihn dieser mit den Worten „Wer auch immer du bist“.
Man hat ihn mit den Füßen voraus hinausgetragen: Tote werden traditionell mit den Füßen voran aus dem Haus getragen. Dies geht auf einen alten Aberglauben zurück, dass die Seele so nicht den Weg zurück ins Haus finden soll. Dieser Brauch basierte auf der Furcht vor „Wiedergängern“ und dem Glauben, der Verstorbene könnte sonst im Grab keine Ruhe finden. Abgesehen davon hat es heute auch mit Respekt zu tun: Auch Kranke werden nicht rückwärts transportiert, sondern so, dass sie den Weg sehen können.
Zitate
Der Tod hat die Menschen schon immer beschäftigt. Ich habe einige philosophische, aber auch humorvolle Zitate dazu zusammengetragen:
„Man stirbt nur einmal - und das für sehr lange!“ (Moliére, französischer Schauspieler, Theaterdirektor und Dramatiker)
„Manche Männer sind dafür geschaffen, eines Tages glückliche Witwen zu hinterlassen.“ (Robert Lembke, deutscher Journalist und Fernsehmoderator)
„Ein Mensch sieht ein, dass wer, der stirbt, den andern nur den Tag verdirbt.“ (Eugen Roth, deutscher Lyriker)
„Die Guten sterben immer zuerst. Man muss sich schämen, wenn man noch lebt.“ (Unbekannter Verfasser)
„Vorm Tode sich fürchten hat keinen Zweck! Man erlebt ihn ja nicht! Wenn er kommt, ist man weg!“ (Otto Reutter, deutscher Sänger und Komiker)
„Wer am Ende ist, kann von vorn anfangen, denn das Ende ist der Anfang von einer anderen Seite.“ (Karl Valentin, deutscher Komiker, Volkssänger, Autor und Filmproduzent)
"Der Tod lächelt uns alle an, das Einzige, was man machen kann, ist zurück lächeln." (Marc Aurel, römischer Kaiser und Philosoph)
"Der Sinn des Lebens liegt darin, dass es aufhört". (Franz Kafka, österreichisch-tschechoslowakischer Schriftsteller.)
"Niemand kennt den Tod, es weiß auch keiner, ob er nicht das größte Geschenk für den Menschen ist. Dennoch wird er gefürchtet, als wäre es gewiss, dass er das schlimmste aller Übel sei." (Sokrates, griechischer Philosoph)
"Das Leben ist hart. Dann stirbt man. Dann werfen sie einem Dreck ins Gesicht. Dann fressen einen die Würmer. Sei dankbar, dass es in dieser Reihenfolge passiert." (David Gerrold, US-amerikanischer Drehbuchautor)
"Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich will nur nicht dabei sein, wenn es passiert." Woody Allen, US-amerikanischer Filmregisseur, Autor, Schauspieler und Komiker)
"Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod, obwohl ich ein Paar Unterhosen zum Wechseln mitnehmen werde." (Woody Allen, amerikanischer Filmregisseur und Komiker)
"Manche Menschen sterben mit 25 und werden erst mit 75 begraben." (Benjamin Franklin, amerikanischer Verleger, Schriftsteller, Naturwissenschaftler, Erfinder und Staatsmann)
"Das Leben ist wie ein Traum. Der Tod ist das Erwachen aus diesem Traum." (Arthur Schopenhauer, deutscher Philosoph und Hochschullehrer)
"Sterben ist ebenso natürlich wie das Geborenwerden, und für einen Säugling ist das vielleicht so schmerzhaft wie für uns das andere." (Francis Bacon, englischer Philosoph und Staatsmann)
"Eine Sache ist nicht unbedingt richtig, nur weil jemand dafür gestorben ist." (Oscar Wilde, irischer Schriftsteller und Dichter)
"Das Ziel allen Lebens ist der Tod." (Sigmund Freud, österreichischer Neurologe und Begründer der Psychoanalyse)
"Für sich selbst ist jeder unsterblich; er mag wissen, dass er sterben muss, aber er kann nie wissen, dass er tot ist." (Samuel Butler, britischer Schriftsteller und Satiriker)
"Es gibt drei Sorten von Menschen: solche, die sich zu Tode sorgen; solche, die sich zu Tode arbeiten; und solche, die sich zu Tode langweilen." (Winston Churchill, britischer Premierminister und Staatsmann)
"Sterben kann gar nicht so schwer sein - bisher hat es noch jeder geschafft." (Norman Mailer, amerikanischer Schriftsteller und Journalist)
"Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht." (Epikur von Samos, griechischer Philosoph)
"Der Tod kommt nur einmal, und doch macht er sich in allen Augenblicken des Lebens fühlbar. Es ist herber, ihn zu fürchten, als ihn zu erleiden." (Jean de La Bruyère, französischer Schriftsteller)
"Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, ist nicht tot. Er ist nur fern. Tot ist nur, wer vergessen wird." (Immanuel Kant, deutsche Philosoph)
"Der Tod eines Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik." (Josef Stalin, sowjetischer Diktator)
"Man könnte viele Beispiele für unsinnige Ausgaben nennen, aber keines ist treffender als die Errichtung einer Friedhofsmauer. Die, die drinnen sind, können sowieso nicht hinaus, und die, die draußen sind, wollen nicht hinein." (Mark Twain, amerikanischer Schriftsteller)
"Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt." (Bertolt Brecht, deutscher Dramatiker und Lyriker)
"Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es." ( Bertrant Russel, britischer Philosoph, Mathematiker und Logiker)
"Sinn des Lebens: etwas, das keiner genau weiß. Jedenfalls hat es wenig Sinn, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein." (Peter Ustinov, britischer Schauspieler, Schriftsteller und Regisseur)
"Man will wissen, dass im ganzen Lande seit 500 Jahren niemand vor Freude gestorben wäre." (Georg Christoph Lichtenberg, deutscher Physiker, Naturforscher, Mathematiker und Schriftsteller
"Auch die besessensten Vegetarier beißen nicht gern ins Gras." (Joachim Ringelnatz, deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler)
"Beerdigungen sind schon eine komische Tradition. Da schmeißen Sie eine riesige Party für dich genau an dem Tag, wo sie wissen, dass du garantiert nicht kommen kannst." (Jeff Goldblum, US-amerikanischer Schauspieler und Musiker)
"Es heißt, die Angst vieler Menschen, öffentlich Reden zu halten, sei sogar noch größer als ihre Angst vor dem Tod. Ich glaube nicht, dass das stimmt. Denn es würde ja bedeuten: Bei einer Beerdigung ist derjenige, der am Rednerpult steht, schlechter dran als derjenige, der im Sarg liegt." (Jerry Seinfeld, US-amerikanischer Stand-up Comedian, Schauspieler, Drehbuchautor, Produzent und Autor)
Wissenswertes
erste Todesanzeige:
Die erste Todesanzeige in der Presse soll es im Jahr 1724 in der „Wöchentlich Frankfurter Frag- und Anzeigungs-Nachrichten“ gegeben haben. Darin wurde am 30. September der Tod einer 78jährigen Hebamme verlautbart. Diesem Artikel war ein Gedicht beigefügt mit dem Wortlaut:
„Frau Checus welche offt der hohen Huld genossen,
Hat nach des Höchsten Rath, ihr Leben sanft beschlossen:
Sie ruht in Seinem Schooß, und wird von Ihm erquickt.
Nachdem Er manches Leyd und creutz ihr zugeschickt.
Sechs Tausend Kinder hat sie auf der Welt empfangen,
An Jahren ist sie Acht und Siebzig übergangen.“
erste Feuerbestattung in Österreich:
Während es in Europa schon wesentlich früher die Möglichkeit der Feuerbestattung gab, wurde in Österreich erst im Jahre 1922 das erste Krematorium eröffnet. Dem ging ein jahrzehntelanger Kampf voraus. Antiklerikale Parteien und Vereine setzten sich schließlich gegen den kirchlichen Widerstand durch. Die katholische Kirche drohte mit der Exkommunikation und der Verweigerung der Sterbesakramente. Schon 1885 wurde der Verein der Freunde der Feuerbestattung „Die Flamme“ gegründet. 1921 gelang es schließlich im Wiener Gemeinderat, die Errichtung eines Krematoriums durchzusetzen. Dieses wurde in Simmering gegenüber dem Zentralfriedhof errichtet und am 17. Dezember 1922 eröffnet. Die erste Verbrennung fand am 17. Jänner 1923 statt, obwohl der zuständige christlich-soziale Minister Richard Schmitz am Tag zuvor den Betrieb des Krematoriums verboten hatte. Als Folge wurde der Wiener Bürgermeister Jakob Reumann beim Verfassungsgerichtshof geklagt. Das Verfahren gewann allerdings die Stadt Wien. Am 15. Mai 1934 gab es eine staatliche Gleichstellung von Feuer- der Erdbestattung. Die katholische Kirche lehnte eine Kremation aber weiterhin ab. Erst am 24. Oktober 1964 erteilte der Vatikan die offizielle Zustimmung zur Feuerbestattung. Feuerbestattungen werden übrigens auch heute noch von einigen Religion, wie dem Judentum, dem Islam und den orthodoxen Kirchen abgelehnt. Hintergrund ist der Glaube an die leibliche Auferstehung, bei welcher der gesamte Körper wieder benötigt wird.
Scheintod
In früheren Zeiten war die Angst, lebendig begraben zu werden, die „Taphephobie“, weit verbreitet. Zur damaligen Zeit hatten die Ärzte nur sehr einfache Methoden um den Tod eines Menschen festzustellen. Dazu gehörte das Vorhalten eines Spiegels vor den Mund, um zu sehen, ob er durch den Atem beschlägt. Ebenso wurde heißes Wachs von Kerzen oder Siegellack aufgetropft oder Federn vor die Nase gehalten oder ein Glas mit Wasser auf die Brust gestellt, um an Wasserbewegungen zu sehen, ob sie sich leicht hebt und senkt. Diese Diagnostik versagte auch schon mal. Vor allem bei Neugeborenen, bei scheinbar Ertrunkenen, Erfrorenen, Erhängten oder Erwürgten kam es vor, dass zwar der Tod festgestellt wurde, die vermeintlichen Leichen aber nach einiger Zeit wieder Lebenszeichen von sich gaben. Da es damals auch noch keine Leichenhallen und damit auch keine Kühlmöglichkeit für die Verstorbenen gab, fand die Beerdigung zeitnah zum Tod statt. Damit fürchteten die Menschen nach ihrem Scheintod im Grab wieder zu erwachen und dann einen schrecklichen Erstickungstod zu finden. Daher gab es verschiedene Vorkehrungen für den Ernstfall. Zum einen legten Personen in ihrem Testament Lagerfristen für ihre Leiche fest. Arthur Schopenhauer ordnete an, dass er erst beerdigt werden dürfte, wenn deutliche Zeichen der Verwesung sichtbar seien. Andere, wie z.B. Hans Christian Anderson, verfügten, dass ihnen vor der Bestattung die Pulsader durchschnitten werden soll. Es gab aber auch spezielle Vorrichtungen, wie mit Gas gefüllte Särge, offene Särge, die mit Erde zugeschüttet wurden, um einen schnellen Erstickungstod hervorzurufen, oder auch offene Särge mit Leitern, welche die Möglichkeit bieten sollten, dem Grab zu entsteigen. Kaiser Joseph II. erließ eine Verordnung, wonach eine Beerdigung frühestens 48 Stunden nach Eintritt des Todes erlaubt wurde. Dies gilt im Wesentlichen übrigens auch heute noch. Damit wurde ein Begräbnis Scheintoter weniger wahrscheinlich.
In Österreich-Ungarn konnte man auch verfügen, dass im Falle des Todes ein Arzt mit einem stilletartigen Messer einen Herzstich vornimmt. Dies garantierte den sicheren Tod. Von dieser Möglichkeit machten z.B. Johann Nestroy, Arthur Schnitzler und Berthold Brecht Gebrauch. Andere vertrauten auf den „Rettungswecker“. Dabei wurde am Handgelenk oder Fuß des Verstorbenen eine Schnur befestigt, welche durch eine unterirdische Leitung zum Wecker in die Unterkunft des Totengräbers führte. Wenn der Scheintote erwachte, sollte das Ziehen an der Schnur einen Alarm auslösen. Die Feststellung des Todes sollte heute eigentlich exakter sein. Allerdings gab es in letzter Zeit wieder einige Meldungen, dass für tot gehaltene Personen plötzlich wieder zum Leben erwachten.
die josephinische Begräbnisverordnung
Den Wienern wird nachgesagt, dass sie ein besonders Verhältnis zum Tod hätten. Vor allem lag den Menschen aber viel an einer „schöne Leich“. Dies war ein Ereignis, mit dem man seinen Status in der Gesellschaft präsentieren konnte. Viele sparten ihr Leben lang dafür. Joseph II., der als „Reform- und Sparkaiser“ in die Geschichte einging, erließ am 11. November 1783 und am 24. August 1784 Hofdekrete, die massiv in die bisherige Begräbniskultur eingriffen. So verbot er Erdbestattungen innerhalb der Stadt. Die Toten mussten außerhalb der Stadtmauern beigesetzt werden. Dazu wurden fünf kommunale Friedhöfe geschaffen. Es waren dies der St.Marxer Friedhof, der Schmelzer Friedhof (heute Vogelweidpark), der Hundsturmer Friedhof (heute Haydnpark), der Matzleinsdorfer Friedhof (heute Waldmüllerpark) und der Währinger Friedhof (heute Währinger Park). Damit sollten Seuchen und Gesundheitsrisiken gebannt werden.
Weiters beinhalteten diese Gesetze auch Sparmaßnahmen. Die Bestattungen sollten möglichst einfach und kostengünstig erfolgen. So wurden keine Einzelgräber mehr verwendet, die Toten mussten in Schachtgräbern anonym bestattet werden. Es wurden dabei mehrere Tote, die am selben Tag bestattet wurden, übereinander in ein Grab gelegt. Außerdem kam der „josephinische Gemeindesarg“, vulgo „Sparsarg“, zum Einsatz. Dazu wurde der Tote nackt in ein Leinentuch eingenäht und in den speziellen Sarg gelegt, welcher an der Unterseite mit einer Klappe versehen war. Über der Grabstelle konnte der Sargboden mit einem Hebel geöffnet werden und der Leichnam fiel ins Grab. Dieser wurde dann noch mit ungelöschtem Kalk bestreut, bevor er mit Erde bedeckt wurde. Jede Gemeinde war verpflichtet, eine angemessene Anzahl solcher Totentruhen von verschiedener Größe bereitzustellen. Bei einem Todesfall wurden sie dann verborgt. Joseph der II. wollte damit der Prunksucht der Menschen Einhalt gebieten, aber auch die Einsparung der wertvollen Ressource Holz sollte damit erreicht werden. Die Leichen verwesten durch diese Vorgehensweise schneller und damit sollte auch der Platz auf den Friedhöfen länger ausreichen. Außerdem sollte der Tote in der Pfarrkirche eingesegnet und verabschiedet werden und im Anschluss daran ohne Begleitung am Friedhof begraben werden. Diese Verordnungen stießen bei den Wienern allerdings auf wenig Gegenliebe. Die Bevölkerung leistete heftigen Widerstand und es kam schon im Winter 1784 zu Tumulten und gewalttätigen Ausschreitungen. Schließlich musste der Kaiser Anfang 1785 klein beigeben und diese Gesetze zurücknehmen.
Nicht ganz ernst gemeint
Mit einem Augenzwinkern könnte man einiges in eine Todesnachricht hineininterpretieren:
- Hat jemand der Schlag getroffen, handelt es sich beim Toten dann um einen Elektriker?
- Wenn jemand ins Gras gebissen hat, war er dann ein Gärtner?
- Jemand der das Zeitliche gesegnet hat, könnte natürlich auch ein Pfarrer gewesen sein.
- Wenn jemand verreckt ist, könnte es ein Turner gewesen sein.
- Wenn Schaffner oder Lok-führer in den letzten Zügen liegen, machen sie keinen Dienst mehr.
- Wenn Beamte sanft entschlafen, tun sie das meist nicht am Arbeitsplatz.
- Auch Zahnärzte und -techniker hinterlassen in der eigenen Familie meist eine große Lücke.
- Wenn sich jemand die Radieschen oder die Kartoffeln von untern ansieht, heißt das nicht, dass er Bauer oder Gemüsehändler war.
- Wenn jemand abgekratzt ist, handelt es sich nicht zwangsweise um einen Maler.
- Springt jemand über die Klinge, muss er kein Fleischer sein.
- Nicht nur Putzfrauen kehren irgendwann nie wieder.
- In die ewigen Jagdgründe gehen nicht nur Jäger ein.
- Ist jemand unter die Räder gekommen, ist damit nicht gesagt, dass es sich um einen Mechaniker oder Autohändler handelt
- Auch Anwälte müssen sich vor dem jüngsten Gericht verantworten.
- Wäscherinnen erbleichen nicht anders als alle anderen Menschen.
- Ist jemand über den Jordan gegangen, muss es kein Rabbi gewesen sein.
- Auch Augenärzte und Optiker schließen einmal für immer die Augen.
- Irgendwann hört jeder Sänger die Engel singen.
- Hat jemand sein Leben verloren, muss er vorher kein Spieler gewesen sein.
- Nicht jeder der einen Abgang machte, hatte schauspielerisches Talent.
- Auch jedem Uhrmacher schlägt einmal die letzte Stunde.
- Wurde jemand heim berufen, handelt es sich dabei meistens um keinen Auswanderer.
- Wenn jemand für immer verstummte, dann muss es sich nicht um einen TV-Moderator handeln.
- Ist das Leben eines Menschen erloschen, dann könnte der Tote Heizer gewesen sein, alles andere ist aber viel wahrscheinlicher.
- Nicht nur Koch und Kellner müssen irgendwann den Löffel abgeben.
Bildquellen:
- Todesengel in Stein: © Karin Kiradi
- der Tod als ungebetener Gast: Deutsche Digitale Bibliothek CC0
- das Tor in ein anderes Leben: © Karin Kiradi
- "Soldat und Tod": Flickr: Museum of Military History, Vienna, Hans Larwin, 1917, CC BY 2.0
- Soldatengräber: © Karin Kiradi
- Hinrichtung: Look and Learn CC0
- Selbstmord durch Erschießen: Museum Digital Hessen: Werther erschießt sich, gezeichnet von Johann David Schubert ca. 1822, CC0
- Straßenbahnwaggon als Leichenwagen: © Karin Kiradi
- der Sensenmann: Vectorportal CC0
- Symbole für den Tod: Pxhere CC0
- Rettungswecker: ONB
- Sparsarg: ONB
- 4 Auszüge aus Grabsteingravuren: © Karin Kiradi




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Johannes-Maria Lex (Montag, 03 November 2025 15:14)
Großartig, Karin, DANKE!
Othmar E.R. PUSCH sen. (Montag, 03 November 2025 16:48)
Spitze Karin!
Sigi Schwärzler (Montag, 03 November 2025 19:26)
Äußerst interessant - der Tod lässt grüßen
Ingrid (Montag, 03 November 2025 19:42)
Genial! Viele der Ausdrücke hab ich schon ewig nicht mehr gehört/gelesen und manches gar nicht gekannt! Sehr interessant �
Heinz (Montag, 03 November 2025 22:28)
Jedesmal sind ihre Beiträge ein Reichtum an unbekannten Fakten und eine Freude, wieder Neues zu erfahren oder an längst Vergessenes erinnert zu werden. Die aktuellen Aussendung ist ein neuer Höhepunkt an Wissensvermittlung und vieles ist außerdem auch noch zum Schmunzeln. Vielen, vielen Dank für jeden Beitrag! Heinz K.
Helga Schäfer (Dienstag, 04 November 2025 00:00)
Wunderbar! Herzlichen Dank!
Erich Lindengrün (Donnerstag, 06 November 2025 13:48)
Liebe Karin,
wieder ein ganz toller Beitrag. Danke.